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Akademikerball: Tausende Teilnehmer bei Protesten

Heinz-Christian Strache erschien mit Frau Philippa. APA/GEORG HOCHMUTH
Heinz-Christian Strache erschien mit Frau Philippa.

Der von der FPÖ ausgerichtete Akademikerball in der Wiener Hofburg hat am Freitagabend tausende Demonstranten zum Gang auf die Straße bewogen. Laut Zählungen der Polizei waren die Kundgebungen rund 8.000 Teilnehmer stark. In der Hofburg gaben sich unterdessen die FPÖ-Granden ein Stelldichein, unter ihnen auch Vizekanzler Heinz-Christian Strache und FPÖ-Generalsekretärin und Salzburger Landesparteichefin Marlene Svazek.

Der ehemalige Ball des Wiener Korporationsrings, der seit 2013 von der Wiener FPÖ ausgerichtet wird, sorgte heuer wegen der FPÖ-Regierungsbeteiligung bereits im Vorfeld für reges mediales Interesse. Befürchtungen, der Regierungseintritt der Freiheitlichen könnte auch gewaltbereite Demonstranten auf den Plan rufen, erwiesen sich als unbegründet.

Keine Zwischenfälle bei Akademikerball-Demo

Bei den Kundgebungen kam es - abgesehen von einigen gezündeten Feuerwerksraketen - zu keinen Zwischenfällen, wie die Leiterin der Pressestelle der Polizei Wien, Daniela Tunst gegenüber der APA sagte. Es habe lediglich "einzelne Identitätsfeststellungen", aber keine Zwischenfälle oder Festnahmen gegeben, so Polizeisprecherin Michaela Rossmann. Die Exekutive war mit einem 2.870 Beamte starken Großaufgebot in der Wiener Innenstadt aufgefahren.
Die Gegner des Balles, der Kritikern als internationales Vernetzungstreffen Rechtsextremer gilt, fanden sich am Nachmittag und frühen Abend an mehreren Sammelpunkten zusammen. Ein kleiner Protestzug vereinigte sich gegen 17.00 Uhr mit der groß angelegten Demonstration des Bündnisses "Offensive gegen Rechts" vor der Universität Wien am Schottentor. Von dort zog die stetig wachsende Teilnehmerschar über die Ringstraße und die "Zweierlinie" beim Museumsquartier bis zum Girardipark beim Karlsplatz, wo rund um 19.30 Uhr eine erste Abschlusskundgebung stattfand.

Danach führte ein weiterer Protestzug vom Girardipark auf nahezu identer Route zurück bis hinter das Burgtheater zu einer der Standkundgebung. Die Veranstalter riefen die Demonstranten aber auch dazu auf, beim Girardipark zu bleiben, um dort die Zufahrt zur Hofburg zu blockieren.

Zu Spitzenzeiten zählte die Polizei rund 8.000 Demo-Teilnehmer, später sank die Zahl laut Behördenangaben auf rund 2.500. Die "Offensive gegen Rechts" sprach von rund 10.000 Demonstranten und zeigte sich von der Beteiligung begeistert. Sie kündigte bereits weitere Protest-Aktionen gegen die schwarz-blaue Regierung an.

FPÖ-Spitze beim Akademikerball

In der Hofburg trafen am Abend unterdessen die Gäste ein, darunter auch zahlreiche FPÖ-Spitzenpolitiker. Parteichef Heinz-Christian Strache kam mit seiner Frau Philippa. Der Vizekanzler wollte den diesjährigen Ball auch dazu nutzen, um klar gegen Antisemitismus Stellung zu beziehen. Für Antisemiten gebe es weder in der FPÖ noch am Akademikerball einen Platz, so Strache mit Verweis auf den Internationalen Holocaust-Gedenktag am Samstag. Eine Rolle für diese Ankündigung spielen dürfte wohl auch die Causa des niederösterreichischen FPÖ-Spitzenkandidaten Udo Landbauer, der im Zusammenhang mit antisemitischen und rassistischen Liederbüchern seiner Burschenschaft Germania derzeit unter scharfer Kritik steht. "Wir singen dem Udo ein Lied. Udo du Arschloch", skandierten dann auch die Demonstranten.

Am Ball gesichtet wurden neben Strache u.a. auch FPÖ-Generalsekretärin Marlene Svazek, der Nationalratsabgeordnete Maximilian Krauss und Burgenlands Landeshauptmannstellvertreter Johann Tschürtz. Der geschäftsführende Obmann des FPÖ-Nationalratklubs, Johann Gudenus, fand sich ebenfalls in der Hofburg ein - wie auch der ehemalige Dritte Nationalratspräsident Martin Graf und der frühere FP-Vizekanzler Herbert Haupt. Ihr Kommen angekündigt hatte auch die Dritte Nationalratspräsidentin Anneliese Kitzmüller.

Strache verurteilt Antisemitismus in eigenen Reihen

Strache hat seinen Auftritt beim Akademikerball dazu genutzt, Antisemitismus in den eigenen Reihen scharf zu verurteilen. Das freiheitliche Lager habe seit jeher totalitäre Systeme bekämpft: "Das ist unser Verständnis. Und wer dieses Verständnis nicht trägt, der ist bei uns nicht willkommen", sagte er vor den rund 3.000 Ballgästen. Die eigentliche Festrede hatte der Rechtswissenschafter Christian Neschwara von der Universität Wien gehalten. Auch er bezog sich auf das Gedenkjahr, vor allem auf die bürgerliche Revolution 1848 und 1918 mit der Republiksgründung. Aber auch den "Anschluss" 1938 erwähnte Neschwara - dieser habe schließlich zur "Katastrophe apokalyptischen Ausmaßes" geführt.

Einschränkungen im Wiener Verkehr

Die Proteste sowie die von der Polizei kurz nach 17.00 Uhr eingerichtete weitläufige Sperrzone rund um die Hofburg führten zu umfangreichen Verkehrsbehinderungen. So waren etwa Teile der Ringstraße gesperrt. Betroffen waren auch der Bereich Augartenstraße und Augartenbrücke sowie die Zweierlinie, die Burg- und Neustiftgasse. Auch im Raum Schwarzenbergplatz, dem Karlsplatz sowie auf einzelnen Straßenzügen in Brigittenau und der Leopoldstadt war mit Behinderungen zu rechnen. Das Verkehrsaufkommen war allerdings gering, hieß es seitens der Polizei, die bereits im Vorfeld geraten hatte, die Innenstadt weiträumig zu umfahren. Auch die öffentlichen Verkehrsmittel waren eingeschränkt unterwegs. Der Betrieb der Autobuslinien 1A, 2A und 3A wurde bis Betriebsschluss eingestellt. Auch Straßenbahnlinien waren betroffen und wurden zeitweise umgeleitet oder kurzgeführt.

(APA/SALZBURG24)

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(Quelle: S24)

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