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22 Tote bei Terror-Angriff in Manchester: Attentäter identifiziert

Ein Attentäter hat bei einem Popkonzert von Teenie-Star Ariana Grande in Manchester mindestens 22 Menschen in den Tod gerissen, darunter auch Kinder. Das teilte die Polizei am Dienstag mit. Der Mann habe eine selbst gebaute Bombe gezündet. Österreicher sind nach aktuellem Stand nicht betroffen. Der Anschlag war ein Terrorangriff. Das sagte Großbritanniens Premierministerin Theresa May am Dienstag in London. Der Verdächtige wurde offenbar identifiziert, er soll in Manchester geboren worden sein. Die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) hat sich zu dem Anschlag bekannt.

Die britische Polizei hat nach eigenen Angaben den Attentäter von Manchester identifiziert.

Identität von Attentäter bekannt: In Manchester geboren

Es soll sich um den 22 Jahre alten Salman Abedi handeln, wie Chefermittler Ian Hopkins am Dienstagabend in Manchester sagte. Geprüft werde, ob er allein gehandelt habe oder zu einem Netzwerk gehörte. Hopkins wollte vorerst keine weiteren Angaben zu Abadi machen.

Nach Angaben der Zeitung "Telegraph" wurde der Mann 1994 in Manchester geboren, als zweites von vier Kindern. Seine Eltern sollen Flüchtlinge aus Libyen sein. Der mutmaßlich islamistische Selbstmordattentäter hatte am Montagabend im Eingang einer Konzerthalle der nordenglischen Stadt eine Bombe gezündet. Er riss mindestens 22 Menschen mit in den Tod, 59 Personen wurden verletzt. Unter den Opfern sind zahlreiche Kinder und Jugendliche.

Weiterer Verdächtiger festgenommen

Die Polizei bestätigte zudem gegen Mittag die Festnahme eines 23-jährigen Verdächtigen. Details zur Festnahme gibt es bisher keine. "Mit Blick auf die Ermittlungen zum schrecklichen Angriff in der vergangenen Nacht an der Manchester Arena können wir bestätigen, dass wir einen 23-jährigen Mann in Süd-Manchester festgenommen haben", hieß es in einer Erklärung der Polizei.

Die Identität des Attentäters dürfte der Polizei bekannt sein, wie Premierministerin Teresa May mitteilte. Mehr Infos gibt es dazu bisher nicht.

Video: IS bekennt sich zu Anschlag

Der IS bekannte sich über sein offizielles Sprachrohr Amaq zu dem Anschlag, berichtete die Nachrichtenagentur Reuters. Im Netz war schon zuvor ein Video aufgetaucht, indem sich der sogenannte Islamische Staat zu dem Anschlag bekennen soll. Ein maskierter Mann, der von sich sagt, Mitglied des IS zu sein, meint darin: „Das ist erst der Anfang“, und übernimmt die Verantwortung für die Bluttat. Das Bekenner-Video wurde auf die Plattform Live Leak hochgeladen. Das es sich bei dem Attentäter um einen IS-Sympathisanten gehandelt haben soll, der den Anschlag bereits angekündigt hatte, berichtet des die Frankfurter Allgemeine Zeitung.

Zwischenzeitlich wurde in Manchester auch ein Einkaufszentrum geschlossen, nachdem Zeugen angaben, einen Knall gehört zu haben. Das Shopping Center ist wurde wenig später wieder geöffnet, die Polizei befasst sich mit Zwischenfall.

Premierministerin May spricht von "Terror"

Der Attentäter von Manchester wollte nach Angaben von Premierministerin Theresa May "das größtmögliche Blutbad" anrichten. In ihrer Stellungnahme nach dem Anschlag sagte May am Dienstag in London, der Angreifer habe mit "kaltem Kalkül" auf Kinder gezielt. Die Polizei kenne vermutlich die Identität des Attentäters. Es sei nicht klar, ob er allein oder als Teil eines Netzwerks agiert habe.

