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Billigkonkurrenz macht der Bäckerbranche zu schaffen

Der Weg zum Bäcker wird oft eingespart Salzburg24
Der Weg zum Bäcker wird oft eingespart

Immer wieder schlittern namhafte Bäckereien in die Insolvenz - zuletzt ließen Traditionsbetriebe wie Ring (Linz), Schrammel Brot (Wien) oder Schmidl (Dürnstein) aufhorchen. Der Branche zu schaffen macht vor allem "die Konkurrenz von Supermärkten, die vermehrt Backshops haben und mit vorgefertigten Produkten arbeiten", sagte KSV-Insolvenzexpertin Petra Wögerbauer zur APA.

"Der Kunde bekommt sein warmes Semmerl im Supermarkt und der Weg zum Bäcker ist oft nicht mehr nötig", so die Kreditschützerin. Neben der Bequemlichkeit spielt wohl auch der Preis eine Rolle. Das Gebäck beim Bäcker sei "preislich in einer anderen Liga", also weitaus teurer, bei freilich auch sehr hoher Qualität. "Das muss vom Konsumenten halt auch angenommen werden." Die Verbraucher dürften also nicht nur auf den Preis schauen. Der bei der Herstellung große Anteil an Handarbeit sei eben auch mit entsprechenden Kosten verbunden.

"Die Produktionsbetriebe arbeiten erst ab einer bestimmten Mindestauslastung rentabel", betonte Wögerbauer. Angesichts der verschärften Marktsituation durch die Billigkonkurrenz müssten die Bäcker sehr knapp kalkulieren, um beim Preis konkurrenzfähig zu bleiben. Die Erträge bzw. die Deckungsbeiträge der Gewerbebetriebe gerieten da eventuell ins Hintertreffen. "Überleben wird der Bäcker können, wenn er sich spezialisiert, Nischenprodukte favorisiert und durch die Belieferung von Lebensmittelhandelsketten eine hohe Auslastung hat", meinte die KSV-Expertin.

Ein Großabnehmer für Brot- und Backspezialitäten von über 500 regionalen Bäckern in ganz Österreich ist laut Eigenangaben etwa die Handelskette Spar. "Als einer der größten Player im Lebensmittelhandel haben wir aber auch Brot und Gebäck in den Regalen, das wir aus Teiglingen je nach Bedarf mehrmals am Tag in den Spar-Märkten aufbacken", räumte Spar-Chef Gerhard Drexel in einer Aussendung ein. Wo österreichweit dasselbe Sortiment angeboten werde, würden ganz andere Mengen benötigt, als die kleinen Bäcker liefern könnten. Spar wolle jedenfalls "die Zusammenarbeit mit den großartigen regionalen Bäckern weiterhin stärken und ausbauen".

"Das muss jeder Bäcker selbst kalkulieren, ob er das machen will und kann - Spar wird sicher nicht um jeden Preis einkaufen", sagte der Bäcker-Innungsmeister in der Wirtschaftskammer Österreich, Josef Schrott, zur APA. Die Supermärkte hätten vor etwa 20 Jahren massiv mit dem Brotverkauf begonnen und mittlerweile sukzessive mit eigenen Backöfen aufgerüstet - in Wien sei die "Strukturbereinigung in der Branche bereits so ziemlich vollzogen - in den ländlichen Gebieten noch nicht", schätzt Schrott. Eine Reihe von Betrieben musste bereits schließen.

Die "Backbox" des Lebensmitteldiskonters Hofer sei "die jüngste Entwicklung, die uns Konkurrenz macht", so der Branchensprecher. "Die 1.000 Arbeitsplätze, die Hofer damit schafft, kosten uns 3.000 Stellen - knapp 500 davon sind mit der Ring Bäckerei schon weg", sagte er unter Verweis auf die jüngste Insolvenz in der Branche (die zahlungsunfähige Ring-Muttergesellschaft Success-Marketing UnternehmungsberatungsgmbH, die Salzkammergut Bäckerei und die Blaschke Konditorei miteingerechnet, Anm.). Eine frisch aufgebackene, warme Semmel aus dem Supermarkt schmecke "freilich nicht schlecht", billigte Schrott zu. "Nach mehreren Stunden braucht man sie aber nicht mehr zu essen."

Die genauen Ursachen für die derzeit aktuelle Pleite der Ring Bäckerei müssen die Kreditschützer laut KSV in den nächsten Wochen erst erarbeiten. Das Konkursverfahren wurde diese Woche Dienstag eröffnet. Im Insolvenzantrag stehe, dass bei einem Großteil der 47 Filialen "massive Verluste aufgetreten sind, die man jetzt erst - 2015 - bemerkt hat", berichtete Wögerbauer. Weiters werde auf noch nicht näher ausgeführte "Mängel in den Produktionsstätten" hingewiesen. Derzeit verschaffen sich die Masseverwalter erst einmal einen Überblick, um dann rasch eine Entscheidung zu treffen, ob der Betrieb geschlossen oder fortgeführt wird. "Die Firma selber sagt, dass sie keine Sanierung plant - das lässt auf eine Schließung und bestenfalls Gesamtverwertung oder Zerschlagung des Unternehmens schließen", sagte die Kreditschützerin.

Die Zahl der Bäcker ist in den vergangenen Jahrzehnten massiv zurückgegangen - 1965 gab es in Österreich noch 5.120 Betriebe, bis 1975 schrumpfte die Zahl auf 3.618 und 2013 waren dann nur noch 1.583 Bäckereien mit 20.445 Mitarbeitern aktiv, geht aus Zahlen der Bundesinnung der Lebensmittelgewerbe in der Wirtschaftskammer Österreich hervor. Aktuellere Daten liegen nicht vor.

(Quelle: S24)

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