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18 Arten heimisch

Feuchtes Wetter schafft ein Zecken-Paradies

Blutsauger übertragen FSME und Borreliose

Zecke, FSME, Borreliose, SB APA/dpa/Martin Gerten
Derzeit herrschen ideale Bedingungen für Zecken. (SYMBOLBILD)

Derzeit herrschen wahrlich paradiesische Bedingungen für Zecken: Es ist relativ feucht, aber doch nicht zu kalt. Auch der milde Winter tat sein Übriges. Experten sprechen von einem wahren Zeckenjahr. So gab es heuer bereits 37 FSME-Fälle in Österreich, im gesamten Vorjahr waren es 108.

Österreich gehört zu den am stärksten von Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) betroffenen Ländern in Europa. Auch in Salzburg gibt es regelmäßig Krankheitsfälle, 2019 waren es 10. Besonders betroffen sind der nördliche Flachgau, aber auch Teile des Tennengaus und Pinzgaus.

18 Zeckenarten in Österreich

Weltweit gibt es über 800 verschiedene Zeckenarten, in Österreich sind 18 davon heimisch. Generell haben sich Zecken mit dem Klimawandel ausgebreitet. Lag die Höhengrenze früher bei 1.000 Metern, wurden nun schon Tiere auf mehr als 1.500 Metern gefunden.

  • Gemeiner Holzbock: Er ist in Europa am weitesten verbreitet, auch in Österreich kommt diese Art am häufigsten vor. Beim Stich schneidet er ein Loch in die Haut, in das er anschließend den Stechrüssel rammt.
  • Braune Hundezecke: Sie kommt ursprünglich aus Afrika und ist in Südeuropa weit verbreitet. Sie ist in Österreich nicht heimisch, wird aber importiert. Den Winter bei uns überlebt die Hundezecke, erwärmt sich das Klima könnte sie schon bald heimisch werden.
  • Igelzecke: Sie befällt nur selten Menschen, bevorzugt werden Füchse, Igel, Wiesel, Hunde und Katzen.
  • Taubenzecke: Sie ist in ganz Mitteleuropa zu finden und kann bis zu neun Jahre ohne Wirt leben. Sie steht unter Verdacht, das Q-Fieber übertragen zu können. Das geht von Tieren auf Menschen über und kann grippeähnliche Symptome hervorrufen.
Gemeiner Holzbock, Zecke, SB Pixabay/CC0
Der gemeine Holzbock ist in Österreich am weitesten verbreitet. (SYMBOLBILD)

Riesenzecke in Österreich entdeckt

Aber auch tropischere Exemplare können mittlerweile bei uns überwintern. Im letzten Jahr wurde etwa in Braunau (Bez. Braunau am Inn) die Riesenzecke Hyalomma marginatum entdeckt. Sie stammt eigentlich aus Trocken- und Halbtrockengebieten (Afrika, Asien, Südeuropa) und wird bis zu zwei Zentimeter groß. Sie ist zudem potenzieller Überträger des gefährlichen Krim-Kongo-Fieber-Virus. Eine Infektion mit diesem Virus ruft eine Erkrankung hervor, die häufig als hämorrhagisches Fieber verläuft und tödlich enden kann.

Drei Mythen über die Blutsauger

Über die blutsaugenden Spinnentiere gibt es nicht nur Fakten, sondern auch Mythen, die sich besonders hartnäckig halten. Ein paar Beispiele dafür:

Zecken fallen von Bäumen

Falsch. Zecken leben in Bodennähe und klettern selten höher als einen Meter. Sie lauern in Gräsern, Büschen und in der Krautschicht auf potenzielle Wirte.

Zecken lassen sich ersticken

Ein Irrglaube ist ebenso, dass man Zecken mit Butter, Klebstoff oder Öl ersticken und somit leichter entfernen könne. Die Tiere ersticken nur sehr langsam, in dieser Zeit können sie Krankheiten übertragen.

Zecken beißen zu

Zu lesen ist zwar oft von einem Zeckenbiss, allerdings stechen die Blutsauger. Stechrüssel und Mundwerkzeug sind zudem mit Widerhaken versehen, die sich in der Haut verankern.

(Quelle: SALZBURG24)

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So schützt ihr euch vor Zecken

Ein Zeckenstich kann gefährlich Folgen haben. BERTRAND GUAY / AFP
Ein Zeckenstich kann gefährlich Folgen haben.

Zecken sind in Österreich mittlerweile fast ganzjährig aktiv. Die kleinen Tierchen krallen sich nicht nur an Hund und Katz fest, sondern können bei einem Stich (umgangsprachlich: Biss) auch für uns Menschen gefährlich werden. Hier erfahrt ihr, wie ihr euch vor den Blutsaugern schützen könnt.

Ein Zeckenbiss kann unangenehme Folgen haben. Die Tierchen können Krankheiten übertragen, in Österreich kommen am häufigsten Lyme-Borreliose und Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) vor, berichtet die Agentur für Gesundheits- und Ernährungssicherheit (AGES). Seit 1981 gibt es in Österreich eine jährliche Impfkampagne gegen FSME, die Durchimpfungsrate liegt bei 85 Prozent. Laut Gesundheitsministerium kam es 2018 in Österreich zu 181 FSME-Fällen, 154 davon haben sich in Österreich infiziert. Fünf Menschen starben an der Krankheit.

