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Bau-Betrugsnetz verursacht Millionenschaden

Es gab 24 zeitgleich stattfindende Hausdurchsuchungen in Wien, NÖ, OÖ APA (Symbolbild/dpa)
Es gab 24 zeitgleich stattfindende Hausdurchsuchungen in Wien, NÖ, OÖ

Nach dreijährigen Ermittlungen hat die Polizei ein Bau-Betrugsnetz zerschlagen: Eine Tätergruppe aus dem ehemaligen Jugoslawien soll durch illegale Preisabsprachen, Steuerhinterziehung sowie Hinterziehung von Sozialabgaben eine Schaden von mehr als 55 Millionen Euro verursacht haben.

Am Dienstag führte die Polizei zeitgleich 24 Hausdurchsuchungen in Wien (19), Nieder (3)- und Oberösterreich (2) durch. Dabei standen 160 Beamte beider Dienststellen, auch Forensiker, im Einsatz. Bei Baustellenkontrollen und Observationen hatten Beamte der Finanzpolizei und des Landeskriminalamts Wien genug belastendes Material gesammelt, um am Dienstag in den frühen Morgenstunden die groß angelegte Aktion durchzuführen. Für sechs Verdächtige aus Serbien und Kroatien, unter ihnen auch mutmaßliche Drahtzieher, klickten die Handschellen. Über die vier Männer im Alter von 40 bis 50 und zwei Männer im Alter von 55 bis 62 Jahren wurden in U-Haft genommen, berichtete das Finanzministerium am Mittwoch.

755 Arbeiter in mehr als 30 Scheinfirmen

Die auch in der Slowakei und in Ungarn tätige Bande hatte mehr als 755 Arbeitnehmer aus Billiglohnländern wie Bulgarien, Rumänien, Tschechien, Ungarn und der Slowakei in einem Netzwerk aus mehr als 30 Scheinfirmen beschäftigt. Arbeiter wurden bei Scheinfirmen in Österreich gemeldet, die An- bzw. Ummeldung sowie die Auftragsvergabe und Rechnungsabwicklung erfolgte hierzulande über Mittelsmänner. Die Rechnungsgelder wurden auf ausländische Konten überwiesen, dort allerdings von den Betrügern abgehoben und teils wieder in Form von Bargeld nach Österreich rückübermittelt ("Kickbackzahlungen").

55 Millionen Euro Schaden

Der bisher nachgewiesene, von der Bande verursachte Schaden setzt sich laut Finanzministerium aus 14 Millionen Euro aus hinterzogenen Sozialabgaben (Sozialversicherungsbeiträge sowie Beiträge der Bauarbeiter-Urlaubs- und Abfertigungskasse), 20 Millionen Euro aus illegalen Preisabsprachen und 20 Milionen Euro aus hinterzogenen Steuern zusammen. "Bei diesen Zahlen handelt es sich vorläufig nur um Schätzungen, da der tatsächliche Schaden aufgrund von Schein- bzw. Deckungsrechnungen in den Buchhaltungen vermutlich wesentlich höher ausfallen wird", hieß es seitens der Behörde.

Laptops, Handys und Bargeld beschlagnahmt

Bei den Hausdurchsuchungen wurden deshalb entsprechenden Unterlagen beschlagnahmt: Laptops, Handys und einige Terabyte an EDV-Datenmaterial. Darüber hinaus wurde Bargeld in Höhe von 110.000 Euro sowie ein Pkw sichergestellt. Die Staatsanwaltschaft stellte einen Abschöpfungsantrag für die gesamten Vermögenswerte der Hintermänner und deren Familien aus. Betroffen sind diversen Immobilien im In- und Ausland, aber auch Schmuck und Geldvermögen.

Finanzministerium: "organisierter Sozialbetrug in großem Stil"

Die Arbeiter waren außerdem nicht sozialversichert bzw. legten sie gefälschte Dokumente vor. Ein Sprecher des Finanzministeriums sprach von "organisiertem Sozialbetrug im großen Stil". Die Männer im Alter von 20 bis 60 Jahren lebten zu einem großen Teil ganzjährig in Wien. Sie arbeiteten gegen sehr geringen Lohn auf diversen Baustellen und wohnten unter menschenunwürdigen Umständen in Massenquartieren oder direkt auf den Baustellen.

Einsatzleiter Ewald Engel von der Finanzpolizei bezeichnete die Zusammenarbeit mit dem LKA als "ausgezeichnet". Die Bekämpfung von Steuer- und Abgabenbetrug sei einer der Schwerpunkte der Arbeit der Finanzverwaltung, betonte das Ministerium.

(APA)

(Quelle: S24)

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