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Cyberangriff in Berlin: Hinweise auf russischen Hintergrund

Hackerangriff läuft immer noch Salzburg24
Hackerangriff läuft immer noch

Hinter der bisher größten Cyber-Attacke auf den Deutschen Bundestag steckt möglicherweise Moskau. Hinweise, die auf Russland als Ursprungsland des Angriffes deuteten, hätten sich verstärkt, erfuhr die Deutsche Presse-Agentur am Donnerstag in Berlin aus mehreren Quellen. Die in das Bundestags-Netzwerk "Parlakom" eingeschleusten Trojaner sind immer noch aktiv.

Verfassungsschutzpräsident Hans-Georg Maaßen sagte in Potsdam, er habe die Sorge, "dass es sich um einen Cyberangriff eines ausländischen Nachrichtendienstes handelt". Um welches Land es sich handeln könnte, sagte Maaßen nicht. Er ergänzte aber: "Mein Dienst hat immer wiederholt bestätigt, dass jedenfalls die Cyberangriffe von russischen Diensten hoch qualifiziert sind und uns große Sorge bereiten."

Den Angriff auf den Deutschen Bundestag nannte der Chef des Verfassungsschutzes (Inlandsgeheimdienst) "beachtlich". Sein Dienst habe den Bundestag am 12. Mai auf die Hacker-Attacke aufmerksam gemacht, sei aber bisher nicht in die Aufklärung eingebunden, sagte Maaßen.

Die in das Bundestags-Netzwerk "Parlakom" eingeschleusten Trojaner seien immer noch aktiv, bestätigte ein Bundestags-Experte der dpa. Zudem könne nicht ausgeschlossen werden, dass die Schadsoftware auch nach längerer Inaktivität wieder auftauche.

Nach dpa-Informationen gibt es noch keine abschließende Gewissheit, aus welchem Land und von wem der seit rund vier Wochen andauernde Cyberangriff ausgeführt wird. Demnach ist unter anderem noch unklar, ob es sich um einen russischen Geheimdienst oder eine andere russische Organisation handelt. In Russland gibt es enge Verbindungen zwischen den Geheimdiensten und der Organisierten Kriminalität.

Die Sicherheitsbehörden arbeiten mit mehreren Theorien, um die Attacke aufzuklären. "Spiegel Online" hatte berichtet, Experten lägen Anhaltspunkte dafür vor, dass der russische Auslandsnachrichtendienst SWR hinter der Spähaktion steckt.

Offensichtlich vor diesen Hintergründen soll der Inlandsgeheimdienst nun doch bei der Abwehr der Attacke helfen. Unklar ist noch, unter welchen Voraussetzungen dies geschehen kann. Vor allem die Opposition fürchtet, es könnten etwa unberechtigt Abgeordneten-Mails gelesen werden.

Der Parlamentarische Geschäftsführer der CDU/CSU-Fraktion, Bernhard Kaster, sagte: "Es handelt sich um den bisher größten Cyberangriff auf den Bund, auf das deutsche Parlament." Er warnte die Opposition aus Linken und Grünen davor, den Cyberangriff parteipolitisch zu instrumentalisieren. Die parlamentarische Geschäftsführerin der Grünen-Fraktion, Steffi Lemke, sagte, es gebe Einigkeit, dass der Verfassungsschutz beratend tätig werden könne - zur Unterstützung der IT-Sicherheit der Abgeordneten.

Nach der Cyberattacke muss nun das Computernetz des Bundestags umfangreich erneuert werden. Neben der laufenden Systembereinigung müsse rasch "mindestens in Teilen mit einer Neuaufsetzung des IT-Systems des Deutschen Bundestages" begonnen werden, heißt es in einem Schreiben von Parlamentspräsident Norbert Lammert am Donnerstag.

Anders als in Medien berichtet muss laut Lammert nach derzeitigem Kenntnisstand aber keine Hardware ausgetauscht werden. Die Analyse des Hackerangriffs gehe weiter. Den Nachforschungen des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnologie (BSI) und der Bundestagsverwaltung zufolge kam es in den vergangenen zwei Wochen zu keinen Datenabflüssen mehr, berichtet Lammert weiter. "Das bedeutet nicht, dass der Angriff endgültig abgewehrt und beendet wäre", fügte er hinzu.

(Quelle: S24)

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