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74 Flüchtlingsleichen an libyscher Küste angespült

2016 wagten mehr als 180.000 Menschen die riskante Überfahrt APA (AFP)
2016 wagten mehr als 180.000 Menschen die riskante Überfahrt

Vor der libyschen Küste sind bei einer neuen Flüchtlingstragödie Dutzende Migranten ertrunken. 74 Leichen seien an der Küste des Bürgerkriegslandes angespült worden, sagte der regionale Sprecher der Internationalen Föderation der Rotkreuz- und Rothalbmondgesellschaften (IFRC), Stephen Ryan. Man habe entsprechende Informationen und Fotos des Libyschen Roten Halbmonds am Montagabend erhalten.

Das Boot der Verunglückten habe am Samstag in der Stadt Sabrata etwa 70 Kilometer von Tripolis entfernt abgelegt, teilte der Sprecher der Internationalen Organisation für Migration (IOM), Flavio Di Giacomo, auf Twitter mit. Insgesamt seien 110 Menschen an Bord gewesen. Das Schicksal der noch nicht gefundenen Flüchtlinge blieb zunächst unklar.

Fotos zeigten Helfer beim Bergen der Körper an einem Strand. Die Leichen sind in Säcken auf dem Sand aufgereiht. In der Nähe wurde der IFRC zufolge ein zerrissenes Schlauchboot gefunden.

5.000 Flüchtlinge ertranken 2016 im Mittelmeer

Immer wieder sterben Migranten beim Versuch, Europa vom chaotischen Libyen aus in teils schrottreifen Booten zu erreichen. 2016 wagten mehr als 180.000 Menschen die riskante Überfahrt. Über 5.000 ertranken laut IOM im Mittelmeer - die höchste je verzeichnete Opferzahl. "Die letzten Berichte veranschaulichen noch einmal das anhaltende Risiko, dem Migranten auf dieser Route ausgeliefert sind", sagte IFRC-Sprecher Ryan.

Die Europäische Union sieht sich unterdessen nach Ansicht von EU-Innenkommissar Dimitris Avramopoulos besser für einen Andrang von Flüchtlingen über die sogenannte Mittelmeerroute gewappnet als im vergangenen Jahr. "Wir müssen zumindest sagen, dass wir die Situation besser im Griff haben", sagte Avramopoulos bei einem Treffen mit dem deutschen Innenminister Thomas de Maiziere am Dienstag in Berlin.

Viele Migranten warten in Libyen auf Überfahrt

Die Zahl der Migranten, die in Libyen auf die Überfahrt nach Europa warten, sei "sehr groß", fügte der EU-Innenkommissar hinzu. "Aber wir sind auf jeden Fall besser vorbereitet". Die Lage in Libyen habe sich "etwas verbessert", auch wenn das nordafrikanische Land weiter kein stabiler Staat sei. Die EU-Kommission stehe bereit, der italienischen Regierung nötigenfalls "Hilfestellung" zu leisten.

In Italien kamen im vergangenen Jahr 181.000 Flüchtlinge an - 90 Prozent von ihnen über Libyen. Nach Angaben von EU-Vertretern gibt es Schätzungen, wonach derzeit 300.000 bis 350.000 Flüchtlinge in Libyen auf die Überfahrt nach Europa warten. Mit Blick auf die Balkanroute sagte Avramopoulos, dass die dortigen Flüchtlingsbewegungen dank des Abkommens der EU mit der Türkei "mehr oder minder" unter Kontrolle seien.

De Maiziere verwies unterdessen darauf, dass die Zusammenarbeit mit Transitstaaten wie Niger und Mali erste Früchte trage. So sei etwa die Zahl der Migranten, die über Niger nach Libyen reisten, jüngst zurückgegangen. Noch könne aber "keine Entwarnung" gegeben werden, da die Flüchtlingsbewegungen bei besserem Wetter im Frühjahr wieder zunehmen könnten.

(APA/dpa)

(Quelle: S24)

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