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Bisher nur 14 Überlebende nach Schiffsunglück am Jangtse

Suche nach Überlebenden geht weiter Salzburg24
Suche nach Überlebenden geht weiter

Trotz eines Großeinsatzes an Bergungskräften sind die Hoffnungen geschwunden, zwei Tage nach dem schweren Schiffsunglück auf dem Jangtse-Fluss noch Überlebende zu finden. Wie die chinesischen Staatsmedien am Mittwoch berichteten, wurden seit dem Kentern des Ausflugsschiffes etwa 20 Leichen geborgen, die Zahl der Geretteten blieb bei 14. Die Behörden reagierten zunehmend nervös.

Die freie Berichterstattung wurde massiv eingeschränkt, die Unglücksstelle großräumig abgesperrt. Das Schiff "Stern des Ostens" war am Montagabend (Ortszeit) während einer Flusskreuzfahrt auf dem Jangtse plötzlich gekentert, den Insassen an Bord blieb nach Angaben der wenigen Überlebenden keine Zeit, sich zu retten. Die meisten Passagiere waren zwischen 60 und 80 Jahre alt, viele hatten die zweiwöchige Reise von ihren Kindern geschenkt bekommen. Obwohl die Behörden die Suche bis auf 220 Kilometer flussabwärts ausweiteten, wird immer wahrscheinlicher, dass das Unglück eine der schwersten Schiffskatastrophen Chinas ist.

Über die Unglücksursache ist nur wenig bekannt: Der Kapitän und sein erster Ingenieur, die beide überlebten, sprachen von einem plötzlich aufkommenden Sturm, zu dessen Spielball das Schiff geworden sei. Auf einer Pressekonferenz in Jianli bestätigten Vertreter des staatlichen Wetterdienstes, dass ein seltener Tornado in der Region das Schiff vermutlich zum Kentern gebracht habe. Fragen wurden auf dem kurzen Treffen nicht zugelassen, auch zu den Opferzahlen gab es keine neuen Angaben.

Nach einer Mitteilung des Seefahrtsamts von Nanjing war der "Stern des Ostens" bei einer Inspektion aller Jangtse-Auflugsschiffe vor zwei Jahren wie auch fünf weitere Schiffe wegen Verletzung der Sicherheitsbestimmungen aufgefallen. Um was es sich dabei handelte, blieb unklar.

Die Behörden verfolgen inzwischen eine restriktive Informationspolitik: Alle Medien wurden angewiesen, nur den Staatssender CCTV und die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua als Quelle zu nutzen. Der Zugang zur Unglücksstelle wurde blockiert, ausländische und einheimische Journalisten durften lediglich an einer von den Behörden organisierten Erkundigungstour per Boot teilnehmen. Aufnahmen von der Bergung von Opfern gibt es kaum, stattdessen zeigen die Medien unablässig Bilder von Ministerpräsident Li Keqiang, wie er sich der Tragödie vor Ort persönlich annimmt.

Die Angehörigen der vermissten Insassen fühlen sich mit ihrer Angst und ihren Fragen zu dem Unglück allein gelassen. In Shanghai, woher viele der Passagiere stammen, kam es kurzzeitig zu einem Handgemenge, als Polizisten die Verwandten am Zutritt des Regierungssitzes hinderten, wie auf Videoaufnahmen im Internet zu sehen war. Schließlich wurde die Gruppe ins Innere geleitet und mit Bussen zu einem Tagungszentrum gebracht. Dort waren schon andere Angehörige um einen Fernseher versammelt und verfolgten die Liveberichte von CCTV zu den Bergungsbemühungen.

Viele der Wartenden erhoben Vorwürfe gegen die Behörden. "Hier zu warten, bringt uns gar nichts", sagte Chong Ye, dessen Eltern auf dem Unglücksschiff waren. "Jetzt sind schon zwei Tage vergangen, und immer noch haben wir keine Nachrichten. Ich will doch nur wissen, wie es meinen Eltern geht - können sie uns nicht wenigstens das sagen?" Die KP-Führung ist stets bemüht, alle Informationen unter Kontrolle zu halten, die ein schlechtes Bild auf sie werfen könnten. Die Katastrophe ereignete sich zudem kurz vor dem Jahrestag der blutigen Niederschlagung der Demokratiebewegung am 4. Juni 1989 in Peking, zu dem die Regierung stets besonders hart gegen jede Äußerung von Dissidenz vorgeht.

(Quelle: S24)

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