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Brand im Polizeianhaltezentrum am Hernalser Gürtel in Wien

Sechs Schwerverletzte wurden in Krankenhäuser eingeliefert. APA/Herbert P. Oczeret
Sechs Schwerverletzte wurden in Krankenhäuser eingeliefert.

Am Tag nach einem Brand in einer Zelle im Wiener Polizeianhaltezentrum (PAZ) am Hernalser Gürtel haben sich die sechs Zelleninsassen bereits außer Lebensgefahr befunden. "Wir konnten sie aber noch nicht einvernehmen", sagte Polizeisprecher Harald Sörös am Samstag zur APA. Damit blieb zunächst unklar, ob die Schubhäftlinge ein Zeichen setzen oder tatsächlich kollektiven Suizid verüben wollten.

Fix dürfte sein, dass die Häftlinge das Feuer, das gegen 22.30 Uhr in ihrer Zelle im ersten Stock des PAZ ausgebrochen war, selbst gelegt hatten. Laut Sörös entzündeten sie Matratzen und Bettzeug. Bereits zuvor dürften sie einen Abschiedsbrief auf einem DIN-A5-Zettel hinterlassen haben. Darin schrieben die fünf Afghanen und der Iraner sinngemäß, dass es keinen Sinn mehr mache und sie keine Perspektive sehen würden. Außerdem vermerkten sie Sörös zufolge ihre Abschiebe-Termine. Der Brief war in Deutsch verfasst.

Ermittler zweifeln an Suizid-Version

Dennoch haben die Ermittler Zweifel daran, dass die sechs Schubhäftlinge wirklich Suizid verüben wollten. Sie dürften das Feuer in der Zelle gelegt haben und dann in den Waschraum gegangen sein. Bei diesem handelt es sich um einen an die Zelle angeschlossenen Nassraum mit eigener Tür. Vor diese legten sie einen Fetzen, offenbar um zu verhindern, dass Rauchgase in den Nassraum eindrangen. Schließlich schlossen sie die Tür. Sörös zufolge deutet dieser Hergang eher darauf hin, dass die Schubhäftlinge auf ihre Situation aufmerksam machen und ein Zeichen setzen wollten.

Weil der Stoff die Nasszelle nicht wirklich abdichtete, lief einer der Schubhäftlinge zur Tür, um Hilfe zu holen. Das dürfte jener Insasse gewesen sein, den die Polizisten hinter der Zellentür liegend gefunden und geborgen hatten. Die anderen fünf rettete die Wiener Berufsfeuerwehr unter Atemschutz.

Details zu den Insassen

Sörös gab auch Details zu den Insassen bekannt. Einer der Afghanen, ein 19-Jähriger, ist demnach auch schon einmal in Hungerstreik getreten. Er befand sich seit 3. August in Schubhaft, hatte aber noch keinen Termin für seine Abschiebung. Er war es auch, der am schwersten verletzt wurde: Neben einem Inhalationstrauma erlitt er Verbrennungen von zehn Prozent der Hautoberfläche.

Der jüngste Insasse war ein 18-jähriger Afghane, der seit 23. Juli in Schubhaft saß. Er sollte am 17. September abgeschoben werden. Dieser Mann erlitt ebenfalls ein Inhalationstrauma. Daneben hatte nur noch ein Insasse einen Abschiebungstermin: der einzige Iraner in der Zelle, 30 Jahre alt. Er sollte am 19. September außer Landes gebracht werden und befand sich seit 6. September in Schubhaft. Sein Gesundheitszustand war am Tag nach dem Feuer ebenso wie der der drei übrigen Insassen stabil, so Sörös.

Bei diesen drei anderen handelt es sich um Afghanen im Alter von 22, 31 und 33 Jahren. Der 31-Jährige saß seit 24. Juli in Schubhaft, der 22-Jährige seit 14. und der 33-Jährige seit 29. August. Alle drei hatten noch keinen Termin für die Abschiebung.

(APA)

Aufgerufen am 17.12.2018 um 03:27 auf https://www.salzburg24.at/news/welt/brand-im-polizeianhaltezentrum-am-hernalser-guertel-in-wien-60199765

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