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Kritik vom Naturschutzbund

Salzburg will Schutzstatus des Wolfes senken

Umweltschützer sprechen sich weiterhin für Herdenschutz aus

Das Land Salzburg fordert nun eine Senkung des Schutzstatus des Wolfes. Grund dafür sind mehrere gerissene Schafe. Herdenschutz sei in den Bergen unrealistisch.

Wie das Land Salzburg in einer Aussendung mitteilt, will man nun aufgrund von bis zu 50 gerissenen Schafe im Pinzgau den Schutzstatus des Wolfes senken.

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In Österreich gab es heuer bereits 27 Wolfssichtungen. (SYMBOLBILD)

Bereits 27 Wolfssichtungen in Österreich

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Antrag auf Entnahme

Landesrat Josef Schwaiger und der Wolfsbeauftragte sowie Landwirt Hubert Stock empfehlen den Bauern in den stark betroffenen Gebieten derzeit die Tiere noch nicht auf die Almen zu treiben. „Es ist besser, noch rund zwei Wochen zu warten“, so Schwaiger und Stock. Die Jägerschaft stellt einen Antrag auf Entnahme, da es sich um einen Problemwolf laut Definition handeln dürfte. Die Bezirkshauptmannschaft Zell am See hat das Verfahren abzuwickeln. Laut dem Managementplan des Landes handelt es sich um einen Problemwolf, wenn er zumindest 25 Tiere in einem nicht schützbaren Bereich innerhalb eines Monats getötet oder verletzt hat.

Wolf, SB Pixabay/CC0
Das Land Salzburg fordert nun eine Senkung des Schutzstatus des Wolfes. (SYMBOLBILD)

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Sechs Wölfe seit Jahresbeginn in Salzburg

„Die Gesamtsituation für die heimischen Landwirte ist heuer sehr schwierig“, betont Wolfsbeauftragter Hubert Stock. Wir sprechen heuer schon von sechs Wölfen im Land Salzburg, die entweder bereits nachgewiesen sind oder wo, wie in den letzten Tagen, das Rissbild eindeutig ist. Betroffen sind die Gemeindegebiete von St. Gilgen, Kuchl, Muhr, Mittersill, Rauris und Uttendorf, wobei der Lungauer Wolf eventuell derselbe sein könnte wie jener im Pinzgau. Nachdem die Almsaison erst am Anfang steht, ist zu erwarten, dass sich die Lage weiter zuspitzt“, warnt Stock.

Managementplan für Problemwölfe

Dabei hat sich Salzburg im Vergleich zu anderen Regionen auf die Rückkehr der Wölfe vorbereitet. Der Managementplan definiert unter anderem genau, was ein „Problemwolf“ ist. Dass mit Hubert Stock ein eigener Ansprechpartner und Koordinator installiert wurde sowie Entschädigungen, gehören ebenfalls in die Rubrik „erledigt“. Vier von fünf Punkten im Programm sind bereits abgearbeitet und erfüllt.

Schutzstatus letzter offener Punkt

Auf EU-Ebene ist der Wolf nach wie vor streng geschützt. „Die Einstufung des Wolfes in der FFH-Richtlinie bindet uns in Salzburg die Hände. Die teils existenzbedrohende Situation für unsere Almbauern und in weiterer Folge für die Kulturlandschaft, die Lawinensicherheit, den Tourismus und die Arbeitsplätze im ländlichen Raum kann bei der aktuellen Rechtslage nur sehr schwer gelöst werden“, betont Landesrat Josef Schwaiger und fordert eine Herabsetzung des Schutzstatus des Wolfes. „Unsere betroffenen Bauern sind verzweifelt und ihre Lebensgrundlage bedroht. Gleichzeitig ist der Wolf in Europa mit einer Populationsgröße von deutlich über 20.000 keineswegs mehr vom Aussterben bedroht, das muss auch endlich in den Schutzbestimmungen berücksichtigt werden.“, so Schwaiger.

