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Bank Austria: Brexit und US-Handelsstreit dämpfen Konjunktur

Das Wirtschaftswachstum dürfte sich einbremsen APA (Symbolbild/dpa)
Das Wirtschaftswachstum dürfte sich einbremsen

Noch läuft der Konjunkturmotor in Österreich rund - heuer soll die heimische Wirtschaft um 2,8 Prozent wachsen, nach einem Plus von 2,6 Prozent 2017. Doch 2019 bremst sich der Anstieg des Bruttoinlandsprodukts (BIP) nach Einschätzung der Ökonomen der Bank Austria voraussichtlich auf 2,0 Prozent scharf ein. Auslöser dafür seien vor allem der EU-Ausstieg der Briten und der Handelsstreit mit den USA.

"Entscheidend für die tatsächliche Stärke der Konjunkturverlangsamung im kommenden Jahr wird nach unserer Einschätzung vor allem die Dynamik im Außenhandel sein", erklärte UniCredit-Bank-Austria-Ökonom Walter Pudschedl am Montag. Angesichts der bestehenden Risiken für den globalen Handel scheine "die Abschwächung der globalen Konjunkturunterstützung für die heimische Wirtschaft außer Frage zu stehen".

Das heimische Wirtschaftswachstum stehe zwar weiter auf einem breiten Fundament, doch während die Binnennachfrage ungebrochen für konjunkturellen Rückenwind sorge, gehe die Unterstützung durch die internationale Konjunktur zurück, betonte Chefökonom Stefan Bruckbauer. "Die Verunsicherung durch protektionistische Maßnahmen im globalen Handel schlagen sich im Exportgeschäft nieder."

Derzeit wird die Konjunktur in erster Linie also noch vom privaten Konsum der Österreicher angeheizt. Während das Exportumfeld den Experten zufolge schwächer wird und auf die Stimmung der sehr exportorientierten Industrie drückt, ist die Binnennachfrage infolge von höheren Löhnen und gesunkener Arbeitslosigkeit gestärkt. Die Arbeitslosenquote (nach nationaler Berechnung) sollte heuer gegenüber 2017 von 8,5 Prozent auf 7,7 Prozent zurückgehen und 2019 dann noch weiter auf 7,6 Prozent.

Der leichte Anstieg des Konjunkturindikators der UniCredit Bank Austria im September ist dem Institut zufolge "ausschließlich der nochmals verbesserte Stimmung in den binnenorientierten Geschäftsbereichen zu verdanken" - der Indikator erhöhte sich gegenüber dem Vormonat auf 3,6 Punkte. Im Baubereich und im Dienstleistungssektor herrscht nach wie vor großer Optimismus, doch Industrie und Außenhandel spüren bereits die steigende globale Verunsicherung. In den kommenden Monaten dürfte die heimische Wirtschaft "den überdurchschnittlich starken Wachstumskurs fortsetzen, wenn auch die Dynamik mittlerweile schwächer als zum Jahreswechsel" sei, so Bruckbauer.

Die Inflation zieht derzeit leicht an. Seit Juli liegt die Teuerung wieder über 2 Prozent im Jahresvergleich. Das sei vor allem auf den massiv gestiegenen Ölpreis zurückzuführen - ein Barrel (159-Liter-Fass) Rohöl kostete im September mit im Schnitt 68 Euro um rund 45 Prozent mehr als ein Jahr davor. Heuer im Gesamtjahr stabilisiert sich die Inflation voraussichtlich auf dem Vorjahreswert von 2,1 Prozent, ehe sie 2019 auf 2,0 Prozent geringfügig sinkt. Bis zur Jahresmitte 2019 soll der Preisauftrieb "klar über 2 Prozent" liegen; danach sollte eine ölpreisbedingte Entspannung einsetzen.

Mit steigenden Zinsen rechnen die Konjunkturexperten erst in etwa einem Jahr: "Für September 2019 erwarten wir den ersten Zinsschritt der EZB (Europäischen Zentralbank, Anm.) in Form einer Anhebung des Einlagenzinssatzes um 20 Basispunkte", teilte Bruckbauer mit. Mit einem höheren Leitzinssatz sei erst 2020 zu rechnen. Damit würden "nach rund vier Jahren die Nullzinsphase in Europa zu Ende gehen". Die EZB sei trotz einer "tendenziell etwas schwächeren Konjunktur" in der Lage, den Weg der "geldpolitischen Normalisierung" fortzusetzen. Mit diesem Oktober hat die EZB das Volumen des Wertpapierkaufprogramms, das Ende dieses Jahres ausläuft, auf 15 Mrd. Euro monatlich halbiert.

(APA)

(Quelle: S24)

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