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Anstieg bei Kinder-Übergewicht überläuft Wissenschaft

Übergewichtige Kinder werden zum Problem für die Volksgesundheit Salzburg24
Übergewichtige Kinder werden zum Problem für die Volksgesundheit

Die Medizin hat mit übergewichtigen Kindern ein Problem: Der Zuwachs an Körpergewicht verläuft im Bevölkerungsdurchschnitt bereits so rasch, dass aktuelle Studien zur Bestimmung von Normalgewichts-Parametern bei Heranwachsenden bereits zu spät kommen. Das war in Deutschland bereits der Fall, stellte die Wiener Kinderärztin Susanne Greber-Platzer bei den Österreichischen Ärztetagen in Grado fest.

"20 bis 30 Prozent der Kinder und Jugendlichen werden in Österreich als übergewichtig eingeschätzt. (...) Adipositas war im Kinder- und Jugendalter vor hundert Jahren überhaupt kein Thema", betonte die Spezialistin von der Wiener Universitätskinderklinik (AKH/MedUni Wien). Eine Querschnittsuntersuchung (2010/2012) bei 188 Mädchen und 199 Buben im Alter von sieben bis 14 Jahren ergab per BMI-Feststellung (Body Mass Index) Übergewicht bei 24 Prozent. Sechs Prozent der Mädchen und neun Prozent der Buben waren adipös.

Eine in der Wiener Klinischen Wochenschrift im Jahr 2012 veröffentlichte wissenschaftliche Untersuchung von Zwei- bis 16-Jährigen in Wien zeigte Übergewicht bei 8,9 Prozent der Kinder mit deutscher Muttersprache, jedoch bei 13,5 Prozent unter Kindern mit türkischer Muttersprache. Der Unterschied war auch bei den Adipösen zu bemerken. Das zeigt - neben kulturellen und sozioökonomischen Einflüssen - auch, dass man eigentlich sehr bevölkerungsspezifisch bei der Bestimmung der Grenzen vorgehen muss. "Ein Erwachsener mit einem BMI von mehr als 25 gilt als übergewichtig. Das gilt aber nur für Europäer und Amerikaner 'weißer' Herkunft. Äthiopier haben schon Übergewicht ab einem BMI von 20", betonte die Expertin.

Aber, während der BMI bei Erwachsenen als einfaches Maßwerkzeug anerkannt wird, ist die Situation bei Kindern viel komplexer. Hier wird das Körpergewicht nach "Perzentilen" beurteilt: Wer sich mit dem BMI in der Gruppe jener Personen befindet, in der 50 bis 90 Prozent altersabhängig liegen, gilt als normalgewichtig. Wer zwischen der 90. und der 97. Perzentile liegt, ist übergewichtig. Darüber beginnt die Adipositas.

Doch in Deutschland wollten die Wissenschafter nach einer im Jahr 2001 publizierten Zusammenfassung aus 17 Studien zum Thema "Gewicht und Kinder" zwischen 2003 und 2006 mit standardisierten Messmethoden im "Kinder-und Jugend-Gesundheitssurvey" ganz genaue Richtwerte erheben. Das Problem dabei, wie die Wiener Expertin erklärte: "Die Werte waren verzerrt durch den bereits erhöhten Anteil an Übergewicht und Adipositas."

Klar ist, dass hochkalorische Ernährung mit einem hohen Anteil an Fett sowie der ständige Konsum zuckerhaltiger Getränke treibende Faktoren in der Entwicklung sind. Hinzu kommt die zunehmende körperliche Inaktivität. Ein wichtiger Schutzfaktor wäre bereits das Stillen. "Neun Monate Stillen ergibt ein um 400 Gramm geringeres Körpergewicht beim Säugling, zwölf Monate Stillen um 600 bis 650 Gramm weniger Gewicht mit einem Jahr", sagte die Kinderärztin. Es zeige sich ein klarer "Dosis-Wirkungs-Effekt".

(Quelle: S24)

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