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Lockdown & Social Distancing

Wie wirkt sich Corona auf unsere Psyche aus?

Experte: Probleme zeigen sich erst jetzt

Depression, psychische probleme, seele, SB Pixabay/CC0
Die Corona-Krise kann auch unser Seelenheil verletzen.

Neun Wochen Lockdown, Social Distancing, dazu lange Zeit tägliche Meldung von steigenden Covid-19-Fällen: Ein außergewöhnlicher Frühling liegt hinter uns. Wie haben die Salzburgerinnen und Salzburger diese Belastung seelisch überstanden, mit welchen Problemen hatten sie zu kämpfen und wie sieht es derzeit aus? Wir haben nachgefragt.

Das große Thema während des Lockdowns war die Einsamkeit, die die Menschen auf verschiedene Art und Weise belastet hat, berichtet der Leiter der Krisenintervention Salzburg, Josef Demitsch. Allerdings hätten die meisten im Bundesland diese Phase recht gut weggesteckt. „Die zu erwartende Steigerung der Inanspruchnahme der Hilfeleistung hat in diesem Ausmaß gar nicht so stattgefunden.“

 

Gründe dafür macht Demitsch mehrere aus: „Zum einen haben die Menschen all ihre Ressourcen gebündelt, um durch die Krise zu kommen. Dazu kommt, dass die Pandemie jeden betroffen hat, daher war der soziale Druck nicht so groß.“

Die Probleme der Salzburger

Die seelischen Probleme der Menschen, mitunter ausgelöst durch die Corona-Krise, werde man erst mit Verzögerung spüren, mutmaßt der Experte: „Das wird sich in Form von Überlastungsreaktionen, beispielsweise von Alleinerziehenden, Beziehungskonflikten und Destabilisierungen von Menschen mit psychischen Vorerkrankungen zeigen.“

Auch die wirtschaftlichen Auswirkungen durch die Corona-Pandemie können unser Seelenheil gefährden: „Finanzielle Probleme oder eine mögliche Arbeitslosigkeit können belastend wirken“, weiß Demitsch. Noch bekomme man bei der Krisenintervention noch wenige solcher Fälle, auch diese „kommen sicherlich erst mit Verzögerung“, prognostiziert der Kriseninterventions-Leiter.

Wer besonders von der Corona-Krise betroffen war

Auch der Psychosoziale Dienst vom Land Salzburg hat aufgrund der Corona-Pandemie eine eigene Hotline eingerichtet. Die Nachfrage hielt sich jedoch in Grenzen, wie der Leiter, Bernhard Hittenberger, im Gespräch mit SALZBURG24 berichtet: „Der Großteil der Menschen, der uns kontaktiert hat, waren jene, die wir ohnehin bereits betreut haben oder Menschen, die uns aus früheren Betreuung gekannt haben.“

So kümmert sich der Psychosoziale Dienst vorwiegend um Menschen mit schweren psychischen Erkrankungen oder Suchterkrankungen. Für sie war der Lockdown besonders belastend: „In dieser Zeit war der Zugang zu den Ambulanzen nur schwer möglich, auch die Aufnahme wurde eingeschränkt, weil die Kapazitäten für Corona-Patienten freigehalten werden mussten.“

Telefon-Seelsorger als einziger Kontakt

Dadurch, dass viele Einrichtungen ihre Angebote in relativ kurzer Zeit einstellen mussten, hängen die Betroffenen in der Luft: „Wir haben sehr viel telefoniert und waren in dieser Zeit für viele der einzige Kontakt. Das ist natürlich für jemanden, der depressiv ist oder eine Angststörung hat, sehr herausfordernd“, berichtet Hittenberger, der Facharzt für Psychiatrie ist.

