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280 Vermisste nach Fährunglück vor Südkorea

Eine Fähre mit rund 460 Menschen an Bord ist am Mittwoch vor der Südwest-Küste Südkoreas gekentert. Stunden nach dem Unglück wurden nach Angaben der Küstenwache noch immer mehr als 280 Personen vermisst. Die meisten waren Schüler, die mit ihren Lehrern einen Ausflug zur Insel Cheju machen wollten. Die Behörden bestätigten den Tod von vier Personen.

Mehr als 170 Menschen konnten in einer groß angelegten Rettungsaktion in Sicherheit gebracht werden. Doch obwohl die Suche bis spät in die Nacht fortgesetzt wurde, schwand die Hoffnung, noch mehr Überlebende zu bergen. Warum die 20 Jahre alte "Sewol" bei offenbar ruhiger See kenterte, blieb zunächst unklar.

"Alles war ideal. Dann gab es ein lautes Geräusch. Frachtteile stürzten um", berichtete Cha Eun Ok in der Stadt Jindo, die der Unglücksstelle am nächsten liegt. Cha war an Deck und fotografierte, als das Unglück seinen Lauf nahm. "Es wurde durchgesagt, dass die Leute an Ort und Stelle bleiben sollten", sagte sie. "Aber wer blieb, saß in der Falle."

Die "Sewol" war mit 462 Menschen an Bord auf dem Weg nach Cheju, als sie 20 Kilometer vor der Küste in Seenot geriet und einen Notruf absetzte. Die Fähre bekam Schlagseite, kenterte und lag Kiel oben im Wasser. Schließlich ragte nur noch ein kleiner Teil des blau-weißen Bugs heraus. Augenzeugen sagten, viele Vermisste befänden sich vermutlich noch im Rumpf der Fähre, die auch 150 Fahrzeuge an Bord hatte.

Rund 100 Schiffe der Küstenwache, der Marine und Fischerboote eilten zu Hilfe. Retter zogen Schiffsinsassen mit den Händen aus dem Wasser. Fast 20 Hubschrauber waren im Einsatz und hievten Menschen mit Seilwinden aus dem Meer. Taucher versuchten, in den weitgehend überspülten Rumpf der Fähre vorzudringen, mussten aber wegen hoher Wellen ihre Suche unterbrechen. Rundherum schwammen Trümmerteile.

Bei den Angehörigen der Vermissten kamen zur Verzweiflung noch Wut und Ärger über die Behörden. Zornig gingen sie auf Lokalpolitiker und Journalisten los, die bei einem Notlazarett mit Überlebenden sprechen wollten. "Es ist, als stürzte die Welt ein", sagte ein verzweifelter Vater, dessen 17-jähriger Sohn vermisst wurde. "Ich will jetzt meinen Sohn sehen." Eine Mutter hatte mehr Glück. Ihr Sohn habe ihr eine SMS geschrieben, dass er wohlauf sei, sagte sie. "Als ich das gelesen habe, dachte ich, mir bleibt das Herz stehen."

Die See war Rettungskräften zufolge ruhig. In der Nacht war nördlich der Unglücksstelle starker Nebel gemeldet worden. Zahlreiche Fährverbindungen waren deswegen gestrichen worden. Es gab Berichte, dass die "Sewol" vom Kurs abgekommen sei. Doch die Koordinaten der Unglücksstelle, die die Hafenbehörden nannten, lagen nicht weit entfernt von der üblichen Route.

Mehrere Überlebende sprachen von einem lauten Schlag, bevor die Fähre kenterte. Ein Besatzungsmitglied eines staatlichen Rettungsschiffes berichtete, ein Mitglied der Fähren-Crew habe ihm gesagt, dass es im Unglücksgebiet kein Riff und keine gefährlichen Klippen gebe. Grund des Katastrophe sei vermutlich irgendeine Fehlfunktion der Fähre.

(Quelle: S24)

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