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463 Tote

Italien wird zur Coronavirus-Sperrzone

Regierung kämpft gegen Infektions-Ausbreitung

Coronavirus, Italien ASSOCIATED PRESS
Über Italien wird eine Sperrzone verhängt. 

Italiens Premier Giuseppe Conte hat erklärt, ganz Italien wegen der Coronavirus-Epidemie zur Sperrzone zu erklären. Conte kündigte am Montagabend an, die Reisefreiheit zu stoppen. Lediglich wenige Ausnahmen würden zugelassen. Die Maßnahmen trat direkt nach Unterzeichnung der Verordnung noch Montagabend in Kraft.

Die Zahl der Coronavirus-Toten in Italien steigt derzeit weiterhin rasant: Innerhalb eines Tages sind 97 Menschen der neuartigen Lungenkrankheit erlegen, teilten die Behörden am Montagabend in Rom mit. Damit stieg die Zahl der Todesopfer auf 463. Die Zahl der Infizierten kletterte auf 7.985. Die Zahl der genesenen Coronavirus-Patienten wuchs auf 724.

Die meisten Todesopfer seien über 70 Jahre alt, teilte der Zivilschutz mit. Italien ist das in Europa am schwersten vom Ausbruch von SARS-CoV-2 betroffene Land. In allen 20 italienischen Regionen wurden bisher Infektionsfälle gemeldet.

"Ganz Italien wird zur geschützten Zone"

Conte rief die Italiener am Montagabend zu Verantwortungsbewusstsein auf. Die öffentliche Gesundheit habe über alles den Vorrang. Daher seien die Bürger zu Opfern und zur Änderung ihres Lebensstils aufgerufen. Nach dem Slogan "Ich bleibe zu Hause" solle die Reisefreiheit stark eingegrenzt werden. Auch Versammlungen im Freien sollen verboten werden, sagte Conte.

Als Vorbild dienen die Maßnahmen, die seit Sonntag bereits in der Lombardei, sowie in 14 norditalienischen Regionen gelten. Italiener werden nicht ausreisen dürfen, Ausnahmen sind nur bei nachgewiesenen dringenden beruflichen oder familiären Verpflichtungen und in gesundheitlichen Notfällen vorgesehen. "Wir müssen alle auf etwas verzichten. Wir werden die Epidemie besiegen, wenn wir noch drastischere Maßnahmen zum Schutz unserer Bürger ergreifen. Wir schaffen keine 'rote Zone', sondern ganz Italien wird zur geschützten Zone", kündigte Conte an. Schulen, Kindergärten und Universitäten bleiben bis zum 3. April geschlossen.

Ärzte klagen über chaotische Zustände

440 Personen liegen in der schwer belasteten Region Lombardei auf der Intensivstation, das sind 41 mehr als am Sonntag. 1.248 Personen befinden sich in Heimquarantäne. Die Lombardei wurde bereits am Sonntag zusammen mit anderen 15 norditalienischen Provinzen mit hoher Zahl an Coronavirus-Infizierten zur Sperrzone erklärt.

Ärzte beklagten dort chaotische Zustände in den mit Coronavirus-Patienten überfüllten Krankenhäusern. "Wie in Kriegssituationen entscheidet man je nach Alter und Gesundheitslage über die Therapie", sagte der Anästhesist Christian Salaroli im Gespräch mit der Mailänder Tageszeitung "Corriere della Sera". Viele Kollegen würden unter dieser Situation leiden.

Schulen und Universitäten geschlossen

Die Schulen und Universitäten in Italien könnten über die von der Regierung vergangene Woche beschlossene Frist bis 15. März hinaus geschlossen bleiben. Die Regierung prüft eine Verlängerung der Maßnahme bis zum 3. April, berichteten italienische Medien. Nicht ausgeschlossen wird jedoch, dass die Schulen sogar erst nach den Osterferien Mitte April wieder öffnen.

Die italienische Regierung schließt im Kampf gegen eine weitere Ausbreitung des Coronavirus auch alle Skiorte. Auf Anweisung des Zivilschutzes seien alle Skiorte des Landes ab Dienstag geschlossen, kündigte der Minister für regionale Angelegenheiten, Francesco Boccia, am Montagabend an.

(Quelle: Apa/Dpa/Ag.)

Aufgerufen am 22.10.2020 um 05:31 auf https://www.salzburg24.at/news/welt/coronavirus-italien-zur-sperrzone-erklaert-84611683

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