Psychische Belastungen durch Corona

Vor allem das Fehlen des persönlichen Kontaktes stellte den Psychosozialen Dienst mit zunehmender Dauer vor Herausforderungen: „Auch Video-Telefonanrufe waren oft nicht möglich, da viele gar nicht die technischen Geräte besitzen, um so mit uns in Kontakt zu treten“, erzählt der Mediziner. Als zusätzliche Herausforderung musste der Psychosoziale Dienst seine Bürozeiten Mitte März reduzieren.

Dennoch zieht Hittenberger eine positives Fazit nach dem Lockdown: Viele der psychisch Schwerkranken haben die Zeit erstaunlich gut überstanden.“ Eine deutliche Steigerung der Hilfesuchenden nimmt der Facharzt für Psychiatrie aktuell wahr: „Wir haben – quasi jetzt mit Verzögerung – derzeit alle Hände voll zu tun und haben deutlich mehr Betrieb als üblicherweise zu dieser Jahreszeit.“

Das Positive aus der Corona-Krise

Dennoch hatte der Lockdown nicht nur negative Konsequenzen für unsere Psyche, wie Kriseninterventions-Leiter Demitsch betont: „Wir alle wurden durch Corona etwas eingebremst. Das hat uns die Möglichkeit gegeben, einmal ein Stück weit innezuhalten. In dieser Zeit konnte man sich darüber Gedanken machen, was wesentlich ist und was nicht.“

Nach dem Hochfahren sei aber wieder schnell alles in die bekannten Muster verfallen: „Der Stress im beruflichen Umfeld war oft gleich wieder ein sehr hoher“, erklärt der Experte. Die Spuren, die die Corona-Krise in unserer Psyche hinterlassen hat, werden aber noch lange sichtbar sein: „Das ist eine langfristige Geschichte. Ich bin gespannt, wie sich die Lage entwickelt.“

Betroffene können sich unter folgender 24-Stunden-Krisenhotline melden:

  • Salzburg Stadt: 0662 / 43 33 51
  • St. Johann: 06412 / 200 33
  • Zell am See: 06542 / 72 600
(Quelle: SALZBURG24)

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So bleibt auch die Seele gesund

Depression, psychische Probleme APA/ROLAND SCHLAGER

Unsicherheiten, Zukunftsängste und emotionale Ausnahmesituationen: Die Corona-Krise geht auch auf die Psyche. Neben all den Maßnahmen, sich und andere Menschen vor dem Virus zu schützen, wird es immer wichtiger auch auf unsere seelische Gesundheit acht zu geben. Wir haben mit dem Salzburger Experten für Krisenintervention, Josef Demitsch, gesprochen und Tipps für euch zusammengestellt.

Am Freitag, dem 13. März, verkündete die Bundesregierung erstmals drastische Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus in Österreich. Seither hat sich der Alltag eines jeden von uns auf den Kopf gestellt. Viele von uns sind in Kurzarbeit oder gar in die Arbeitslosigkeit geschickt worden. Und dann gibt es da noch die Ausgangbeschränkungen oder gar Quarantäne und Isolation.

 

„Social distancing“ – übrigens ein Anwärter auf das Unwort des Jahres 2020 – hinterlässt seine Spuren. Kontakte zu Freunden, Familienmitgliedern und Arbeitskollegen können nur noch mit ausreichend körperlicher Distanz über soziale Medien und Telefon aufrechterhalten werden. Umarmungen, Berührungen, Küssen und körperliche Nähe fehlen dabei, während man Zuhause entweder alleine, mit dem Partner oder den Kindern Tag für Tag aufeinanderhockt. Und über all dem schwebt die Frage: „Wie lange wird das noch gehen?“.

 

Unsicherheiten bringen Druck und Stress

„Diese Unsicherheiten sorgen für Stress und je länger die Situation dauert, desto größer wird der Druck“, sagt Josef Demitsch, Leiter der Ambulanten Krisenintervention Salzburg im Gespräch mit SALZBURG24. Leichter werde es erst dann, wenn konkrete Perspektiven vermittelt werden könnten, so der Experte. Aber genau das scheint im Moment nicht der Fall.

