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Als "Hexenkind" verstoßen: Das grausame Schicksal eines Zweijährigen geht um die Welt

Ein Schluck Hoffnung für den kleinen Hope. Facebook/Anja Ringgren Lovén
Ein Schluck Hoffnung für den kleinen Hope.

Dieses erschreckende Bild aus Nigeria geht gerade um die Welt: Ein extrem abgemagerter Zweijähriger trinkt den für ihn rettenden Schluck Wasser aus einer Flasche. Das eigentlich Grausame ist die Geschichte hinter dem Bild, denn sie betrifft Tausende sogenannter "Hexenkinder" in Afrika.

Der zweijährige Bub vegetiert nackt, abgemagert und verwahrlost vor sich hin. Zu essen hat er nur das, was er findet. Er ist jedoch kein Waise, seine Eltern haben ihn verstoßen. Sie haben ihren Sohn seinem Schicksal überlassen, weil sie glauben, dass er verhext sei.

"Hexenkinder" ausgesetzt, gefoltert oder getötet

Wer Hexenverfolgung für ein Phänomen des europäischen Mittelalters hält, irrt. Mindestens 100.000 Frauen und Kinder sollen seit 1960 in Afrika wegen Hexerei getötet worden sein. Hexen, so der afrikanische Glaube, sind schuld an Krankheiten, persönlichem Unglück, Aids, Epidemien und ökonomischem Misserfolg. In Afrika gehören vor allem Kinder zu den Opfern von Hexenwahn und Aberglauben. Eine ominöse Rolle sollen BBC-Dokumentationen zufolge einige protestantische Sekten spielen, die "verdächtige" Kinder sogar gefoltert und getötet haben.

Das Schicksal des Zweijährigen schien dadurch vorgegeben, doch die dänische Entwicklungshelferin Anja Ringgren Lovén nahm sich Ende Jänner dem Buben an. Sie ließ ihn nicht nur aus ihrer Plastikflasche trinken, sondern kümmerte sich um das verwunschene Kind. Bereits nach wenigen Tagen machte der Bub positive Fortschritte. Er lächelte sogar.

Hopes Schicksal geht um die ganze Welt

Seine Retterin gab ihm den Namen Hope, als Symbol der Hoffnung für so viele "Hexenkinder" in Afrika. Sie machte daraufhin seine Geschichte auf ihrer Facebook-Seite öffentlich.

Jeg har set meget her i Nigeria igennem de sidste 3 år. Jeg har forskånet jer for mange oplevelser når vi har været på...

Posted by Anja Ringgren Lovén on Sonntag, 31. Januar 2016

"Ich habe in den letzten drei Jahren hier so viel gesehen. Diese Bilder sollen zeigen, wofür ich kämpfe. Warum ich alles, was ich je besaß, verkauft habe und hierhergekommen bin", erklärt die Dänin auf ihrer Webseite. Anja Ringgren Lovén hat vor drei Jahren eine Hilfsorganisation und ein Kinderheim in Afrika gegründet, um die Bevölkerung aufzuklären und das Leben vieler Kinder zu retten. Auch ein Krankenhaus, die "Hope Klinik", ist in Planung.

Alleine in der Demokratischen Republik Kongo wurden etwa im Jahr 2006 zwischen 25.000 und 50.000 Kinder der Hexerei bezichtigt und von ihren eigenen Müttern verstoßen. Auch in Südafrika sollen noch jährlich Dutzende von Frauen als angebliche Hexen auf dem Scheiterhaufen enden - es gibt inzwischen Schutzdörfer, wo Frauen, die wegen Hexerei verfolgt wurden, oft mit ihren Kindern in bitterer Armut, aber sicher leben. Im Kongo oder in Ghana gibt es immer wieder Berichte über Männer und Jungen, die grausam kastriert wurden, um ihre Penisse in Zauberdrogen zu verarbeiten. In Ghana wurden solche "Penisjäger" vor einem Jahrzehnt vom Mob gelyncht. In Kenia wurden 2008 elf Menschen wegen angeblicher Hexerei von einer wütenden Menge verbrannt.

(SALZBURG24/APA)

(Quelle: S24)

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