Jetzt Live
Startseite Salzburg
Zu viele Hindernisse

Wohnungssuche für Obdachlose "unrealistisch"

1.400 Menschen in Salzburg ohne feste Bleibe

Obdachlos APA/ROLAND SCHLAGER
Wohnungssuche ist für Obdachlose in Salzburg schwer. Das Sozialunterstützungsgesetz hat es Betroffenen nicht leichter gemacht.

1.400 Menschen sind in Salzburg laut der letzten Wohnbedarfserhebung wohnungs- oder obdachlos. Woran die Suche nach einer festen Bleibe in vielen Fällen scheitert und was das mit dem neuen Sozialunterstützungsgesetz (SUG) zu tun hat, weiß Sozialberaterin Doris Rücklinger.

Die Probleme, mit denen sich Menschen an die Soziale Arbeit gGmbH wenden, sind unter anderem Wohnungslosigkeit, Arbeitslosigkeit und Suchterkrankungen. Mit dem neuen SUG habe sich die Lage vor allem für Obdachlose noch weiter verschärft, ­­­meint Rücklinger im Gespräch mit SALZBURG24. Das läge mitunter an dem niedrigen Budget, das für Wohnen bereitgestellt wird.

armutskonferenz sozialunterstützung Salzburger Armutskonferenz
Bei der heutigen Pressekonferenz übten soziale Organisationen Salzburgs Kritik am neuen Sozialunterstützungsgesetz. v.l.n.r.: Carmen Bayer (Armutskonferenz Salzburg), Barbara Erblehner-Swann (KIJA), Melanie Fritzer (Caritas Sozialberatung), Doris Rücklinger (Soziale Arbeit gGmbH), Norbert Krammer (VertretungsNetz), Lina Čenić (Diakonie);

Neue Sozialhilfe bringt weniger Geld für Familien

Viel Kritik am neuen Sozialunterstützungsgesetz (SUG) üben heute soziale Organisationen Salzburgs. Vor allem für Familien sehen sie eine deutliche Verschlechterung im Bundesland im Vergleich zur …

Maximal 605 Euro für Wohnen in Salzburg

„Am privaten Wohnungsmarkt haben unsere Klienten kaum eine Chance, die Wohnungen sind zu teuer“, stellt die Juristin klar. 605 Euro sind für das Sozialamt der „höchstzulässige Wohnungsaufwand“ für eine Einzelperson in der Stadt Salzburg. Liegt die Miete darüber, wird sie nicht vom Sozialamt bezahlt. „So eine günstige Wohnung muss man erstmal finden.“ In den Bezirken wird der Betrag nach unten hin angepasst.

 

Höchstzulässiger Wohnungsaufwand in den Bezirken:

  • Flachgau: 594 Euro
  • Tennengau: 583 Euro
  • Pongau und Pinzgau: 566,50
  • Lungau: 517 Euro

Brauchen Bezieher der Sozialunterstützung auch Hilfe beim Stemmen der Kaution, ist der Grenzbetrag noch niedriger angesetzt: 495 Euro darf die Wohnung dann maximal kosten – Betriebskosten inklusive. Nur dann werden Kaution und eine mögliche Provision vom Sozialamt übernommen. „In Salzburg ist das einfach unrealistisch“, erklärt Rücklinger.

PDF: So sieht das Mietanbot aus

Verpflichtendes Mietanbot schreckt ab

Vor dem Unterschreiben des Mietvertrags müssen die Sozialhilfeempfänger ein vom Vermieter ausgefülltes Mietanbot vorlegen. „Das ist unangenehm für die Betroffenen und schreckt Vermieter häufig auch ab“, so die Sozialberaterin. „Außerdem nimmt es Zeit in Anspruch, die sich viele Vermieter verständlicherweise nicht nehmen wollen.“ Oft müsse man Klienten deshalb auf Pensionszimmer und Notschlafstellen verweisen. Das sei aber alles andere als optimal. Pensionszimmer fallen nicht unter das Mietrecht und werden darum auch nicht vom Sozialamt unterstützt. In den Notschlafstellen darf nur 30 Tage am Stück geschlafen werden. „Danach sitzen die Menschen wieder auf der Straße.“

SB: Obdachlos, Armut, Bettler, NEUMAYR / ARCHIV
Die kalte Jahreszeit wird vor allem für Obdachlose zum großen Problem.

"Wir werden 2021 massive Probleme bekommen"

Die Tage werden kürzer und die Nächte immer kälter. Der anstehende Winter stellt Obdachlose und Wohnungslose in Salzburg vor große Probleme und Gefahren. Aufgrund geltender Corona-Einschränkungen …

Beamte kontrollieren Schlafplatz

Eine wichtige Voraussetzung für den Bezug der Sozialunterstützung ist außerdem eine aktuelle Meldung im entsprechenden Bundesland und Bezirk. Menschen ohne Wohnung, die nicht bei Familie, Freunden oder Bekannten unterkommen können, haben die Möglichkeit, sich bei der Soziale Arbeit gGmbH obdachlos zu melden. „Sogenannte Erhebungsbeamte kontrollieren dann, ob die Menschen auch wirklich dort schlafen, wo sie ihren Schlafplatz angegeben haben.“ Stellen die Beamten fest, dass zumindest zeitweise woanders übernachtet wurde, kann die Sozialunterstützung gekürzt werden. Begründet wird das damit, dass bei einer Schlafmöglichkeit eine Haushaltsgemeinschaft entstehe. Der Sozialhilfeempfänger habe daher auch geringere Lebenskosten.

EU-Bürger warten fünf Jahre auf Sozialunterstützung

Noch schlechter träfe es laut Rücklinger aber jene, die überhaupt keinen Anspruch auf Sozialunterstützung haben. Das seien zum einen Zugewanderte aus anderen Bundesländern. Sie müssen mindestens 30 Tage lang in Salzburg gemeldet sein, ehe sie die Hilfen beantragen dürften. In diesem Wartemonat könnten sie auch in keinem anderen Bundesland Unterstützung beziehen, sie müssten also einen Monat lang ohne Unterstützungsgelder auskommen.

Anja Hagenauer Neumayr/Leo
Anja Hagenauer will die leeren Heimplätze für Pflegebedürftige nutzen (Archivbild).

"70 Prozent der Unterstützten verlieren Geld"

Gut zwei Monate nach Inkrafttreten des Sozialunterstützungsgesetzes (vormals Mindestsicherung) hat Salzburgs Sozialstadträtin Anja Hagenauer (SPÖ) heute bei einem Mediengespräch eine erste Bilanz …

Obdachlose EU-Bürger, die einen großen Teil der Klienten in der Sozialberatung ausmachen, müssen mindestens fünf Jahre hier gemeldet sein, um Anspruch zu haben. Zu Zeiten der Mindestsicherung betrug diese Wartezeit nur drei Jahre. „Für unsere Klienten ist das eine totale Verschlechterung“, so die Juristin besorgt. „Verbessert hat sich gar nichts, nur der Verwaltungsaufwand ist gestiegen.“

(Quelle: SALZBURG24)

Aufgerufen am 16.10.2021 um 01:30 auf https://www.salzburg24.at/news/salzburg/wohnungssuche-fuer-obdachlose-unrealistisch-110741179

Kommentare

Mehr zum Thema