Aus diesem Grund seien gerade jetzt Menschen mit entsprechender psychischer Vorbelastung besonders gefährdet, tatsächlich an einer psychischen Krankheit – wie zum Beispiel Depressionen oder Angstzuständen – zu erkranken. So scheint neben der körperlichen die seelische Gesundheit in Zeiten wie diesen mindestens genau so beachtenswert. Aus diesem Grund haben wir gemeinsam mit Pro Mente folgende Hilfestellungen und Tipps für euch, wie ihr seelisch fit bleibt.

Josef Demitsch Krisenintervention Salzburg SALZBURG24/Posani

So bleibt ihr seelisch gesund

1. Schaffe dir eine regelmäßige Struktur, aber ohne es zu übertreiben

  • Unter der Woche: zu festgelegten Zeiten aufstehen, die Körperhygiene nicht vernachlässigen und Tagesbekleidung anziehen. Den Tag in Arbeits- und Erholungs- bzw. Freizeitphasen einteilen. Falls keine Telearbeit möglich ist, dann am besten selbst Arbeiten suchen, die man schon lange aufgeschoben hat und erledigen möchte. Ein guter Zeitpunkt zum Reparieren, Entrümpeln, Putzen.
  • An den Wochenenden: Zeitstruktur wie früher an Wochenenden, z.B. später aufstehen, länger frühstücken etc.; der Rhythmus einer strukturierten Woche und eines etwas lockereren Wochenendes sollte beibehalten bleiben.

2. So viel Abwechslung wie möglich

  • Schon der Wechsel in ein anderes Zimmers kann Abwechslung bringen. Einzelne Räumen können gewisse Funktionen wie Arbeit, Freizeit, Kommunikation etc. zugeordnet werden. Ist die Wohnung zu klein, sollte man die Sitzgelegenheit wechseln und sich nach Möglichkeit in der Wohnung etwas bewegen.
  • Plant Spaziergänge sowohl für euch alleine ein und gemeinsam mit jenen Menschen, mit denen ihr zusammenwohnt.
  • Vereinbart mit anderen Menschen fixe Zeiten für die Kommunikation (Anrufzeiten).

3. Medienkonsum begrenzen

  • Es ist wichtig, die Zeit, in denen Nachrichten und Informationen rund um das Coronavirus gehört, gelesen oder gesehen werden, zu begrenzen. Dies gilt besonders für ängstliche Menschen, die sich durch Katastrophenmeldungen stark verunsichern lassen.
  • Einmal täglich „Corona-News“ aus den offiziellen Medien ist genug, empfiehlt die Pro Mente.
  • Facebook, Whatsapp und Co sollten nur bewusst genutzt werden.

4. Tu dir selbst etwas Gutes

  • Frage dich selbst: Gibt es etwas, das ich schon immer tun wollte, das mir Freude macht, zu dem ich nie ausreichend gekommen bin? Alles, was du gerne tust, ist gut.
  • Den Bewegungsdrang kann man durch Sport und Spaß daheim, aber auch durch längere Spaziergänge, ausleben.

5. Negatives Denken vermeiden

Jeder Mensch blickt unter Druck oder wenn er sich einsam fühlt, eher negativ und ängstlich auf die Welt und übersieht dabei oft das Positive. Diese Verzerrung der Wahrnehmung gehört zu den größten Gefahren für die seelische Gesundheit. Und eine negative Denkweise ist leider auch hoch ansteckend: Man kann damit sowohl selbst „angesteckt“ werden, als auch andere damit „infizieren“. Dagegen gibt es Abhilfe:

  • Halte dich von Menschen und Gruppen fern, die ständig negativ denken und kommunizieren.
  • Trifft das auf für euch wichtige Personen zu, dann sprich die Problematik des negativen Denkens an. So könnt ihr euch aus dem Sog befreien und eventuell auch dem Gegenüber helfen.
  • Versucht euch am Abend vor dem Einschlafen an drei positive Dinge des Tages – seien es auch noch so kleine – zu erinnern.

