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Amoklauf in US-Kirche: Verdächtiger gefasst

Ein Weißer hat neun Menschen erschossen. AP
A man kneels across the street from where police gather outside the Emanuel AME Church following a shooting Wednesday, June 17, 2015, in Charleston, S.C. (Wade Spees/The Post And Courier via AP)

Nach dem Massaker mit neun Toten auf eine afroamerikanische Kirchengemeinde in Charleston (South Carolina) hat die US-Polizei Medienberichten zufolge den mutmaßlichen Schützen gefasst. Der 21-jährige Dylann R. sei am Donnerstag in der Kleinstadt Shelby im Staat North Carolina festgenommen worden, berichtete der Nachrichtensender CNN.

Der Verdächtige war damit rund 250 Kilometer von Charleston nach Shelby mit dem Auto geflohen. Wie die Lokalzeitung "The Post and Courier" auf ihrer Homepage berichtete, war der 21-Jährige als Erwachsener bereits zwei Mal festgenommen worden, u.a. wegen eines Drogenvergehens. Eine Fotografie auf seinem Facebook-Profil zeige Dylann R. mit einer Jacke auf der u.a. eine Flagge aus Südafrika aus Zeiten des rassistischen Apartheid-Systems zu sehen sei, so das Blatt weiter.

Täter bekam Waffe zum Geburtstag

Ein Mann, der erklärte er sei der Onkel des Verdächtigen, sagte der Nachrichtenagentur Reuters, sein Neffe habe jüngst zum 21. Geburtstag von seinem Vater eine Handfeuerwaffe Kaliber 45 geschenkt bekommen. Der junge Mann soll am Mittwochabend in der Emanuel African Methodist Episcopal Church in Charleston das Feuer auf die Gläubigen eröffnet haben, die zu einer Bibelstunde zusammengekommen waren. Die Behörden vermuten einen rassistischen Hintergrund. Acht Menschen seien am Tatort gestorben, ein weiterer Mensch im Krankenhaus. Eine Person liege schwer verletzt im Krankenhaus, sagte der Polizeichef.

In dieser Kirche hat sich die Tragödie abgespielt./AP Salzburg24
In dieser Kirche hat sich die Tragödie abgespielt./AP

Neun Menschen kaltblütig erschossen

Unter den Toten war einem Bericht der Zeitung "Charleston Post and Courier" zufolge auch der Pastor der Kirche, Clementa Pinckney, der zudem im Senat von South Carolina saß. Die Zeitung zitierte Kirchen- und Politikkreise sowie Freunde des Pastors. Auch der politische Mitstreiter Marlon Kimpson sagte US-Medien, der Pastor sei unter den Toten. Die Behörden erklärten, dass drei Männer und sechs Frauen unter den Todesopfern seien.

Polizeichef Mullen sagte bei einer Pressekonferenz zudem, der Angreifer habe sich zunächst rund eine Stunde lang unter die Gläubigen gemischt, bevor er das Feuer eröffnete. Er sprach von einem "abscheulichen" Verbrechen und stufte den Schützen als "extrem gefährlich" ein. Mit einem Großaufgebot und Unterstützung aus der Luft sowie mit Spürhunden suchten die Beamten nach dem Täter.

Polizei veröffentlichte Bilder von Täter

Die Polizei veröffentlichte zudem Bilder des Gesuchten. Eines zeigt einen schlanken Mann im grauen Pullover Anfang 20 mit dunkelblondem bis braunem Haar und einer Art Bob-Schnitt. Wegen der Einstufung als Hassverbrechen können die Bundesbehörden eingeschaltet werden - die Polizei bat daher auch das FBI und die Hauptstadt Washington um Unterstützung.

Zutiefst entsetzt angesichts der Tat zeigte sich der Bürgermeister von Charleston, Joseph Riley. Er sei sprachlos und es breche ihm das Herz, sagte er. "Da sitzen Menschen am Mittwochabend beim Gebet", fuhr er fort, "und dass eine furchtbare Person hereinkommt und sie erschießt, ist schlicht unerklärlich". Charleston ist wegen der vielen Kirchen und zahlreicher ethnischer Gemeinden auch als "Heilige Stadt" bekannt. Auch der bekannte Tanz Charleston wurde nach der Stadt benannt.

South Carolina nach Tat unter Schock

South Carolinas Gouverneurin Nikki Haley erklärte nach dem Angriff, sie bete für die Opfer dieser "unfassbaren Tat". Das Kampagnenteam des republikanischen Präsidentschaftsbewerbers Jeb Bush erklärte, dessen "Gedanken und Gebete" seien bei den Opfern und Hinterbliebenen in Charleston. Er sagte mehrere Auftritte ab, die am Donnerstag in Charleston geplant waren. Ähnlich äußerte sich die demokratische Anwärterin Hillary Clinton im Internetdienst Twitter.

Die Tat versetzt der zuletzt in den USA ohnehin intensiv geführten Rassismusdebatte in den USA nun einen weiteren Schlag. Zuletzt hatten mehrere tödliche Fälle von Polizeigewalt für Empörung und Proteste gesorgt. So war im April in North Charleston unweit von Charleston der 50-jährige Schwarze Walter Scott von einem weißen Polizisten getötet worden, als er nach einer Auseinandersetzung floh.(APA)

(Quelle: S24)

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