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Zuschüsse erhöht

25 Millionen Euro zusätzlich für Wohnbauförderung

Baukosten in letzten Jahren massiv gestiegen

Durch die Reform der Wohnbauförderung wurde eine Erhöhung um 25 Millionen Euro möglich. Das Ziel: Eine deutlich erhöhte Objekt- und Kaufförderung soll dem Wohnbau einen starken Impuls geben. Darüber informierte am Mittwoch die zuständige Landesrätin Andrea Klambauer (NEOS) in einem Pressegespräch.

Eckpunkte des neuen Pakets:

  • Wohnbauförderung: Von der zersiedelten Verbauung zum mehrgeschoßigen Wohnbau
  • Vom Hausbau zum leistbaren Mix aus Miet- und Eigentumswohnungen
  • Vom Mitnahmeeffekt einiger weniger zum Mehrwert für alle Salzburgerinnen und Salzburger
Wohnbauförderung, Klambauer Land Salzburg
Im Bild (v.li.):  Günther Leitgöb (Berufsgruppensprecher Gewerbl. Bauträger), Markus Sturm (Obmann-Stv. Gemeinnützige), LR Andrea Klambauer, Stephan Gröger (Obmann Österr. Verband gemeinnütziger Bauvereinigungen Landesgruppe Salzburg)

Klambauer: „Baukosten massiv gestiegen“

Landesrätin Andrea Klambauer betonte am Mittwoch: „Durch die Rekordjahre im Bau werden händeringend ausführende Firmen gesucht, um überhaupt noch Aufträge abwickeln zu können. Bauvorhaben wurden bereits verschoben beziehungsweise nicht realisiert, weil die gemeinnützigen Bauträger keine Angebote zur Umsetzung bekommen haben. Die überhitzte Baubranche diktiert Preis und Konditionen. Deutlich wird das an den gestiegenen Baukosten. Bis 2014 lagen die Baukosten unter 2.000 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche und entwickelten sich entlang der Inflation. Seit 2015 sind sie um ein Viertel gestiegen, auf mittlerweile 2.500 Euro.“

Bedarf nach lebenswerten, leistbaren Mietwohnungen

Im gemeinnützigen Mietwohnungsbau wurde 2019 mit der Errichtung von 648 neuen Wohnungen begonnen, aber die gemeinnützigen Bauträger können kaum mehr bauen. „Wir sind damit in einer Situation, wo kleine Adaptierungen nicht mehr reichen. Wir haben uns für eine deutliche Anhebung der Objektförderung entschieden, also jener Förderung, die in der Regel an gemeinnützige Bauträger vergeben wird, um geförderte Mietwohnungen zu errichten. Unser Maßnahmenpaket ist ein Kraftakt, um auch in Zukunft Wohnungen zu bauen und eine Balance aus lebenswerten Miet- und Eigentumswohnungen am Markt zu schaffen“, so Klambauer.

Wohnbauförderung Grafik Land Salzburg

25 Millionen Euro im Anreizpaket

Gemeinsam mit den Stakeholdern wurde ein Anreizpaket fixiert, um dem Wohnungsbau einen deutlichen Impuls zu geben. Das gesamte Volumen der Erhöhung der Fördersätze liegt bei rund 25 Millionen Euro.

Die Eckpunkte im Überblick:

  • Im mehrgeschoßigen Wohnbau wird der Zuschuss pro förderbarer Eigentumswohnung im Durchschnitt um 8.000 Euro auf 39.000 Euro deutlich erhöht
  • Die Errichter bekommen für Mietwohnungen ein um mehr als 40 Prozent höheres Darlehen, um die Finanzierung zu sichern
  • Die Zuschüsse, die nicht zurückgezahlt werden müssen, werden um 50 Prozent angehoben. Das entspricht einer durchschnittlichen Erhöhung auf 25.000 Euro pro Wohnung

Jährlich mindestens 700 geförderte Mietwohnungen

„Hinter der massiven Förderung steht ein ambitioniertes Ziel: Wir wollen jährlich mindestens 700 geförderte Mietwohnungen bauen, dafür werden ab 2021 58 Millionen Euro budgetiert, eine deutliche Steigerung, denn: 2018 standen 45 Millionen Euro zur Verfügung, ausgeschöpft wurden 40 Millionen Euro. Noch mehr Wohnungen wären wünschenswert, aber es macht keinen Sinn, Luftschlösser zu bauen, wenn zuletzt Projekte nicht mehr errichtet werden konnten, weil die Firmen nicht verfügbar waren“, sagt Klambauer.

Kaufförderung steigt auf 40.000 Euro

Neben der Erfüllung des Wohnbedarfs wird auch dem Ziel vieler Menschen, im Eigentum zu wohnen und damit eine Altersvorsorge zu schaffen, Rechnung getragen. Die Kaufförderung wird auf bis zu 40.000 Euro für den Wohnungskauf erhöht und sichert einen guten Mix aus Miete und Eigentum.