Viele Verletzte schwebten noch in Lebensgefahr. May sagte, dies sei die schlimmste Attacke, die Manchester je erlebt hat. Es sei eine besonders feige Attacke, weil es gerade junge Menschen traf. Die Terrorwarnstufe bleibe hoch. May kündigte außerdem eine weitere Sicherheitsratssitzung für Dienstag an.

Keine Österreicher unter Opfern

"Nach derzeitigem Informationsstand gibt es keine Hinweise, dass sich unter den Opfern österreichische Staatsbürger befinden", sagte Thomas Schnöll, Sprecher des Außenministeriums in Wien, der APA. Die britische Innenministerin Amber Rudd sprach von einem "barbarischen Angriff". Die Regierung wollte am Dienstagvormittag zu einer Krisensitzung zusammenkommen. Der Polizeichef von Manchester, Ian Hopkins, sagte: Es müsse noch herausgefunden werden, ob es sich um einen Einzeltäter gehandelt habe, oder ob ein Netzwerk hinter dem Anschlag stehe. Der Wahlkampf vor den Parlamentswahlen am 8. Juni ist unterbrochen.

21.000 Besucher bei Konzert von Ariana Grande

Die Explosion hatte sich am späten Montagabend in der Manchester Arena ereignet, einer Konzerthalle, die bis zu 21.000 Besuchern Platz bietet. Zeugen berichteten von einem Knall nach dem letzten Lied Grandes gegen 22.30 Uhr Ortszeit (23.30 Uhr MESZ). Die BBC berichtete unter Berufung auf die Polizei, die Explosion sei im Foyer der Halle gewesen. Der Veranstalter erklärte, es sei in einem öffentlichen Raum außerhalb der eigentlichen Konzerthalle passiert.

Krankenwagen rasten zur Manchester Arena. Hubschrauber kreisten über dem Areal. Notfalldienste und Feuerwehr baten die Bevölkerung über den Kurznachrichtendienst Twitter, sie wegen des Einsatzes nur bei lebensbedrohlichen Angelegenheiten zu kontaktieren. Rund um die Halle zogen bewaffnete und maskierte Polizisten auf. Auch Sprengstoffspezialisten waren im Einsatz.

Victoria Bahnhof gesperrt

Der unmittelbar neben der Halle liegende Bahnhof Manchester Victoria wurde gesperrt. Die Polizei forderte die Menschen via Twitter auf, sich aus der Gegend um die Halle fernzuhalten. Sie rief die Bürger zu Wachsamkeit auf.

Explosion bei Ariana-Grande-Konzert

In der Konzerthalle spielten sich nach der Explosion laut Augenzeugen dramatische Szenen ab. "Der Knall hallte durch das Foyer der Arena und die Leute fingen an zu laufen", berichtete ein 17-Jähriger, der mit seiner zwei Jahre älteren Schwester das Konzert besucht hatte. "Ich sah, wie die Leute schreiend in eine Richtung rannten und sich plötzlich viele umdrehten und wieder in die andere Richtung liefen", sagte der Jugendliche dem Nachrichtensender Sky News.

Augenzeugen berichteten von Menschen, die blutüberströmt auf dem Boden lagen. Dort wären auch Metallteile und Splitter gelegen. Auf Bildern waren Konzertbesucher mit Beinverletzungen zu sehen. Menschen flohen in Panik und mit Tränen in den Augen aus der Halle.

Viele Kinder und Jugendliche bei Konzert

Das Konzert der angesagten Sängerin hatten besonders viele Kinder und Jugendliche besucht, unter den Opfern sollen demnach auch mehrere Kinder sein. Anrainer boten den Betroffenen Unterschlupf an, Taxifahrer transportierten die Konzertbesucher gratis nach Hause.

"Zuerst dachten wir, dass einer der riesigen Gasballons auf dem Konzert geplatzt sei. Aber als wir draußen waren, sahen wir, dass es etwas Ernsteres gewesen sein muss", zitierte der britische Nachrichtensender Sky News eine Besucherin.

