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Christian Kern erwischt SPÖ mit Rücktritt auf dem falschen Fuß

Christian Kern hat die SPÖ wohl am falschen Fuß erwischt. APA/ROBERT JAEGER
Christian Kern hat die SPÖ wohl am falschen Fuß erwischt.

SPÖ-Chef Christian Kern tritt zurück. Seine Partei erwischt Kern damit auf dem falschen Fuß, deutete doch zuletzt alles darauf hin, dass der SPÖ-Chef beim Parteitag am 6. Oktober zur Wiederwahl antritt. Die SPÖ muss nun schnell einen neuen Kandidaten nominieren.

Nun steht die größte Oppositionspartei ohne Führung da. Die Spitzen der SPÖ sind Dienstagabend im Renner-Institut zusammengekommen, um über die künftige Parteispitze zu beraten. Die Zeit drängt, denn schon in zweieinhalb Wochen ist in Wels ein Reformparteitag angesetzt, bei dem der Vorsitzende gekürt werden soll.

Nachdem Altkanzler Christian Kern heute angekündigt hat, spätestens nach der Europawahl (26. Mai 2019), bei der er als Spitzenkandidat antreten will, den Vorsitz zurückzulegen, stellt sich die Frage, ob er in Wels überhaupt noch einmal antreten soll.

Weder Bures noch Kaiser wollen antreten

Bereit dazu wäre er dem Vernehmen nach. Damit würde die Führungsentscheidung die SPÖ aber wohl noch Monate beschäftigen. Als wahrscheinlichste Anwärterin für den Vorsitz galt zuletzt die Zweite Nationalratspräsidentin Doris Bures, die sich aber um den Job ebenso wenig bemühen soll wie der Kärntner Landeshauptmann Peter Kaiser. Ob der burgenländische Landeschef Hans Peter Doskozil dem linken Parteiflügel zu verkaufen wäre, ist fraglich. Ansonsten sind keinen weiteren Optionen in Sicht.

Allenfalls möglich wäre noch, den Parteitag kurzfristig zu verschieben und damit ein wenig Zeit zu gewinnen. Allerdings muss er noch im heurigen Jahr abgehalten werden, was organisatorisch schwierig wäre. Vor der Sitzung wollten sich die Parteigranden nicht äußern. Gegenwärtig wird jedoch davon ausgegangen, dass es im Anschluss Stellungnahmen und auch eine Entscheidung gibt.

Kern Rücktritt überraschend

Kern hatte sich erst vergangene Woche von den Parteigremien als einziger Kandidat für den Vorsitz beim Parteitag designieren lassen. Auch bei diversen Sommerinterviews hatte Kern keine Amtsmüdigkeit gezeigt. Umso überraschender kam der Ausstieg Kerns nun für seine Parteifreunde und -feinde. Für die SPÖ bleibt nun nicht viel Zeit, personelle Weichen für eine ohnehin schwierige Zukunft in der Oppositionsrolle zu stellen.

Neue Chefs bei allen Oppositionsparteien

Mit dem Rückzug Kerns ist übrigens keiner der Nationalratsspitzenkandidaten der Oppositionsparteien mehr im Amt. NEOS-Chef Matthias Strolz hat an seine Nachfolgerin Beate Meinl-Reisinger übergeben, bei der Liste Pilz hatte sich Peter Pilz zunächst als Parteichef und Abgeordneter zurückgezogen, ehe er doch wieder in den Nationalrat zurückkehrte, und bei den Grünen, die nach ihrer Zertrümmerung bei der Nationalratswahl aus dem Parlament ausgeschieden waren, hat Werner Kogler den Rest der Partei übernommen.

(APA)

Aufgerufen am 13.12.2018 um 10:58 auf https://www.salzburg24.at/news/welt/christian-kern-erwischt-spoe-mit-ruecktritt-auf-dem-falschen-fuss-60224977

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