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Christian Kern wohl am kürzesten SPÖ-Parteivorsitzender

Christian Kern war am kürzesten an der SPÖ-Spitze. APA/ROBERT JAEGER
Christian Kern war am kürzesten an der SPÖ-Spitze.

Bis 16. Juli 2019 müsste Christian Kern an der Parteispitze bleiben, um nicht kürzest dienender SPÖ-Bundesvorsitzender der Zweiten Republik zu sein. Dann wäre er 1.116 Tage im Amt, einen Tag länger als Viktor Klima bei seinem Abgang im Jahr 2000. Kern hat am Dienstag, am 815. Tag seiner Amtszeit, angekündigt, "spätestens" nach der EU-Wahl den Vorsitz zurückzulegen - und diese findet am 26. Mai 2019 statt.

Sowohl Kern als auch Klima büßten den Kanzlersessel ein, weil sich Schwarz-Blau etablierte - wobei die SPÖ mit Klima bei der Nationalratswahl 1999 noch Erste geblieben war. Kern musste im Oktober 2017 hingegen den bitteren Verlust von Platz 1 hinnehmen - und daraufhin dem neuen ÖVP-Chef Sebastian Kurz als Kanzler weichen.

Kern auch am kürzesten Regierungschef

Nur etwas mehr als eineinhalb Jahre (580 Tage) war Kern Regierungschef - bis 18. Dezember 2017. Damals versicherte er, dennoch Parteichef bleiben zu wollen. Genau neun Monate später wurde jetzt allerdings bekannt, dass Kern als SPÖ-Chef zurücktritt.

Kreisky führte Partei fast 17 Jahre

Mit zwei Jahren und drei Monaten Amtszeit hielt er sich nicht einmal ein Drittel so lang wie der von ihm nach fast acht Jahren an der Parteispitze abgelöste Werner Faymann. Dessen Amtszeit (2.878 Tage) ist die viert-kürzeste nach Kern, Klima und Fred Sinowatz (1.658 Tage bzw. 4,54 Jahre). Am längsten, nämlich 16,75 Jahre (bzw. 6.112 Tage), führte Bruno Kreisky die Partei - der der SPÖ 1970 erstmals Platz 1 bei Nationalratswahlen und den Kanzlerposten beschert hatte. Mehr als zehn Jahre (4.407 Tage) war nur noch Adolf Schärf im Amt, Bruno Pittermann musste Kreisky knapp davor weichen.

Franz Vranitzky war fast neun Jahre, Alfred Gusenbauer etwas mehr als acht Jahre Bundesparteivorsitzender. Die durchschnittliche Amtszeit der SPÖ-Chefs liegt - den frühen Abgang Kerns schon eingerechnet - etwas über acht Jahren.

Reichhold führte FPÖ nur 40 Tage lang

Im Vergleich mit anderen Parteien hat Kern sich allerdings nicht ganz so schlecht geschlagen. Mehr als ein Dutzend Politiker hielten sich in der Zweiten Republik nicht so lang an der Spitze wie Kern. Kurzzeit-Champion ist Mathias Reichhold, der im Jahr 2002 die - damals nach schweren Wahlverlusten arg krisengeschüttelte - FPÖ nur 40 Tage lang führte. Sein Nachfolger Herbert Haupt kam auf nur 611 Tage, bis ihn Ursula Haubner ablöste. Auch sie blieb nur kurz, nämlich 275 Tage bis zum April 2005.

Erster ÖVP-Chef hielt sich nur kurz

Der erste Parteichef der ÖVP in der Zweiten Republik, Leopold Kunschak, war 1945 nur 144 Tage im Amt - und wurde dann Nationalratspräsident. Nur etwas über ein Jahr hielt sich 1970/71 Hermann Withalm an der ÖVP-Spitze - und auch Wilhelm Molterer (527 Tage 2007/8) sowie Josef Riegler (770 Tage 1992-1994) waren deutlich kürzer ÖVP-Chefs als Kern SPÖ-Chef sein wird.

Bei den Grünen gibt es wegen der früher üblichen Rotation einige, die nur rund zwei Jahre Bundessprecher waren. Aber die Tirolerin Ingrid Felipe ging heuer aus anderem Grund nach nur 114 Tagen an der Bundesparteispitze zurück in die Landespolitik: Sie übernahm gemeinsam mit Spitzenkandidatin Ulrike Lunacek die Verantwortung dafür, dass die Grünen bei der Wahl 2017 aus dem Parlament flogen.

(APA)

Aufgerufen am 11.12.2018 um 01:23 auf https://www.salzburg24.at/news/welt/christian-kern-wohl-am-kuerzesten-spoe-parteivorsitzender-60225196

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