Höhere Kaufförderung

Die durchschnittliche Kaufförderung lag 2019 bei rund 31.000 Euro. Dieser Betrag erhöht sich jetzt auf rund 40.000 Euro. Eine Kaufförderung erhält, wer mit Hauptwohnsitz in der Wohnung lebt, die Einkommensgrenzen erfüllt und unter den max. Quadratmeterpreisen bleibt. „In der Stadt wurden 2019 nur 57 Eigentumswohnungen gefördert. Wir werden die Obergrenze für die Kaufförderung jetzt im gesamten Bundesland um 20 Prozent anheben, es gibt also im Lungau bis zu 4.080 Euro pro Quadratmeter die volle Förderung und geht bis 5.040 Euro pro Quadratmeter in der Stadt Salzburg, um an die gestiegenen Grundstücks- und Baukosten anzupassen, darüber gibt es eine Einschleifregelung mit sinkender Förderung. Wir fördern damit nicht den Kauf von Luxuswohnungen, aber wir wollen die Stadt nicht ausschließlich Erben, Vermögenden, Immobilienspekulanten oder Airbnb-Vermietungen überlassen“, sagt Klambauer.

Neuausrichtung der Wohnbauförderung

Die Neuausrichtung und Umschichtung der Wohnbauförderung haben Spielraum ermöglicht:

  • Die steigenden Ausgaben für die Wohnbeihilfe wurden mit dem Mietsenkungs-Programm stabilisiert. Für über 10.000 Wohnungen wurden so dauerhaft die Mieten gesenkt, um durchschnittlich 73 Cent pro Quadratmeter.
  • Förderungen, die reine Mitnahmeeffekte erzielt haben, wurden gestrichen.
  • Zehn Millionen Euro hat das Land Salzburg heuer erstmals für den Ankauf von Grundstücken reserviert, um Baurecht an gemeinnützige Bauträger zu vergeben. Die EU- rechtliche Prüfung dazu läuft noch.

„Die Wohnbauförderung ist für mich der Hebel, erschwingliche Mietwohnung für viele Menschen zu realisieren. Derzeit gibt es in Salzburg über 35.000 geförderte Mietwohnungen, mit dauerhaft leistbaren Mieten. Aber die Bevölkerung wächst“, betont Landesrätin Klambauer.

Lob und Kritik für Reform der Wohnbauförderung

"In erster Linie geht es darum, dass die Bürgerinnen und Bürger von Budgeterhöhungen und Reformen gerade im Wohnbau profitieren. Und nicht die Baufirmen", lautet die Kritik von Salzburgs FPÖ-Chefin Marlene Svazek.

Ähnlich kritisch äußert sich der Salzburger SPÖ-Chef David Egger zur Reform der Wohnbauförderung: "Die Reparatur der Wohnbauförderung ist eine gerechtfertigte Anpassung der Fördersätze an Marktbedingungen, aber eine Kapitulation vor der Notwendigkeit, endlich im großen Stil mehr günstigen Wohnraum zu schaffen." Ins selbe Horn stößt Arbeiterkammer-Präsident Peter Eder: "Es ist erfreulich, dass Landesrätin Klambauer nach langem Stillstand endlich die AK-Forderung nach höheren Fördersätzen für Mietwohnungen umsetzt. Das alleine wird aber nicht reichen und kommt sehr spät." Die Kürzung des angepeilten Ziels von 900 neuen Mietwohnungen auf 700 jährlich empfindet er als "politische Bankrotterklärung".

Der Präsident der Salzburger Wirtschaftskammer, Peter Buchmüller, sieht die Reform positiv: "Die Erhöhung des Volumens um 25 Millionen Euro schafft den nötigen Spielraum, dass Bauen und Wohnen in Salzburg finanzierbar bleibt.“

Wohnbau: Gemeinnützige für rasches Konjunkturpaket

Wohnen werde immer teurer und die Coronakrise zeige Auswirkungen auf den Wohnbausektor, schlagen die Gemeinnützigen Alarm. Der Bundesobmann der ARGE Eigenheim und Aufsichtsrat der gemeinnützigen Bauvereinigungen (GBV), Christian Struber, betonte am Mittwoch bei einem Pressegespräch im Salzburg, wie wichtig die "rasche Einführung eines Konjunkturpakets für den Wohnbau" sei.

Dabei sollten Themenbereiche wie Klimaschutz und Energiewende, Digitalisierung, Wohnen und Alter bzw. Pflege sowie Modernes Arbeiten berücksichtigt werden. "Maßnahmen in diesen Bereichen sollten ebenso wie bei anderen Wirtschaftsunternehmen mit einer zusätzlichen Investitionsprämie gefördert werden", forderte Struber.

Die Anforderungen an den Wohnbau würden immer vielfältiger. Im Kampf gegen die steigende Preisspirale gelte es Neubauten zu realisieren, entsprechend der demografischen Entwicklung in Österreich vermehrt Wohnraum für "Wohnen im Alter" zu schaffen sowie ältere Wohnanlagen klimaschutzfreundlich zu sanieren. "Diesen Herausforderungen müssen wir uns stellen", so Struber.

(Quelle: SALZBURG24/APA)

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