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Fälle in Großbritannien

AZ könnte allergische Reaktionen hervorrufen

EMA fordert Überarbeitung der Nebenwirkungs-Liste

symb_astrazeneca APA/dpa/Julian Stratenschulte
Der Covid-Impfstoff von AstraZeneca könnte laut EMA schwere allergische Reaktionen hervorrufen. (SYMBOLBILD)

Laut der Europäischen Arzneimittelbehörde (EMA) könnte der Corona-Impfstoff von AstraZeneca schwere allergische Reaktionen als Nebenwirkung hervorrufen.

Anaphylaxie sowie Überempfindlichkeitsreaktionen sollten in die Liste der möglichen Nebenwirkungen des Vakzins aufgenommen werden, erklärte die EMA am Freitag unter Verweis auf mehrere solcher Fälle in Großbritannien.

Zusammenhang zwischen allergischer Reaktion und Impfung?

Es gebe Berichte über 41 mögliche Anaphylaxie-Fälle unter fünf Millionen Impflingen in Großbritannien, berichtete die Behörde mit Sitz in Amsterdam. Nach einer sorgfältigen Auswertung der Daten halte das für die Impfstoff-Risikobewertung zuständige Komitee einen Zusammenhang zwischen der allergischen Reaktion und der Impfung mindestens in einigen dieser Fälle für wahrscheinlich.

Anaphylaxie bekannte Nebenwirkung

Das Bundesamt für Sicherheit im Gesundheitswesen (BASG) erläuterte in einer Stellungnahme, dass die Anaphylaxie eine bekannte Nebenwirkung sei, die sehr selten bei Impfstoffen auftreten kann. Sie ist bereits in der Gebrauchsinformation ("Beipackzettel") und in der Fachinformation für medizinisches Fachpersonal für den Covid-19-Impfstoff von AstrazZeneca als potenzielles Risiko angeführt worden. Das Pharmacovigilance Risk Assessment Committee (PRAC) der EMA hat eine Aktualisierung der Fachinformation empfohlen: Anaphylaxie und Überempfindlichkeit (allergische Reaktionen) sollen nicht nur im Abschnitt "Besondere Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen für die Anwendung", sondern auch im Abschnitt "Nebenwirkungen" nochmals als Nebenwirkung aufgelistet werden.

Beobachtung empfohlen

Bei den anderen bereits zugelassenen Covid-19-Impfstoffen ist diese Information bereits in der Fachinformation angeführt, berichtete die BASG. Diese Aktualisierung solle lediglich zeigen, dass auch beim Impfstoff von AstraZeneca Fälle von Anaphylaxie berichtet wurden. Der AstraZeneca-Beipackzettel empfiehlt bereits jetzt, dass Patienten nach einer Impfung noch mindestens 15 Minuten unter Beobachtung bleiben sollten, um auf mögliche allergische Reaktionen reagieren zu können.

AstraZeneca um Beruhigung bemüht

Der britisch-schwedische Pharmakonzern AstraZeneca wies indes Sorgen wegen schwerer Nebenwirkungen im Zusammenhang mit Gerinnungsstörungen seines Corona-Impfstoffs zurück. "Eine Analyse unserer Sicherheitsdaten von mehr als zehn Millionen Datensätzen hat keine Hinweise auf ein erhöhtes Risiko für Lungenembolien oder tiefe Venenthrombosen gezeigt", teilte ein Sprecher am Freitag mit. Das gelte für alle Altersgruppen, Geschlechter, Länder oder Chargen des AstraZeneca-Impfstoffs. "Tatsächlich kommen diese Ereignisse unter Geimpften sogar seltener vor als in der Allgemeinbevölkerung", hieß es weiter.

Dänemark und andere Länder hatten Impfungen mit dem Stoff ausgesetzt. Als Grund wurden Berichte über einen Todesfall und schwere Erkrankungen durch Blutgerinnsel nach der Impfung genannt. Man könne jedoch noch nicht feststellen, ob ein Zusammenhang zwischen dem Impfstoff und den Blutgerinnseln bestehe, hieß es.

Die Europäischen Arzneimittelbehörde EMA kam zu dem Schluss, dass der Anteil der Thrombosekranken nach einer Impfung mit dem AstraZeneca-Präparat dem spontanen Auftreten dieser Erkrankung in der Normalbevölkerung entspricht. Bis zum 10. März hat die EMA 30 Fälle von "thromboembolischen Ereignissen" bei fast fünf Millionen mit dem Astrazeneca-Mittel geimpften Menschen registriert.

(Quelle: APA)

Kein Zusammenhang zwischen Impfstoff & Thrombosen

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(SYMBOLBILD)

Mehrere Todesfälle werden mit dem Impfstoff AstraZeneca in Verbindung gebracht. Doch es besteht kein kausaler Zusammenhang zwischen Gerinnungsstörungen und der Impfung von AstraZeneca, hieß bei einer Pressekonferenz der Initiative "Österreich impft" in Wien.

"In England sind zehn Millionen Menschen mit AstraZeneca geimpft, im Rest Europas fünf Million. Es hätte schon sehr auffallen müssen, wenn es einen Zusammenhang gibt", sagte Ärztekammer-Präsident Thomas Szekeres.

