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"Vorteile überwiegen Risiken"

WHO empfiehlt weiter AstraZeneca-Einsatz

Alle vorhandenen Studien zu Impfstoff überprüft

symb_Astrazeneca AFP/MIGUEL MEDINA/Archiv
AstraZeneca wird in Österreich weiter verimpft. (SYMBOLBILD)

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt vorerst weiter den Einsatz des Corona-Impfstoffs von AstraZeneca. "Die WHO ist der Meinung, dass die Vorteile die Risiken überwiegen", teilte die Organisation am Mittwoch in Genf mit.

Viele Staaten haben die Impfung mit dem AstraZeneca-Stoff vorerst ausgesetzt, weil mehrere Fälle mit Thrombosen (Blutgerinnseln) in den Hirnvenen in zeitlichem Zusammenhang zur Impfung gemeldet wurden. In Österreich wird weiter damit geimpft.

Nicht weniger Thrombosen durch Impfung

Die WHO betonte am Mittwoch, dass eine Impfung gegen Covid-19 keine Krankheiten oder Todesfälle durch andere Ursachen reduziere. Thrombosen (Blutgerinnsel) passierten häufig. "Venöse Thromboembolien gehören zu den häufigsten Herz-Kreislauferkrankungen weltweit", so die WHO.

WHO: Überwachungssystem funktionieren

Es sei Routine, mögliche Zwischenfälle bei Impfkampagnen zu registrieren und zu untersuchen. Das zeige, dass die Überwachungssysteme funktionierten. Zwischenfälle in zeitlicher Nähe zu einer Impfung bedeuteten aber nicht zwangsläufig, dass ein kausaler Zusammenhang zwischen beidem bestehe.

Die WHO sei in ständigem Kontakt mit der Europäischen Arzneimittelagentur EMA und andere Regulierungsbehörden über die Sicherheit von Covid-19-Impfstoffen. Der Impfrat, der die WHO zu Impfstoffsicherheit berät, prüfe zurzeit alle vorhandenen Studien und Angaben. Sobald dies abgeschlossen sei, werde die WHO erneut informieren.

Impfstoffe erfüllen "alle gängigen Standards"

Kate O'Brien, Leiterin der Impfabteilung bei der WHO, sagte, wenn Impfstoffe eine Notfallzulassung der WHO hätten, heiße dies, sie erfüllen alle gängigen Standards zur Sicherheit, Wirksamkeit und Qualität. AstraZeneca hat neben dem Impfstoff von Biontech/Pfizer eine Notfallzulassung.

(Quelle: APA)

Wie gefährlich sind Thrombosen wirklich?

Symb_Thrombose Symb_Blut Symb_Venen Symb_Arterien pixabay

Nach Meldungen über Thrombosefälle nach Covid-Impfungen steigt die Unsicherheit in der Bevölkerung, auch wenn es bislang keine Hinweise auf einen Zusammenhang gibt. Aber wie gefährlich sind die Blutgerinnsel?

Pro 1.000 Einwohnern tritt pro Jahr ein Fall von Thrombose und Lungenembolie auf. Das erklärte der Präsident der Gesellschaft für Internistische Angiologie (ÖGIA), Thomas Gary, in einem APA-Interview vergangene Woche. In Österreich sind das rund 8.000 Fälle jährlich.

Venöse vs. arterielle Thrombosen

Thrombosen sind Gerinnsel in einem Blutgefäß. Laut Richard Barta, dem Referenten für Allgemeinmedizin der Salzburger Ärztekammer, wird zwischen zwei Arten unterschieden: Arteriell oder venös. Die venöse Variante sei viel häufiger, führt er im Gespräch mit SALZBURG24 aus. „Dabei verschließt sich die Vene, wodurch eine Entzündung entsteht. Das tut dann weh oder man bekommt je nach Lage Fieber.“ Meistens würden Thrombosen in den Waden entstehen. In schlimmen Fällen löst sich das Gerinnsel und wandert durch den Blutkreislauf an andere Körperstellen. In der Lunge könnte es so zu einer Embolie, im Gehirn zu einem Schlaganfall kommen.

Die gefährlichste Komplikation einer tiefen Venenthrombose ist eine Lungenembolie, denn dabei löst sich ein Thrombus von der Gefäßwand ab und wird mit dem Blutstrom durch das Herz in die Lunge geschwemmt. Dies kann zu einer plötzlichen Überlastung des Herzens mit der Gefahr eines Herzstillstandes führen. Die Folge ist eine Lungenembolie, die in jedem zehnten Fall tödlich verläuft.