Theresa May drückt Mitgefühl aus

Die britische Premierministerin Theresa May drückte den Betroffenen des mutmaßlichen Anschlags ihr Mitgefühl aus. Sie verwies in ihrer Aussendung darauf, dass die Polizei den Vorfall als eine "entsetzliche Terrorattacke" behandle. Laut einem Bericht der Nachrichtenagentur PA will Mays regierende Konservative Partei den Wahlkampf im Vorfeld der Parlamentswahlen am 8. Juni aussetzen.

Auch der oppositionelle Labour-Chef Jeremy Corbyn zeigte sich bestürzt. Auf Twitter schrieb er: "Furchtbarer Vorfall in Manchester. Meine Gedanken sind bei den Betroffenen und unseren großartigen Rettungsdiensten."

Popwelt in Schockstarre

Die Popwelt zeigte sich über das Attentat ebenfalls entsetzt. Die Sängerin Katy Perry schrieb: "Ich bete für jeden in Ariana Grandes Show." Ihre Kollegin Pink twitterte: "Meine Gedanken und Gebete sind mit den Leuten in Manchester, jedem, der betroffen ist, Ariana Grande und der gesamten Crew. Herzzerreißend." Die US-Rapperin Missy Elliott meinte: "Ich weiß, dass das für jeden schwierig und herzzerreißend ist."  Auch Kollegen wie Justin Timberlake und Christina Aguilera zeigten sich entsetzt. In Manchester boten Anrainer den Betroffenen Unterschlupf an; bei Twitter gab es dafür den Hashtag #roominmanchester.

Terroranschläge in Großbritannien

Sollte es sich um einen Terroranschlag handeln, wäre es für Großbritannien der schwerste seit 2005. Damals zündeten vier Muslime mit britischem Pass in der U-Bahn und einem Bus Sprengsätze. 56 Menschen starben, etwa 700 wurden verletzt.

Die auf jihadistische Propaganda spezialisierte Site Intelligence Group meldete, dass sich bisher niemand zu dem Terroranschlag bekannte. Allerdings wurde der Vorfall in sozialen Netzwerken von Anhängern der Terrorgruppe Islamischer Staat gefeiert.

Im März hatte ein Attentäter ein Auto absichtlich in Fußgänger auf einer Brücke im Zentrum Londons gesteuert und anschließend einen Polizisten erstochen. Von den Opfern auf der Brücke erlagen vier ihren Verletzungen.

Keine Gefahr für Österreich

Knapp zwei Wochen, bevor beim Rock in Vienna (RiV) Tausende Festivalbesucher auf der Wiener Donauinsel erwartet werden, erschütterte der Anschlag auf das Manchester-Konzert von Ariana Grande die Musikszene. "Heute ist ein trauriger Tag", hieß es vonseiten der RiV-Veranstalter, die aber gleichzeitig gegenüber der APA betonten: "Für Rock in Vienna gibt es keine konkrete Bedrohungslage."

"Selbstverständlich" werde man aber bei dem von 2. bis 5. Juni stattfindenden Festival die Besucher "nach behördlichen Vorschriften und auch im eigenen Interesse beim Eintritt auf das Gelände auf verbotene Gegenständen" checken. "Ebenso verfügt das Festivalgelände wie in den vergangenen Jahren über eine Videoüberwachung. Wir stehen in engem Kontakt mit den zuständigen Behörden, die während des gesamten Festivals vor Ort sind", so das Statement vom Dienstag weiter. Man verwies auch darauf, dass der Anschlag in Manchester außerhalb der Konzertarena passiert sei.

"Wir sind der tiefen Überzeugung, dass - würden sämtliche Unterhaltungsmöglichkeiten gestoppt werden - man die Terroristen und ihre Ziele nur stärken würde", hielten die Veranstalter fest, die den Opfern von Manchester und deren Angehörigen ihr Mitgefühl aussprachen. "Respekt und Toleranz sind Grundpfeiler unserer Gesellschaft."

(APA/SALZBURG24)

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(Quelle: S24)

Aufgerufen am 13.11.2019 um 08:24 auf https://www.salzburg24.at/news/welt/22-tote-bei-terror-angriff-in-manchester-attentaeter-identifiziert-55988593

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