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"Costa"-Kapitän Schettino kehrte auf Wrack zurück

"Costa Concordia"-Kapitän Francesco Schettino hat am Donnerstag einen ereignisreichen Tag erlebt. Der Süditaliener kehrte im Zuge des Prozesses gegen ihn erstmals wieder auf das havarierte Kreuzfahrtschiff vor der Insel Giglio zurück. Auf Antrag der Verteidigung nahm er an einem über dreistündigen Besuch von Experten auf der Insel und dem Wrack teil.

Die Fachleute sollen einen Bericht für die Verhandlung anfertigen. Schettino besichtigte mit Richtern, Staatsanwälten, Verteidigern und Gutachtern den Ort des Unglücks vom Jänner 2012. Er durfte jedoch die Gutachter des Gerichts von Grosseto, vor dem ein Prozess gegen den Kapitän wegen fahrlässiger Tötung läuft, nicht ansprechen. Bei dem Besuch wurden der Notstrom-Generator und ein Lift untersucht, in dem mehrere Menschen ums Leben gekommen waren.

"Die Anwesenheit des Kapitäns ist wegen der riesigen Komplexität des Schiffes und seiner Kontrollsysteme wichtig", berichtete Schettinos Anwalt Domenico Pepe. "Ich bin kein Schwächling, ich will die Wahrheit", sagte Schettino, bevor er an Bord des Schiffs ging.

Die Rückkehr Schettinos an Bord des havarierten Kreuzfahrtschiffes wurde von Medienrummel begleitet. Eine Gruppe von Reportern und Kameraleuten wartete auf Schettino, der sich nervös am engen Kai des Hafens einen Weg durch die Menschenmenge bahnen musste, bevor er ein Boot der Küstenwache betreten konnte. Schettino klagte über "Aggression" und über eine "Verfolgungskampagne" der Journalisten. Zu dem Ortstermin dürfe er nichts sagen, sagte er bei einer Pressekonferenz, nachdem er an Bord gegangen war. Er hoffe aber, dass das Wrack so schnell wie möglich weggeschafft werde.

Der 53-jährige Schettino, der am Dienstagabend auf Giglio eingetroffen war, wollte ursprünglich nicht an dem Besuch des Wracks teilnehmen. "Ich habe ihn davon überzeugt. Seine Anwesenheit ist wichtig, um Klarheit über die Hintergründe der Havarie zu gewinnen", berichtete der Rechtsanwalt des Kapitäns, Domenico Pepe. Der Kapitän verbrachte die Nacht in einer Wohnung auf der Insel. "Die Gefühle, die ich empfunden habe, als ich das Wrack gesehen habe, kann man mit Worten nicht beschreiben. Ich habe an die letzten zwei Jahre und an die vielen Lügen gedacht, die über die Unglücksnacht gesagt wurden", betonte Schettino im Gespräch mit der Tageszeitung "La Nazione".

Der Bürgermeister der Insel Giglio, Sergio Ortelli, versicherte indes, dass das Wrack der "Costa Concordia"planmäßig Ende Juni weggeschleppt werden soll. Noch unklar ist, wo das havarierte Schiff zerlegt wird. Die Hafenbehörde Civitavecchias nördlich von Rom erklärte sich bereit, für die Zerlegung der "Costa Concordia" zu sorgen.

Die "Costa Concordia" hatte am 13. Jänner 2012 vor der Küste der Toskana einen Felsen gerammt und war in Schieflage geraten. Bei dem Unglück kamen 32 Menschen ums Leben. An Bord befanden sich auch 77 österreichische Passagiere, die sich retten konnten. Schettino muss sich in der toskanischen Stadt Grosseto seit Juli unter anderem wegen mehrfacher fahrlässiger Tötung vor Gericht verantworten. Er hatte den Unfallort in einem Rettungsboot verlassen.

(Quelle: S24)

Aufgerufen am 27.02.2021 um 11:32 auf https://www.salzburg24.at/news/welt/costa-kapitaen-schettino-kehrte-auf-wrack-zurueck-44869417

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