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Prüfung diese Woche

AstraZeneca-Impfung in Verbindung mit Thrombosen

Hochrangiger EMA-Vertreter bestätigt Zusammenhang

Nach wochenlanger Unsicherheit hat ein hochrangiger Vertreter der EU-Arzneimittelbehörde EMA eine Verbindung zwischen der Corona-Impfung mit dem Astrazeneca-Vakzin und dem Auftreten von Blutgerinnseln bei manchen Geimpften gezogen. Die EMA geht derzeit gut 40 Berichten zu Thrombosen nach AZ-Impfungen nach. Am Mittwoch will die Behörde über Resultate der Nachforschungen berichten.

"Meiner Meinung nach können wir mittlerweile sagen, dass es klar ist, dass es einen Zusammenhang mit dem Impfstoff gibt", sagte der Chef der EMA-Impfabteilung, Marco Cavaleri, mit Blick auf die Thrombosen nach AZ-Impfungen in einem Interview mit der Zeitung "Il Messaggero".

Grund für Blutgerinnsel nach AstraZeneca-Impfung unklar

Cavaleri legte in dem am Dienstag in dem italienischen Blatt veröffentlichten Interview nahe, dass die EMA den Zusammenhang noch am Dienstag offiziell feststellen wird. Wie das AstraZeneca-Vakzin in wenigen Fällen Blutgerinnsel bei Geimpften auslöst, ist nach seinen Angaben jedoch noch nicht klar. So werde die EMA wohl in dieser Woche auch noch keine Altersempfehlung geben können, wem der Stoff gespritzt werden solle. AstraZeneca war zunächst für eine Stellungnahme nicht erreichbar.

Untersuchung für diese Woche angekündigt

Die EMA hatte für Dienstag bis Freitag dieser Woche eine Prüfung des Impfstoffs angesetzt. "Wir versuchen, ein genaues Bild davon zu erhalten, was passiert", sagte Cavaleri dem "Messagero". Man wolle "auf präzise Weise dieses durch den Impfstoff verursachte Syndrom definieren". Bei jüngeren Menschen, die den AstraZeneca-Impfstoff erhalten hatten, gebe es eine Fallzahl an Hirnthrombosen, die höher sei, "als wir erwarten würden", führte Cavaleri aus. Eine Entscheidung zu dem Vakzin sei noch nicht getroffen worden, verlautete am Dienstagnachmittag aus der Behörde.

Bisher hat die EMA den AstraZeneca-Impfstoff als sicher empfohlen und betont, der Nutzen des Vakzins überwiege deutlich mögliche negative Folgen. Ein kausaler Zusammenhang zwischen der Impfung und den Blutgerinnseln sei "möglich", allerdings gebe es dafür keinen Beweis, hieß es bis jetzt. Auch der britisch-schwedische Hersteller betont dies.

Experte vermutet Auslöser in Vakzin

Der medizinische Mikrobiologe Paul Hunter von der University of East Anglia sagte der Nachrichtenagentur AFP, die Beweise gingen "eher in die Richtung, dass das Oxford-AstraZeneca-Vakzin durchaus die Ursache ist". Mehrere Länder, darunter Deutschland, Frankreich und Kanada, schränkten den Einsatz bereits ein. Andere Länder wie Dänemark setzten die Verwendung vorsichtshalber vollständig aus. In Österreich hatte das Nationale Impfgremium vergangene Woche die Weiterführung des Impfprogramms mit AstraZeneca empfohlen.

Ursula Wiedermann-Schmidt APA/GEORG HOCHMUTH
Ursula Wiedermann-Schmidt, die Leiterin des Impfgremiums in Österreich. (ARCHIVBILD)

Impfgremium gegen AstraZeneca-Impfstopp

In Österreich wird es anders als in Deutschland zu keiner altersmäßigen Einschränkung vom Corona-Impfstoff AstraZeneca kommen, wenn es nach der Leiterin des Impfgremiums Ursula Wiedermann-Schmidt …

In Deutschland sollen seit Ende März Menschen unter 60 Jahren nur noch in Ausnahmefällen mit AstraZeneca geimpft werden. Die deutschen Behörden hatten ihre Entscheidung mit dem Auftreten von Hirnvenen-Thrombosen insbesondere bei jüngeren Frauen in zeitlichem Zusammenhang zu der Impfung begründet. International wurden Dutzende solcher Fälle gemeldet, von denen einige tödlich endeten. 

Auch Todesfall in Österreich

In Österreich wird der Tod einer Krankenpflegerin des Landesklinikums Zwettl mehrere Tage nach einer Corona-Impfung mit dem AstraZeneca-Vakzin in Zusammenhang gebracht. Die britische Arzneimittelbehörde MHRA hatte am Samstag erklärt, nach landesweit mehr als 18 Millionen AstraZeneca-Impfungen seien in Großbritannien bisher 30 Thrombose-Fälle bei Geimpften aufgetreten. Sieben der Betroffenen seien gestorben. Die Weltgesundheitsbehörde (WHO) hat sich bisher für Impfungen mit AstraZeneca ausgesprochen.

(Quelle: APA)

Wie gefährlich sind Thrombosen wirklich?

Symb_Thrombose Symb_Blut Symb_Venen Symb_Arterien pixabay

Nach Meldungen über Thrombosefälle nach Covid-Impfungen steigt die Unsicherheit in der Bevölkerung, auch wenn es bislang keine Hinweise auf einen Zusammenhang gibt. Aber wie gefährlich sind die Blutgerinnsel?