FSME selten mit Zecken in Verbindung gebracht

Bei FSME treten zwischen sieben Tagen und zwei Wochen nach dem Zeckenstich grippeartige Beschwerden wie Kopfschmerzen, Fieber, Müdigkeit oder Gelenkbeschwerden auf. Nach wenigen Tagen ist die Krankheit aber wieder überstanden, die meisten Menschen sind damit auch ein Leben lang immun gegen die Viren. An einen Zeckenstich wird in diesem Zusammenhang selten gedacht, informiert die AGES.

Bei etwa fünf bis 15 Prozent der Patientinnen und Patienten kommt es allerdings zu einer zweiten Krankheitsphase. Dabei ist das zentrale Nervensystem betroffen. Die Symptome dieser Hirnhaut- oder Hirnentzündung sind starke Kopfschmerzen, Lichtscheue, Schwindel, Konzentrationsstörungen, Sprech- sowie Gehstörungen. Die Beschwerden können mehrere Wochen oder sogar Monate andauern. Bei einem schweren Verlauf kommen auch Lähmungen dazu, die zu bleibenden Behinderungen führen können. Etwa ein Prozent Erkrankten mit diesen Symptomen stirbt an FSME.

 

Lyme-Borreliose mit schweren Folgen

Die Lyme-Borreliose ist eine Infektionskrankheit. Über 30 Prozent des gemeinen Holzbocks – der häufigsten Zeckenart in Österreich – sind mit Borrelien infiziert. Sie können nach einer etwa 24 Stunden dauernden Blutmahlzeit übertragen werden. Etwa drei Prozent der gestochenen Menschen erkranken tatsächlich an Lyme-Borreliose, in Österreich sind es etwa 25.000 bis 70.000 pro Jahr.

Antibiotika, aber keine Impfung

Am häufigsten äußert sich die Krankheit durch die sogenannte Wanderröte. Sie zeigt sich zwei bis drei Tage nach einem Zeckenstich als roter Fleck um die Einstichstelle. Auch ein roter Fleck am Ohrläppchen, an der Brustwarze oder dem Hodensack kann darauf hinweisen. Begleiterscheinungen der Borreliose-Lyme sind lokaler Juckreiz, Müdigkeit, Kopf- und Gelenks- sowie Muskelschmerzen. Behandelt wird die Krankheit mit Antibiotika über einen Zeitraum von zehn bis 14 Tagen. Eine Impfung gibt es nicht.

Schutz gegen Zeckenstiche

Vorbeugender Schutz ist also besonders wichtig. Trotz warmer Temperaturen werden beim Spazieren, Wandern oder Arbeiten im Freien lange Ärmel und lange Hosen sowie möglichst helle Kleidung empfohlen, um eventuelle Zecken leichter erkennen zu können. In Gebieten mit Unterholz oder hohem Gras kann man sich auch die Hosenbeine in die Socken stecken – das hilft, die Tiere abzuhalten, auch wenn es modisch nicht unbedingt gefällt. In Apotheken sind des Weiteren Abwehrmittel gegen die Parasiten erhältlich.

Wie entferne ich Zecken richtig?

Kommt es dennoch zu einem Zeckenstich, ist eine möglichst rasche Entfernung wichtig. Eine spezielle Zeckenzange oder sogenannte Zeckenkarte ist hierbei hilfreich. Die Parasiten dürfen nicht gequetscht werden, sonst gelangen die Viren und Bakterien in den Körper des Wirts. Anschließend sollte der Stich desinfiziert werden. Die Tiere müssen zudem nicht herausgedreht werden, sie haben kein Gewinde. Hin-und-her-Wackeln kann beim Entfernen allerdings helfen.

Haustiere regelmäßig nach Zecken absuchen

Nicht nur wir Menschen, sondern auch unsere Haustiere sind von Zeckenstichen betroffen. Nicht selten kommt es vor, dass sich ein Parasit im Fell festsetzt. Nach jedem Spaziergang oder Freilauf sollte man deshalb seinen Vierbeiner absuchen. Hat sich einer der Blutsauger auf der Haut festgesetzt, so muss er umgehend entfernt werden. Dabei sollte man auf Hausmittel, wie Alkohol, Öl oder Äther verzichten, warnt der Österreichische Tierschutzverein. Am besten entfernt man den Blutsauger mit einer Pinzette oder einer speziellen Zeckenzange.

Vorbeugend kann man seinen Vierbeiner durch ein Zeckenhalsband schützen. Wer seinem Tier kein Halsband umlegen möchte, kann auf sogenannte Spot-on-Präparate ausweichen. Der Wirkstoff verteilt sich auf dem Körper und tötet die Zecken ab.

Aufgerufen am 20.10.2020 um 10:43 auf https://www.salzburg24.at/news/salzburg/zecken-blutsauger-uebertragen-fsme-und-borreliose-83582947

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