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Cari Cari bauen sich "eigene Welt" und beschwören die Sonne

Mal zupackend und hart, dann anschmiegsam und eingängig: Greifen Cari Cari zu den Instrumenten, ist das immer auch ein Spiel mit Stimmungen. Das heimische Duo hat einen Sound perfektioniert, der "zwischen Sonnenuntergang und Sonnenaufgang" Platz findet, wie die Musiker erzählen. Am 2. November erscheint nach langer Wartezeit das überzeugende Debüt "Anaana", gefolgt von einer ausgedehnten Tour.

Seit vier Jahren machen Stephanie Marie Louise Widmer und Alexander Köck bereits gemeinsame Sache, auch eine EP haben sie veröffentlicht. Aber das Album hat einfach gedauert. "Wir haben recht lange dafür gebraucht", schmunzelt Köck im APA-Interview. "Wir waren bisher einfach nicht bereit dafür. Für mich selber hat das Album als geschlossene Einheit eine Existenzberechtigung." Und dafür brauche es eben mehr als nur zwei, drei Singles. "Es geht um gute Albumtracks. Ich glaube, ich kann mir unsere Platte auch in zehn Jahren noch anhören."

Wobei: Die Repeat-Taste könnte schon jetzt äußerst strapaziert werden. Die zehn Songs in etwas mehr als einer halben Stunde verleiten einfach zum immer wieder Hören. Sei es das knackige "Summer Sun", der reduzierte Blues von "Mazuka" oder der Ohrwurm "Nothing's Older Than Yesterday". Cari Cari setzen auf Rockzutaten, auf dezente elektronische Einflüsse, haben nichts gegen einen guten World-Music-Touch und noch weniger gegen eingängige Refrains. In der Reduktion liegt offenbar viel Kraft. "Ich war schon immer ein Fan von Alben mit acht Tracks", lacht Köck, "wie es Black Sabbath immer gemacht haben. Wieso sollte etwas raufkommen, das füllt?"

Und doch kann man 2018 durchaus die Frage nach der Relevanz einer LP stellen. Wieso nicht einfach ein paar Songs in den Streaming-Äther schicken? "Wir hatten zuerst auch eine EP im Auge", nickt Widmer. "Aber es war dann so viel da, das wir für gut empfunden haben. Das hat dann einfach viel Sinn ergeben." Ohnehin hätte man "den Bogen schon lange gespannt", ergänzt Köck. "Vier Jahre gibt es uns, dabei haben wir bisher fünf Lieder veröffentlicht." Nun sei "Anaana" auch der Abschluss einer alten und Beginn einer neuen Ära. "Es fängt wirklich ein neuer Abschnitt an, und das Album ist gewissermaßen der Meilenstein."

Live sind Cari Cari auf heimischen wie internationalen Bühnen ja längst alte Bekannte: Tourneen in Australien, Gigs in Barcelona und Hamburg, Festivals in Brighton und Prag stehen auf der Habenseite. Das habe auch zur Entwicklung des Sounds beigetragen. "Wir haben das organisch wachsen lassen", meint Köck. "Wichtig war, dass es authentisch bleibt. Stephanie und ich, das sind die Zutaten, und die werfen wir in einen Topf und schauen, was dann rauskommt. Egal, was wir angreifen, es ist Cari Cari." So könne man die "kreativen Säfte am Fließen halten", lacht der Gitarrist und Sänger. "Wir wollen unsere eigene Welt bauen."

Wobei gerade die vergangenen Monate durchaus fordernd waren. "Eigentlich wollten wir nicht live spielen und uns ganz auf die Platte konzentrieren", rekapituliert Widmer, zuständig für Drums und ebenfalls Gesang. "Aber dann haben wir so viel gespielt wie nie zuvor. Klar ist das anstrengend." An einem Tag sei sie dann im Studio gesessen und habe einfach zu weinen begonnen. "Meine Sinne waren so penetriert, ich konnte keine Entscheidung mehr treffen. Irgendwann fehlt dir die Meinung, weil du so tot bist." Die Intensität spiegelt sich nun auch im Albumtitel wieder, der auf Maori etwa Glut bedeutet, im Grönländischen wiederum Mutter. "Es war wie ein Vulkan", so Köck. "Es geht uns um diese rohe Energie. Und die Sonne ist ja das übergeordnete Albumthema, sozusagen als Mutter der Erde."

Die Arbeit als Duo sehen beide jedenfalls als Bereicherung und befreiend. "Immer", unterstreicht Köck. "Das Wichtigste dabei ist: Es gibt kein Ego." So sei man sich in nahezu allen Punkten einig, "es gibt einfach ein blindes Vertrauen zwischen uns". Seine Kollegin pflichtet ihm bei, aber: "Es ist trotzdem ein Ping-Pong-Spiel, bis wir es beide geil finden. Gleichzeitig macht es den Arbeitsprozess schneller, weil der dauernde Austausch da ist." Und wie die Platte klingen sollte, war sowieso schnell klar: "Dirty und roh", lacht Köck. "Aber es hat eine Zeit gedauert, bis wir auch das Selbstvertrauen hatten, das gegenüber anderen Leuten einzufordern."

Letztendlich ist man auf Produzentenseite bei Rene Mühlberger von Pressyes fündig geworden, mit dem es eine sehr befruchtende Zusammenarbeit war. "Es hat einfach gut funktioniert, es gab keinen Erklärungsbedarf", so Köck. "Jeder konnte frei arbeiten und sich diese kindliche Inspiration erhalten. Den Satz 'Das kann man nicht bringen' gibt es bei uns nicht. Wir fühlen uns wie Kinder, die in ihrem Zimmer Theater spielen. Man kann alles machen als Band!" Ab 2. November (Tourauftakt in Linz) kann man sich davon auch live überzeugen.

(APA)

(Quelle: S24)

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