6. Gefühle wahrnehmen

  • Es ist wichtig, sich der eigenen Gefühle bewusst zu werden. Sie werden in dieser Zeit spürbarer und wir sind das nicht gewohnt.
  • Nutze die Zeit, um über eure Gefühle nachzudenken und mit vertrauten Personen darüber zu sprechen.
  • Solltet ihr vom Grübeln nicht wegkommen, plant eine positive Beschäftigung, die ihr immer dann beginnt, wenn ihr länger als zehn Minuten negativen Gedanken nachhängt.

7. Unterstützung zulassen

  • Sprecht mit Freunden und Bezugspersonen.
  • Scheut euch nicht, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. Telefonische Beratung ist auch jetzt fast überall möglich. Die Pro Mente Salzburg hat eine Krisenhotline, die rund um die Uhr besetzt ist: Salzburg: 0662 / 43 33 51, Pongau: 06412 / 200 33, Pinzgau: 06542 / 72 600
  • Weitere wichtige Telefonnummern findet ihr HIER.

8. Stress erkennen

Treten bei euch oder euren Familienmitgliedern Stresssymptome auf, versucht verständnisvoll zu reagieren. Stresssymptome können sich auf unterschiedliche Art und Weise zeigen.

  • Bei Rückzug, Traurigkeit bis zur Depression, aber auch als Unruhe, Gereiztheit und Aggression. Bei starkem Rückzug: Gehe auf die Person zu und sage, dass du die Veränderung bemerkt hast. Biete ihr an, darüber zu reden. WICHTIG: Gib keine Ratschläge, sondern hör aufmerksam zu. Wenn das nicht reicht, rate der Person professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen.
  • Bei Gereiztheit, drohender Aggression und ent- oder bestehenden Konflikten: Sprich deinen Ärger an, noch bevor die Situation eskaliert. So habt ihr und euer Gegenüber die Möglichkeit, zu erklären, was euch stört. Ist das Problem nicht lösbar, macht zur Beruhigung einen Spaziergang. In der darauffolgenden Zeit ist eine weitgehende räumliche Trennung oft sinnvoll. Ist die Wohnung dazu zu klein, geht abwechselnd spazieren.

9. Toleranz

  • Versucht zu sehen, dass alle unter der Situation leiden und sich bei jedem der Druck aber anders zeigt.
  • Auch wenn ihr Reaktionen nicht verstehen, hilft es nachsichtiger zu sein als sonst – gegen sich und die Anderen.

10. Aggression und Gewalt

Aggressive Gefühle zu haben, ist nicht ungewöhnlich. Gefährlich ist es, sie auszuleben. Unter Gewalt fallen nicht nur tätliche Angriffe, sondern bereits Anschreien, langes Ignorieren oder zynisches, abwertendes Verhalten. Wenn ihr oder andere es fast nicht mehr aushalten könnt:

  • Wechselt den Raum, bewegt euch, atmet durch, versucht euch zu beruhigen und bittet das Gegenüber darum, es ebenso zu tun.
  • Kommt es doch zu körperlicher Gewalt, schütze dich selbst und andere. Suche sofort Hilfe bei spezialisierten Einrichtungen, auch dann, wenn die Gewalt von dir ausgeht.
  • Hole rechtzeitig Hilfe und scheue dich nicht, auch die Polizei einzuschalten.

Weitere Tipps von Profis findet ihr auch im Blog www.erstehilfefuerdieseele.at. Pro Mente Austria lädt aber auch alle Menschen ein, denen es gelungen ist, Lösungen für den erschwerten Alltag zu finden, diese im Rahmen des Blogs mit anderen zu teilen (E-Mail an office@promenteaustria.at).

Aufgerufen am 10.07.2020 um 12:01 auf https://www.salzburg24.at/news/salzburg/wie-wirkt-sich-die-corona-krise-auf-unsere-psyche-aus-89605546

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