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Work-Life-Balance

Darum wollen viele weniger arbeiten

Salzburger Arbeitspsychologe klärt auf

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Eine ausgewogene Work-Life-Balance wird den Menschen zunehmend wichtiger. (SYMBOLBILD)

Der Druck im Arbeitsalltag nimmt offenbar zu, immer mehr, vor allem junge, Menschen wollen weniger arbeiten und eine ausgeglichenere Work-Life-Balance. Warum das so ist und wie sich die Vorstellung von Arbeit weiter verändern kann, hat uns der Salzburger Arbeitspsychologe Emanuel Maxl im Gespräch erklärt.

Zwei von drei Beschäftigten in Österreich empfinden zunehmenden Druck im Arbeitsalltag. Die sogenannte Work-Life-Balance sinkt, Hauptgründe dafür sind ein steigendes Maß an Verantwortung und immer mehr Arbeitsstunden. Nicht zuletzt deshalb ist es laut einer Erhebung des Beratungsunternehmens EY unter 1.001 Arbeitnehmern so, dass jeder Zweite für mehr Freizeit auf Gehalt verzichten würde, berichtete die APA im Sommer.

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Zwei von drei Beschäftigten in Österreich empfinden zunehmenden Druck im Arbeitsalltag.

Work-Life-Balance: Persönliche Ziele wichtiger

"Arbeit ist natürlich ein ganz wichtiger Teil des persönlichen Lebens, der zu Wohlbefinden und Selbstbewusstsein beiträgt. Dabei ist es den Menschen aber offenbar auch immer wichtiger, zu schauen, wie ausgeglichen die einzelnen Lebensbereiche in Summe sind", gibt Arbeitspsychologe Maxl im Gespräch mit SALZBURG24 an. So seien den Menschen eine bessere Planungssicherheit und ein Erreichen persönlicher Ziele zunehmend wichtiger.

Ein Phänomen der jüngeren Generation?

Dass es sich bei diesem Bewusstseinswandel rein um ein Phänomen der jüngeren Generation handelt, will der Psychologe so nicht gelten lassen: "Beim Vergleich von Generationen sollte man immer etwas vorsichtig sein. Ich denke aber, dass es eine gewisse Werteverschiebung gibt. Die frühere Generation setzte noch mehr auf berufliche Tätigkeit und Leistung. Heute geht die jüngere Generation vielleicht etwas reflektierter an das eigene Leben heran und erkennt, dass es auch noch andere Dinge neben der bezahlten Erwerbsarbeit gibt", so Maxl.

30-Stunden-Woche: Weniger Arbeit, mehr Stress

In Studien zur Arbeitszeit wird oftmals hervorgehoben, dass bei einer 30-Stunden-Woche die Arbeitsleistung der einzelnen Mitarbeiter steigen würde. Arbeitspsychologe Maxl gibt dabei allerdings zu bedenken: "Es ist auch mein Wissensstand, dass bei einer 30-Stunden-Woche durch Erholungspausen die Möglichkeit besser gegeben ist, Energien und Ressourcen zu fokussieren. Es besteht dann allerdings auch die Gefahr, dass man versucht, mehr Arbeit in weniger Arbeitszeit zu pressen. Das kann es natürlich auch nicht sein."

 

Geringere Arbeitszeit als Mittel gegen Stress

Die oftmals arbeitsbedingten Probleme unserer Zeit wie Stress und Burnout ließen sich durch eine kürzere Arbeitszeit reduzieren. Gerade Arbeitnehmer, die nach einem Burnout wieder in den beruflichen Alltag einsteigen, würden sich laut Maxl mit geringeren Arbeitszeiten besser an die Arbeitswelt gewöhnen: "Es hat sich gut bewährt, wenn die Gewöhnung sukzessive erfolgt. So gesehen wäre das auf jeden Fall gesundheitsfördernd. Ich denke aber, dass dieser Umstand vor allem von der eigenen Situation abhängig ist, wie die Lebensbereiche aussehen und ob man vorbelastet ist."

 

Arbeitswelt im Wandel

Wie die Entwicklung weiter von statten geht, wird sich zeigen. Der Arbeitspsychologe verweist aber auf eine sich ändernde Arbeitswelt, die neben der eigenen Vorstellung von Work-Life-Balance auch anderen Faktoren unterworfen ist. "Die Entwicklung hängt ja auch sehr stark damit zusammen, wieweit Menschen davon leben können, rein finanziell. Nach heutigen Modellen gibt es ja die meiste Reduktion auch im Gehalt. Die zweite Frage ist, ob es noch ausreichend Arbeit in manchen Bereichen geben wird, oder ob es aufgrund von neuer Technologien eine Kürzung der Arbeitszeit geben muss", so Arbeitspsychologe Maxl abschließend.

Alles rund um das Thema Arbeitswelt erfahrt ihr am Dienstag, 22. Oktober, beim Karriereforum im Salzburg Congress.

(Quelle: SALZBURG24)

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