 

Bisher 130.000 Menschen in Österreich mit AstraZeneca geimpft

Herwig Kollartisch, Epidemiologe und Mitglied des nationalen Impfgremiums, erläuterte in diesem Zusammenhang die Hintergrundinzidenz in der Altersgruppe der 20- bis 64-Jährigen. Rund 130.000 Menschen wurden in Österreich bisher mit AstraZeneca geimpft. Vergleicht man diese Gruppe nun mit 130.000 Menschen, die noch nicht geimpft wurden, hätten unter diesen laut Statistik 3,7 Personen ein thromboembolisches Ereignis erlitten, erläuterte Kollaritsch. "Das kommt auch in der normalen, ungeimpften Bevölkerung vor, wir sind nicht über der Hintergrundinzidenz", sagte der Experte. In ganz Europa mit fünf Millionen Geimpften habe es bisher derartige Ereignisse nur bei 30 Personen gegeben. "Auch die Berechnung der Mortalität liefert keinen Hinweis darauf, dass es bei Geimpften häufiger auftritt", betonte der Mediziner.

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Thomas Szekeres (Österr. und Wiener Ärztekammer), Elisabeth Potzmann (Österr. Gesundheits- und Krankenpflegeverband), Herwig Kollaritsch ("Österreich impft"-Sprecher) und Ulrike Mursch-Edlmayr (Österr. Apothekerkammer) im Rahmen einer PK der Initiative "Österreich impft" "Aktuelles zur Schutzimpfung und neue Unterstützung" am Freitag, 12. März 2021, in Wien. 

Große Lücke ohne AstraZeneca

Sowohl Kollaritsch als auch Szekeres sprachen sich aber für genaue Untersuchungen der Vorfälle aus. Zu hundert Prozent ausgeschlossen werden könne ein Zusammenhang nicht. Tatsache sei aber, "wenn wir in Österreich die Impfung mit Astrazeneca aussetzen, hätten wir eine größere Lücke und könnten über längere Zeiträume nicht impfen", sagte Kollartisch. Damit würde man "eine hohe Infektionszahl und Todesfälle bewusst in Kauf nehmen", warnte der Epidemiologe. Es müsse immer eine Nutzen-Risiko-Abwägung gemacht werden, die in dem Fall deutlich für AstraZeneca spreche.

"Der Ruf ist ramponiert"

"Der Ruf von Astrazeneca ist ramponiert, das ist gar keine Frage", konstatierte Kollaritsch. Das Vertrauen der Bevölkerung zurückzugewinnen, sei eine Sisyphusaufgabe. "Wenn sich wieder herausstellt, dass die Diskussion nicht entsprechend Sinn macht, wird das der Fall sein", war sich Kollaritsch aber sicher. Dass die Produktionsqualität der Impfstoffe im Zusammenhang mit den Todesfällen eine Rolle spielt, glaubt er nicht. Sowohl der Hersteller als auch die EU prüft jede Charge, bevor sie freigegeben wird, sagte der Epidemiologe.

Charge in Niederösterreich auf Verkehr gezogen

Eine 49-jährige Krankenschwester des Landesklinikums Zwettl war in Folge schwerer Gerinnungsstörungen gestorben, eine 35-jährige Kollegin entwickelte eine Lungenembolie, befand sich zuletzt jedoch auf dem Weg der Besserung. Bei diesen beiden Fällen in Niederösterreich hatten die betroffenen Frauen zuvor Impfungen aus derselben Charge erhalten. Auch wenn zunächst kein kausaler Zusammenhang ausgemacht worden war, wurde vom Bundesamt für Sicherheit im Gesundheitswesen (BASG) die betreffende Charge aus dem Verkehr gezogen und eine Untersuchung des Todesfalls veranlasst, die noch im Gang ist. "Die Charge wurde noch einmal überprüft, das war eine reine Vorsichtsmaßnahme. Tatsache ist, dass man nichts gefunden hat", bekräftigte Kollartisch.

Ergebnisse der Untersuchung stehen aus

Szekeres verwies auch darauf, dass in Österreich primär Gesundheitspersonal geimpft wurde und Thrombosen in der Gesamtbevölkerung gehäuft bei Frauen auftreten. Außerdem gebe es in diesem Zusammenhang eine Assoziation mit der Einnahme der Pille und genetischer Veranlagung.

Wie Kollartisch weiter ausführte, laufen im Zusammenhang mit den Todesfällen in Österreich und Italien noch Untersuchungen, Ergebnisse wird es erst in Tagen oder Wochen geben. "Aber auch dann werden wir keine absolute Sicherheit haben, ob hier ein Zusammenhang bestehen könnte, das ist keine exakte Wissenschaft", sagte der Experte. Allerdings werde man eine "entsprechend hohe Wahrscheinlichkeit anbieten können".

Aufgerufen am 18.10.2021 um 06:47 auf https://www.salzburg24.at/news/welt/astrazeneca-koennte-laut-ema-schwere-allergische-reaktionen-hervorrufen-100979512

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