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Mysteriöse Lungenkrankheit

Coronavirus: Massiver Anstieg der Fälle

Bereits sechs Tote in China

Die Zahl der Fälle von Infektionen mit dem neuartigen Coronavirus in China ist sprunghaft angestiegen. Allein am Dienstag seien 77 neue Fälle gemeldet worden, teilte Chinas Nationale Gesundheitskommission in Peking mit. Ein deutscher Virusforscher rät hierzulande zu Vorbereitungen in den Kliniken.

Damit wurden bisher mehr als 300 Infektionen in der Volksrepublik bestätigt. Insgesamt gibt es laut chinesischen Staatsmedien inzwischen sechs Todesfälle. Am Dienstag meldete zudem Taiwan die Erkrankung einer etwa 50-jährigen Taiwanesin.

Zuvor waren bereits Nachweise aus Thailand, Japan und Südkorea bekannt geworden. Betroffen waren stets Menschen, die zuvor in China waren. Beim ersten Todesopfer handelte es sich um einen 61-Jährigen, der nach Angaben chinesischer Behörden auch an Krebs und einer chronischen Lebererkrankung litt. Das zweite Opfer war demnach ein 69-Jähriger mit einer Herzerkrankung. Zum dritten Todesopfer gibt es keine Angaben. Das vierte Todesopfer ist ein 89-Jähriger, der Diabetes und eine Herzerkrankung gehabt haben soll. Zu den zwei zuletzt bestätigten Todesfällen lagen zunächst keine Details vor.

Coronavirus: Symptome ähnlich einer Lungenentzündung

Nach derzeitigem Wissen sorgt das Virus für Fieber und Symptome einer Lungenentzündung, erklärte der Berliner Virusforscher Christian Drosten. "Die oberen Atemwege sind kaum betroffen, es gibt beispielsweise keinen Schnupfen." Von Lunge zu Lunge gelangt ein Erreger schwerer als etwa mit den Tröpfchen beim Niesen. Eine schützende Impfung oder eine spezielle Therapie zur Behandlung der Infektion gibt es nicht, lediglich die Symptome können mit Medikamenten abgemildert werden.

Analysen des Erbguts haben dem Berliner Virusforscher Christian Drosten zufolge ergeben, dass es sich um eine SARS-Virus-Variante handelt. "Es ist dieselbe Virusart, nur in einer anderen Variante", sagte der Direktor des Instituts für Virologie an der Charite in Berlin. Unterschiede gebe es vor allem bei den Proteinen, mit denen das Virus an menschliche Zellen andocke.

Fledermäuse als Quelle neuer Coronaviren

Dass ein zuvor unbekanntes Virus so wie das jetzige Ausbrüche beim Menschen verursacht, kommt nach Einschätzung des Virologen etwa alle zehn Jahre vor. Tollwut, HIV, MERS, Ebola: Die meisten Infektionskrankheiten des Menschen stammen aus dem Tierreich. Gerade Säugetiere tragen Erreger, die auf den Menschen überspringen können. Als Quelle neuer Coronaviren gelten unter anderem Fledermäuse und Flughunde. Auch Nutztiere haben in der Vergangenheit Coronaviren auf den Menschen übertragen. Bei spontanen Wirtswechseln eines Erregers ist die Gefahr einer gefährlichen Epidemie oft größer als bei schon lange kursierenden, weil der Mensch keine Antikörper gegen den neuen Erreger hat.

Länder mit Fieberkontrolle bei Einreise

Asiatische Nachbarn und mehrere Flughäfen in anderen Ländern weltweit haben inzwischen Fieberkontrollen bei der Einreise aus Wuhan eingeführt. Das italienische Gesundheitsministerium kündigte an, Verdachtsfälle an Bord in Rom landender Flugzeuge aus Wuhan künftig zu überprüfen. Piloten sollen demnach Passagiere mit entsprechenden Symptomen melden. Diese würden dann sofort in das nationale Institut für Infektionskrankheiten in Rom gebracht, hieß es.

Auch in Australien werden Reisende kontrolliert. Es gibt drei Direktflüge in der Woche von Wuhan nach Sydney, jeder Flug soll von einem Expertenteam empfangen werden. In Brisbane wurde zudem ein Verdachtsfall untersucht: Dort ist ein Mann, der kürzlich seine Familie in Wuhan besucht hatte und Symptome zeigte, in seinem Haus abgeschirmt. Tests sollten klären, ob er mit dem neuartigen Virus infiziert ist.

Experte rechnet mit Fällen in Deutschland

Ein Sprecher des Robert-Koch-Institut (RKI) in Berlin geht davon aus, dass es auch Fälle in Deutschland geben wird, verweist aber gleichzeitig darauf, dass das Risiko eines "Imports" des Virus als auch das einer Verbreitung gering sei. Aus Wuhan gebe es keine Direkt-Flugverbindungen nach Deutschland. Auch nach Österreich gibt es von dort keine Direktverbindungen.

"Wir müssen damit rechnen, dass wir Fälle nach Deutschland bekommen und wir müssen uns im gesamten Gesundheitssystem darauf vorbereiten", sagte der Virologe Christian Drosten am Dienstag im Deutschlandfunk. Die Krankenhäuser in Deutschland müssten jetzt über die Behandlung solcher Patienten nachdenken, die teils isoliert werden oder auf Intensivstationen aufgenommen werden müssten, wo Behandlungsplätze ohnehin immer rar seien. Die Charite habe bereits "alle Testsysteme hoch gefahren", um eine Infektion mit dem neuen Coronavirus bei Bedarf schnell nachweisen zu können.

Die Gesundheitsbehörden müssten das neuartige Virus "sehr ernst nehmen", mahnte Drosten. "Das ganze Bild nimmt jetzt doch mehr Ähnlichkeit mit der damaligen SARS-Epidemie im Jahr 2003 an." Damals waren fast 780 Menschen an der ebenfalls durch ein Coronavirus ausgelösten Lungenkrankheit gestorben, die meisten in China und Hongkong. Die nun für das neue Virus erwiesene Übertragbarkeit von Mensch zu Mensch mache es "gefährlicher".

(Quelle: APA)

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