Pro 1.000 Einwohnern tritt pro Jahr ein Fall von Thrombose und Lungenembolie auf. Das erklärte der Präsident der Gesellschaft für Internistische Angiologie (ÖGIA), Thomas Gary, in einem APA-Interview vergangene Woche. In Österreich sind das rund 8.000 Fälle jährlich.

Venöse vs. arterielle Thrombosen

Thrombosen sind Gerinnsel in einem Blutgefäß. Laut Richard Barta, dem Referenten für Allgemeinmedizin der Salzburger Ärztekammer, wird zwischen zwei Arten unterschieden: Arteriell oder venös. Die venöse Variante sei viel häufiger, führt er im Gespräch mit SALZBURG24 aus. „Dabei verschließt sich die Vene, wodurch eine Entzündung entsteht. Das tut dann weh oder man bekommt je nach Lage Fieber.“ Meistens würden Thrombosen in den Waden entstehen. In schlimmen Fällen löst sich das Gerinnsel und wandert durch den Blutkreislauf an andere Körperstellen. In der Lunge könnte es so zu einer Embolie, im Gehirn zu einem Schlaganfall kommen.

Die gefährlichste Komplikation einer tiefen Venenthrombose ist eine Lungenembolie, denn dabei löst sich ein Thrombus von der Gefäßwand ab und wird mit dem Blutstrom durch das Herz in die Lunge geschwemmt. Dies kann zu einer plötzlichen Überlastung des Herzens mit der Gefahr eines Herzstillstandes führen. Die Folge ist eine Lungenembolie, die in jedem zehnten Fall tödlich verläuft.

Sorge um Gerinnsel in Hirnvenen

Nach Meldungen über Blutgerinnsel nach Impfungen mit dem Vakzin von AstraZeneca haben zahlreiche EU-Länder die Verwendung vorerst eingestellt. Besonders besorgt sei man aufgrund von Thrombosen der Hirnvenen. Patienten mit einer Hirnvenenthrombose klagen unter anderem über Kopfschmerzen, Sehstörungen oder epileptische Anfälle. Weitere Symptome können Übelkeit, Erbrechen oder Bewusstseinsstörungen sein. Das deutsche Paul-Ehrlich-Institut (PEI) wies auf zunehmendes Unwohlsein nach der Impfung, starke und anhaltende Kopfschmerzen oder punktförmige Hautblutungen hin. Ob die Gerinnsel durch den Impfstoff ausgelöst wurden, ist bisher ungeklärt.

Drei Faktoren als Hauptursachen

Verursacht werden Thrombosen durch drei Faktoren. Der erste ist eine verlangsamte Blutströmung, was vor allem durch wenig Bewegung, etwa bei Bettruhe oder Verletzungen, ausgelöst wird. Der zweite Faktor sind die Gefäßwände. Werden diese bei einer Operation oder durch Entzündungen geschädigt, bleiben die Blutplättchen hängen. „Zudem kann es zu Thrombosen kommen, wenn das Blut zu dick ist oder die Gerinnung gestört ist. Das kann aufgrund von gewissen Medikamenten, genetischen Faktoren oder viralen Infekten passieren.“ Risikofaktoren sind laut Barta Rauchen, die Anti-Baby-Pille, Entwässerungstabletten oder Cortison. „Meistens sieht man aber eine Kombination mehrerer dieser Faktoren.“

„Corona ist auch eine Gefäßkrankheit“

Dass Corona nicht bloß eine Lungen-, sondern auch eine Gefäßkrankheit ist, habe man bereits feststellen können. „Auch Covid kann thrombatische Ereignisse wie Embolien oder Hirnthrombosen hervorrufen.“ Ob das bei Corona-Impfungen auch der Fall sein kann, konnte Barta nicht beurteilen. Österreich hatte bereits am Montag vergangener Woche die Verwendung einer einzelnen Charge des AstraZeneca-Impfstoffs gestoppt, als Reaktion auf den Tod einer 49-jährigen Krankenschwester aus Niederösterreich, bei der ein paar Tage nach der Verabreichung schwere Gerinnungsstörungen aufgetreten waren. Hinweise auf einen Zusammenhang gibt es bis dato noch keine.

Gerinnsel-Wahrscheinlichkeit bei Nicht-Geimpften größer

Das Nationale Impfgremium sprach Montagabend eine vorläufige Empfehlung für die weitere Verwendung von AstraZeneca aus, die Experten debattierten aber auch am Dienstag noch das weitere Vorgehen. Die EU-Arzneimittelbehörde (EMA) hielt am Montag an ihrer Bewertung des AstraZeneca-Impfstoffs fest, setzte aber für Donnerstag eine Sondersitzung zu dem Vakzin an. Richard Greil, Vorstand der Universitätsklinik für Innere Medizin in Salzburg, führt in einem Interview mit den Salzburger Landeskliniken aus: „Wenn man sich alle Impfdosen, die bisher der EMA gemeldet worden sind, ansieht und die Zahl der gerinnungsaktiven Ereignisse mit Verstopfung von Gefäßen anschaut, dann liegt die Wahrscheinlichkeit, im zeitlichen Umfeld einer AstraZeneca-Impfung eine Thrombose oder ein Gerinnsel zu bemerken, bei 1:150.000. Die natürliche Wahrscheinlichkeit, eine Thrombose zu erleiden, ist in der Hintergrundbevölkerung 1:1.000 bis 1:10.000, also 100 Mal höher.“ Mit Hintergrundbevölkerung sind jene Menschen gemeint, die nicht geimpft wurden. Es gebe also keine epidemiologische Auffälligkeit dieser Ereignisse.

Aufgerufen am 15.04.2021 um 04:47 auf https://www.salzburg24.at/news/welt/astrazeneca-verbindung-zwischen-impfung-und-thrombosen-laut-ema-102062830

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