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Anti-Terror-Ermittlungen nach Messer-Angriff in Paris

Nach einer tödlichen Messer-Attacke in Paris haben Anti-Terror-Experten die Ermittlungen übernommen. Ein Angreifer tötete am Samstagabend im Zentrum der französischen Hauptstadt einen Passanten und verletzte vier weitere Menschen, zwei davon schwer. Die Polizei erschoss den Angreifer.

Bei dem getöteten Passanten handelt es sich nach Polizeiangaben um einen jungen Mann um die 30. Die vier Verletzten befinden sich nach Angaben von Innenminister Gerard Collomb außer Lebensgefahr. Die Eltern des 1997 geborenen Mannes seien zur Befragung in Gewahrsam, verlautete am Sonntagmorgen aus Justizkreisen. Die Jihadistenmiliz Islamischer Staat beanspruchte die Tat für sich.

Angreifer war Behörden bekannt

Der Angreifer ist identifiziert. Der junge Mann wurde 1997 in der russischen Teilrepublik Tschetschenien geboren und war französischer Staatsbürger. Er war demnach den Sicherheitsbehörden bekannt und stand auf einer Liste von radikalisierten Personen.

Angreifer geht auf Polizisten los

Der Täter schlug an einem belebten Samstagabend kurz vor 21.00 Uhr in einem Ausgehviertel nahe der Oper im Herzen von Paris zu. Zum Zeitpunkt des Attentats waren dort viele Menschen auf der Straße, die zu Zeugen des blutigen Geschehens wurden. Die Gegend ist wegen ihrer vielen Bars, Restaurants und Theater beliebt.

Nach Polizeiangaben ging der Angreifer mit dem Messer auf drei herbeigeeilte Polizisten los. Einer von ihnen habe zunächst eine Elektroschock-Waffe gegen den Angreifer eingesetzt. Ein weiterer Beamter habe dann zwei Schüsse abgegeben, die den Angreifer tödlich getroffen hätten.

Terror-Verdacht nach Messerattacke

Der Angreifer habe bei seiner Tat "Allah Akbar" (arabisch für: "Gott ist größer") gerufen, teilte die Staatsanwaltschaft mit. Sie berief sich auf die Aussagen mehrerer Zeugen. Die Tat werde als "Tötungsdelikt in Zusammenhang mit einem terroristischen Akt" eingestuft. Zur Person des Angreifers wurden zunächst keine Angaben gemacht. Die Jihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) beanspruchte die Tat für sich.

Premierminister Edouard Philippe begab sich am Samstagabend in das zuständige Pariser Polizeikommissariat und lobte "die außerordentliche Reaktion" der Polizei. Fünf Minuten nach dem Notruf seien die Beamten vor Ort gewesen, neun Minuten nach dem Notruf sei der Täter tot gewesen. Die Schnelligkeit der Polizei "hat aller Wahrscheinlichkeit eine schlimmere Opferbilanz verhindert", sagte Philippe. Auch Innenminister Collomb lobte die Polizei, die mit kühlem Kopf vorgegangen sei.

Zeugin: "Man rennt einfach davon"

Zahlreiche Augenzeugen berichteten über die Bluttat in dem beliebten Amüsierviertel. "Ich war auf der Café-Terrasse und hörte drei oder vier Schüsse", berichtete die 47-jährige Gloria. "Die Kellner sagten, wir müssten schnell reinkommen. Als ich wieder rausgegangen bin, sah ich einen Mann am Boden liegen."

Die Cafébesucherin Elisa fühlte sich an die Pariser Anschlagserie vom November 2015 erinnert. "Wenn man drei Schüsse hört, denkt man zwangsläufig an den 13. November. Man sucht dann nicht mehr, man rennt einfach davon."

Macron: "Lobe den Mut der Polizisten"

Staatspräsident Emmanuel Macron bezeichnete den Täter als Terroristen. "Frankreich zahlt erneut den Preis des Blutes, gibt aber gegenüber den Feinden der Freiheit nicht ein Zoll nach", erklärte Macron auf Twitter. Seine Gedanken seien bei den Opfern und ihren Angehörigen. "Ich lobe im Namen aller Franzosen den Mut der Polizisten, die den Terroristen neutralisiert haben."

Die Pariser Staatsanwaltschaft leitete eine Untersuchung wegen Terror-Verdachts, Mordes und versuchten Mordes an Amtsträgern ein. Die Terrorgruppe Islamischer Staat reklamierte den Angriff für sich, wie die auf Auswertung dschihadistischer Propaganda spezialisierte Site Intelligence Group unter Berufung auf das IS-Sprachrohr Amak meldete. Zur Identität des Täters machten die Behörden zunächst keine Angaben.

 

Mehrfach wurde Paris bereits  von Anschlägen erschüttert. Die verheerendste Attacke war die Terrornacht vom 13. November 2015: Damals hatten mehrere Islamisten-Kommandos bei zeitgleichen Anschlägen unter anderem in einem Ausgehviertel im Osten der französischen Hauptstadt insgesamt 130 Menschen ermordeten.

(APA/dpa/ag.)

(Quelle: S24)

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