Schwaiger über Herdenschutz

Wie bereits im Wolfsmanagementplan des Landes im Detail definiert, ist auf den Almen ein effektiver Schutz der Nutztiere nicht möglich. „Eine wolfssichere Zäunung kommt hier in den Bergen nicht infrage. Hirten sowie Herdenschutzhunde sind erst ab einer 500 bis 800 Schafen wirtschaftlich tragbar. Außerdem fehlen hierfür die rechtlichen Rahmenbedingungen auf Bundesebene“, so Schwaiger und er fügt hinzu: „Ich verstehe sehr gut, dass die betroffenen Landwirte genug haben, denn der Wolf ist drauf und dran, ihr Lebenswerk zu vernichten. Solange aber der Schutzstatus des Wolfes so ist, wie er ist, ist die Einzelentnahme nur durch ein aufwändiges Bescheidverfahren möglich.“

Suche mit Wärmebildkamera

Verzweiflung und Ratlosigkeit herrscht bei den Bauern in Rauris. Dort ist auch bereits das Notfallteam des „Österreichzentrums Bär Wolf Luchs“ im Einsatz. Mittels Drohne und Wärmebildkamera werden noch die etwa 10 abgängigen Schafe auf der Alm gesucht.

Bisherige Verdachtsfälle

  • Freitag 4. Juni: 1 totes Lamm in Mittersill – Rissbild deute auf Wolf hin, DNA-Probe entnommen.
  • Samstag 5. Juni: 1 totes Lamm, 1 Lamm vermisst in Mittersill, ca. 400-500m vom Fall des Vortages entfernt. DNA-Probe entnommen.
  • Sonntag 6. Juni: 20 tote und verletzte Schafe auf einer Alm in Rauris, Rissbild deutet auf Wolf hin, DNA-Probe entnommen.
  • Montag 7. Juni: 11 tote und 7 verletzte Schafe auf einer Alm in Uttendorf, Rissbild deutet auf Wolf hin, DNA-Probe entnommen.
  • Dienstag 8. Juni: 1 totes Schaf in Göriach, DNA-Probe entnommen.

Naturschutzbund zum Vorhaben

Beim Salzburger Naturschutzbund bezweifelte man heute, dass ein Bescheid auch dieses Mal rechtskräftig werden könnte. "Die Position des Landes, das Herdenschutz auf Almen grundsätzlich nicht geht, ist auf jeden Fall nicht haltbar", sagte Lucas Ende, Artenschutzkoordinator des Naturschutzbunds, am Mittwoch zur APA. Das würden etwa Beispiele aus Tirol, aus der Schweiz, aber auch ein Pilotprojekt im Salzburger Lungau zeigen.

Keine Wolfsrisse in 2020

"Hätte man sich 2020 überlegt, ein Jahr wo es in Salzburg keine Wolfsrisse von Nutztieren gab, wie man Herdenschutz richtig umsetzen kann, hätten wir eine Situation wie aktuell nicht. Untätigkeit rechtfertigt keinen Abschuss", sagte Ende. Es sei abzusehen gewesen, dass zu Beginn der Almsaison ungeschützte Weidetiere dem Wolf zu Opfer fallen.

Zuwarten als Zeichen von Unerfahrenheit

Das Zuwarten sei allerdings auch ein Zeichen von Unerfahrenheit, kein Vorwurf, sagte Ende. "Die Leute fühlen sich natürlich machtlos und überwältigt. Wir brauchen eine Politik, die den Betroffenen unter die Arme greift. Was können die betroffenen Landwirte kurzfristig aus der Situation machen, und wie können sie langfristig die Beweidung ihrer Almen gewährleisten." Ende empfahl etwa die Einrichtung eines Landesherdenschutzbeauftragten, der mit Almbauern Konzepte ausarbeitet und den Bedarf an finanzieller Unterstützung klärt.

Wolfsrisse der letzten Jahre

Bereits 2018 und 2019 haben die Raubtiere in Salzburg Schaden angerichtet, im Jahr 2020 blieben Nutztiere verschont. 2018 war es ein Wolf, der innerhalb weniger Tage 25 Schafe, Lämmer und Ziegen gerissen hat. 2019 rissen zwei verschiedene Tiere im Laufe des Sommers 69 Schafe und Lämmer sowie sechs Kalbinnen.

(Quelle: SALZBURG24/APA)

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