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AK-Experten fordern neue Strategie gegen Arbeitslosigkeit

AK thematisiert schwierige Lage der Arbeitslosen Salzburg24
AK thematisiert schwierige Lage der Arbeitslosen

Im Vorfeld des von der Regierung angekündigten Arbeitsmarktgipfels drängen Experten der Arbeiterkammer (AK) auf eine neue Strategie gegen Arbeitslosigkeit. Ein nur symbolischer Gipfel würde weder den vielfältigen Ursachen der inakzeptablen Lage auf dem Arbeitsmarkt, noch der schwierigen sozialen Lage der Betroffenen gerecht werden, argumentieren Markus Marterbauer und Josef Wallner.

Ohne eine neue Verteilung des Arbeitsvolumens durch aktive Arbeitszeitpolitik werde ein Rückgang der Arbeitslosigkeit nicht zu erreichen sein, so die beiden AK-Experten in einem Beitrag im Internet-Blog. Bisher gibt es kein konkretes Datum für den Arbeitsmarktgipfel, der noch vor dem Sommer stattfinden soll.

Zu einer modernen Arbeitszeitpolitik gehöre die Verhinderung unfreiwilliger Überstunden und die Verteuerung der Überstunden für Arbeitgeber (+1 Euro pro Überstunde), weiters eine Einschränkung für All-In-Verträge, neue Möglichkeiten zur individuellen Arbeitszeitverkürzung durch Weiterentwicklung der Kurzarbeit und der kollektivvertraglichen Freizeitoption. Die sechste Urlaubswoche für alle Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer und ein Recht auf den bezahlten Papamonat sollten ebenfalls eingeführt werden.

Die Wirtschaftspolitik müsse auf die Schaffung neuer Arbeitsplätze durch Investitionen in Wohnbau, öffentlichen Verkehr und Energienetze ausgerichtet werden, fordern die AK-Experten. Der Ausbau sozialer Dienstleistungen sei dringend notwendig, Krippenplätze, Ganztagsschulen, Pflegeplätze und ein ausreichendes Angebot an Sozialarbeit würden fehlen. Gerade in diesen Bereichen seien besonders hohe Beschäftigungseffekte mit dem Ausbau von Leistungen zu erwarten. Auch Infrastrukturvorhaben im sozialen Wohnbau, den Energienetzen und im öffentlichen Verkehr würden den Wirtschaftsstandort stärken, den Wohlstand erhöhen und Arbeitsplätze schaffen.

Um den Menschen wieder zurück in den Job zu helfen sei der Kampf gegen dauerhafte Arbeitsmarktausgrenzung wichtig, fordern die Arbeiterkämmerer: Das Arbeitsmarktservice (AMS) müsse endlich in die Lage versetzt werden, individuell abgestimmte Betreuungsschritte zu setzen, statt Jobsuchende innerhalb weniger Minuten "abfertigen" zu müssen. Dazu müsste der Betreuungsschlüssel von derzeit durchschnittlich einem Betreuer für 250 Arbeitslose auf höchstens eins zu 140 gesenkt werden. Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten sollten ausgebaut werden, ebenso wie Präventionsmaßnahmen, etwa Gesundheitsschutz, und Beschäftigungsmöglichkeiten auf dem "zweiten Arbeitsmarkt". Das Bonus-Malus-System gegen die Diskriminierung Älterer auf dem Arbeitsmarkt müsse umgesetzt werden.

Schließlich müsse der Gesellschaft auch die Existenzsicherung Arbeitsloser ein Anliegen sein: Fast jeder zweite Arbeitslose könne mit den Leistungen aus der Arbeitslosenversicherung die laufenden Kosten nicht decken. Unter der Regelung bei der Notstandhilfe, wonach das Partnereinkommen eingerechnet wird, leiden besonders Frauen: 82 Prozent jener, die wegen dieser Anrechnung keine Leistung erhalten, sind Frauen. Um die materielle Lage der Arbeitslosen zu verbessern brauche es Abhilfe, etwa eine Erhöhung der Ersatzrate beim Arbeitslosengeld von 55 auf wenigstens 60 Prozent. Auch das "Trittbrettfahren" vieler Unternehmen müsse man bekämpfen: Münden Arbeitserprobung, Arbeitstraining und Lohnsubventionen nicht in Arbeitsverhältnisse, die über den Förderzeitraum hinausreichen, so soll dies zu einem Förderausschluss führen.

Die Lage am österreichischen Arbeitsmarkt ist aktuell düster: Die Zahl der registrierten Arbeitslosen wird laut Wirtschaftsforschungsinstitut (Wifo) auf 350.200 im Jahr 2015 und 369.000 im Jahr 2016 ansteigen. Inklusive der Schulungsteilnehmer wird sie damit um 170.000 höher liegen als vor Ausbruch der Wirtschaftskrise.

Über die Rekordarbeitslosigkeit können auch die steigenden Beschäftigungszahlen (+ 3,4 Prozent seit 2008) nicht hinwegtrösten, so die AK-Experten Marterbauer und Wallner. im Internet-Blogist nur die Zahl der Teilzeitstellen (+214.200 seit 2008), während die Zahl der Vollzeitstellen seit 2008 um 83.300 zurückging.

Seit Beginn der Finanzkrise im Jahr 2008 ist der Bestand der registrierten Arbeitslosen um plus 50 Prozent explodiert: nämlich von 212.253 (2008) auf 319.357 (2014) im Jahresdurchschnitt. Die Zahl der Betroffenen ist von 776.194 im Jahr 2008 um fast ein Fünftel (auf 922.387 im Jahr 2014) gestiegen.

Ein gutes Fünftel aller Erwerbspersonen wird so regelmäßig arbeitslos, dass die Experten von einem "Drehtüreffekt" sprechen und die Gefahr der dauerhaften Arbeitsmarktausgrenzung dieser Gruppe sehen. Immer zahlreicher werden zudem Wiedereinstellungsverträge der Arbeitgeber; viele Firmen versuchen einerseits die Beschäftigten vertraglich an sich zu binden, lagern sie aber in Zeiten geringerer Auslastung an das AMS aus. Die Arbeitslosenversicherung - und damit die Allgemeinheit - übernimmt damit die Kosten dieser externalisierten Personalvorhaltung, kritisieren die AK-Experten.

(Quelle: S24)

Aufgerufen am 17.04.2021 um 08:22 auf https://www.salzburg24.at/news/welt/ak-experten-fordern-neue-strategie-gegen-arbeitslosigkeit-47456773

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