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Küstenstadt unter Schock

Fieberhafte Suche nach Vermissten in Beirut

Zahl der Toten steigt auf über 100

Nach der verheerenden Explosion im Hafen von Beirut mit weit über 100 Toten suchen Retter in den Trümmern zusammen mit ausländischen Spezialteams nach weiteren Opfern. Die Katastrophe löste eine Welle der Hilfsbereitschaft aus - so schickten mehrere Länder Rettungsmannschaften mit Spürhunden und Experten für die Bergung von Verschütteten in den Libanon.

Nach Angaben von Gesundheitsminister Hassan Hamad kamen am Dienstag mindestens 135 Menschen ums Leben, etwa 5.000 weitere wurden verletzt. Viele Bewohner der Küstenstadt am Mittelmeer standen am Mittwoch unter Schock.

Verantwortliche des Beiruter Hafens unter Hausarrest

Die libanesische Regierung beschloss, Verantwortliche des Beiruter Hafens unter Hausarrest zu stellen. Dabei handle es sich um Personen, die in den vergangenen Jahren für die Lagerung und Bewachung von 2.750 Tonnen Ammoniumnitrat zuständig gewesen seien, erklärte Informationsministerin Manal Abdel Samad. Die gefährliche Substanz könnte bei dem Vorfall explodiert sein.

Unklar war zunächst, wie viele Personen von dem Hausarrest betroffen sind. Die Regierung setzte zudem eine Kommission ein, die die bisher unklare Ursache der Explosion ermitteln soll. Regierungschef Hassan Diab hatte gesagt, dass die Chemikalien am Hafen jahrelang ohne Sicherheitsvorkehrungen gelagert worden seien. Laut Beiruts Gouverneur Marwan Abbud wurde in einem Bericht von 2014 auch vor einer möglichen Explosion gewarnt.

Bis zu 250.000 Menschen ohne Obdach

Die schweren Schäden machten viele Häuser unbewohnbar. Zwischen 200.000 und 250.000 Menschen hätten ihre Unterkünfte verloren, sagte Gouverneur Abbud dem libanesischen Fernsehsender MTV. Sie würden mit Lebensmitteln, Wasser und Unterkünften versorgt. Es seien Schäden in Höhe von drei bis fünf Milliarden US-Dollar entstanden - "möglicherweise mehr", sagte er der Nachrichtenagentur NNA zufolge.

Über den EU-Krisenmechanismus machte sich unter anderem aus den Niederlanden ein Team aus 70 Spezialisten auf den Weg. Italien wollte zwei Flugzeuge der Luftwaffe mit acht Tonnen medizinischer Ausrüstung entsenden. Frankreich schickte zwei Militärflugzeuge mit 55 Angehörigen des Zivilschutzes und tonnenweise Material zur Behandlung von Verletzten. Tschechien stellte ein Team zur Verfügung, das auf die Bergung von Verschütteten spezialisiert ist. Auch Griechenland und Zypern schickten Rettungsmannschaften mit Spürhunden. Weitere Hilfe kam unter anderem aus Russland und der Türkei.

Österreichische Kompanie könnte helfen

Das österreichische Verteidigungsministerium gab bekannt, dass eine Kompanie der "Austrian Force Disaster Relief Unit" (AFDRU) aus dem ABC-Abwehrzentrum Korneuburg beim Zentrum für die Koordination von Notfallmaßnahmen der Europäischen Kommission für einen etwaigen Einsatz in Beirut eingemeldet wurde. Bei einer konkreten Anfrage könnte damit die spezialisierte Einheit des Bundesheeres binnen 24 Stunden in den Einsatzraum verlegen und dort mit den Profis für Such- und Rettungsmissionen sowie für Gefahrenstoffe tätig werden.

Vernetzung über Instagram

Die Libanesen vernetzten sich unter anderem über ein Instagram-Konto für die Suche nach Vermissten. Mehr als 86.000 Nutzer abonnierten das Konto, über das Betroffene mit Fotos nach Hinweisen zu Freunden und Verwandten suchen können. Meist sind Telefonnummern hinterlegt. "Ich erhalte 100 Nachrichten pro Minute", hieß es in einem Beitrag. Viele baten außerdem Schlafplätze über das Konto an.

Marcron will nach Beirut reisen

Frankreichs Staatschef Emmanuel Macron wollte am Donnerstag nach Beirut reisen. Der Libanon war früher Teil des französischen Mandatsgebiets, beide Länder sind immer noch eng verbunden. Aus Solidarität mit den Betroffenen wurden unter anderem der Wolkenkratzer Burj Khalifa in Dubai und die Pyramiden in Ägypten in Libanons Nationalfarben beleuchtet. Auch das Rathaus von Tel Aviv sollte am Mittwochabend in den Farben der libanesischen Fahne erleuchtet werden. Der Libanon und Israel haben keine diplomatischen Beziehungen. Offiziell befinden sich die Nachbarländer noch im Krieg

(Quelle: APA)

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