Sorge um Gerinnsel in Hirnvenen

Nach Meldungen über Blutgerinnsel nach Impfungen mit dem Vakzin von AstraZeneca haben zahlreiche EU-Länder die Verwendung vorerst eingestellt. Besonders besorgt sei man aufgrund von Thrombosen der Hirnvenen. Patienten mit einer Hirnvenenthrombose klagen unter anderem über Kopfschmerzen, Sehstörungen oder epileptische Anfälle. Weitere Symptome können Übelkeit, Erbrechen oder Bewusstseinsstörungen sein. Das deutsche Paul-Ehrlich-Institut (PEI) wies auf zunehmendes Unwohlsein nach der Impfung, starke und anhaltende Kopfschmerzen oder punktförmige Hautblutungen hin. Ob die Gerinnsel durch den Impfstoff ausgelöst wurden, ist bisher ungeklärt.

Drei Faktoren als Hauptursachen

Verursacht werden Thrombosen durch drei Faktoren. Der erste ist eine verlangsamte Blutströmung, was vor allem durch wenig Bewegung, etwa bei Bettruhe oder Verletzungen, ausgelöst wird. Der zweite Faktor sind die Gefäßwände. Werden diese bei einer Operation oder durch Entzündungen geschädigt, bleiben die Blutplättchen hängen. „Zudem kann es zu Thrombosen kommen, wenn das Blut zu dick ist oder die Gerinnung gestört ist. Das kann aufgrund von gewissen Medikamenten, genetischen Faktoren oder viralen Infekten passieren.“ Risikofaktoren sind laut Barta Rauchen, die Anti-Baby-Pille, Entwässerungstabletten oder Cortison. „Meistens sieht man aber eine Kombination mehrerer dieser Faktoren.“

„Corona ist auch eine Gefäßkrankheit“

Dass Corona nicht bloß eine Lungen-, sondern auch eine Gefäßkrankheit ist, habe man bereits feststellen können. „Auch Covid kann thrombatische Ereignisse wie Embolien oder Hirnthrombosen hervorrufen.“ Ob das bei Corona-Impfungen auch der Fall sein kann, konnte Barta nicht beurteilen. Österreich hatte bereits am Montag vergangener Woche die Verwendung einer einzelnen Charge des AstraZeneca-Impfstoffs gestoppt, als Reaktion auf den Tod einer 49-jährigen Krankenschwester aus Niederösterreich, bei der ein paar Tage nach der Verabreichung schwere Gerinnungsstörungen aufgetreten waren. Hinweise auf einen Zusammenhang gibt es bis dato noch keine.

Gerinnsel-Wahrscheinlichkeit bei Nicht-Geimpften größer

Das Nationale Impfgremium sprach Montagabend eine vorläufige Empfehlung für die weitere Verwendung von AstraZeneca aus, die Experten debattierten aber auch am Dienstag noch das weitere Vorgehen. Die EU-Arzneimittelbehörde (EMA) hielt am Montag an ihrer Bewertung des AstraZeneca-Impfstoffs fest, setzte aber für Donnerstag eine Sondersitzung zu dem Vakzin an. Richard Greil, Vorstand der Universitätsklinik für Innere Medizin in Salzburg, führt in einem Interview mit den Salzburger Landeskliniken aus: „Wenn man sich alle Impfdosen, die bisher der EMA gemeldet worden sind, ansieht und die Zahl der gerinnungsaktiven Ereignisse mit Verstopfung von Gefäßen anschaut, dann liegt die Wahrscheinlichkeit, im zeitlichen Umfeld einer AstraZeneca-Impfung eine Thrombose oder ein Gerinnsel zu bemerken, bei 1:150.000. Die natürliche Wahrscheinlichkeit, eine Thrombose zu erleiden, ist in der Hintergrundbevölkerung 1:1.000 bis 1:10.000, also 100 Mal höher.“ Mit Hintergrundbevölkerung sind jene Menschen gemeint, die nicht geimpft wurden. Es gebe also keine epidemiologische Auffälligkeit dieser Ereignisse.

Aufgerufen am 17.04.2021 um 02:50 auf https://www.salzburg24.at/news/welt/astrazeneca-who-empfiehlt-weiter-impfstoff-einsatz-101204329

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