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Cerhas "Vision" bei Uraufführung in Salzburg bejubelt

Cerha schuf das Auftragswerk "Eine blassblaue Vision" Salzburg24
Cerha schuf das Auftragswerk "Eine blassblaue Vision"

Bravorufe ist man bei den Salzburger Festspielen entweder aus der Oper oder von Solistenabenden gewohnt. Am Donnerstag eroberte allerdings ein zeitgenössisches Orchesterwerk die Herzen des Publikums. Friedrich Cerhas Auftragswerk "Eine blassblaue Vision" sorgte bei seiner Uraufführung nach nur 20 Minuten für tosenden Applaus in der Felsenreitschule.

Der morgendliche Prozess des Aufwachens, ein sanfter Zustand zwischen Schlafen und Wachen, habe ihn zum Titel inspiriert, denn diese Phase des Tages verbinde er mit Musik, so der Komponist. Doch hört man die Stimmung des Werks, muss man sich fragen, ob Friedrich Cerha tatsächlich so sanft erwacht, wie es im Programmheft beschrieben wird. Die Vision schleicht sich leise aus den Streichern an, die einen zittrig, schwebenden Klangteppich weben, über den sich alsbald eine kräftige Welle voller Blechbläser ergießt. 

Es herrscht Gewitterstimmung in der Felsenreitschule, und noch unheimlicher als all die düsteren Bläser und flirrenden Streicher sind nur die stillen Momente, die vom Klang zweier aufeinander geschlagener Steine unterbrochen werden. Das sind auch schon die einzigen Male, bei denen man einen Rhythmus erkennen kann, ansonsten bleiben die "Blassblauen Visionen" ein Mysterium. So still es kam, so still verschwindet das Stück. Eine ganz besondere Stimmung hängt in der Stille, ehe sich der Erste zu klatschen traut. Dann bricht tosender Beifall über Cornelius Meister, das Radio-Symphonieorchester Wien und letztlich auch Friedrich Cerha herein, den Meister auf die Bühne und später noch einmal aus dem Publikum holt.

Da man nicht immer von einem solch durchschlagenden Erfolg ausgehen kann, wenn es um die Programmierung zeitgenössischer Werke geht, werden solchen gerne melodischere Werke gegenübergestellt. Diese kamen am Donnerstag von Ravel. Hier kann Cornelius Meister aus dem Vollen seines Orchesters schöpfen. Das erste Werk, "Alborada del Gracioso", dirigiert er als eine Melange aus schmiegsamen Streichermelodien und pompösen Bläser-Tönen. "La Valse", das ursprünglich "Wien" heißen sollte, macht seinem Namen alle Ehre. Das Wiener Blut des RSO kommt ins Wallen, und während die Geigen schwungvoll im Dreivierteltakt dahin wiegen, könnte man meinen, die Donau vorbeirauschen hören zu können. Die Strukturiertheit Cornelius Meisters bewahrt das Stück letztlich davor, ins Kitschige abzurutschen.

Nach der Pause gab es noch ein Wechselbad der Gefühle mit Bartoks Konzert für Orchester (Sz 116). Nach so viel vorausgegangener Leidenschaft wirkte jetzt alles ein bisschen zu brav und gerade, doch um dieses Stück ging es an diesem Abend ja auch nicht.

(Quelle: S24)

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