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Hollywood

Das war die 91. Oscar-Verleihung

Am Ende gab es dann doch einen Überraschungssieger: Das Rassismus-Roadmovie "Green Book" von Peter Farrelly wurde bei der 91. Oscar-Verleihung im Dolby Theatre von Hollywood zum besten Film des Jahres gekürt. Damit komplettierte das in den Südstaaten der 1960er-Jahre spielende Werk ein heuer breites Preisträgerfeld bei der Glamourgala der Filmindustrie.

So konnte "Green Book" neben der Königskategorie noch zwei weitere Trophäen auf sich vereinen: Die für das beste Originaldrehbuch und die Nebendarstellerkrone an Mahershala Ali als schwarzer Jazzpianist, der mit seinem italostämmigen Chauffeur im US-Süden auf Tournee geht.

Auf ebenfalls drei Auszeichnungen kam am Ende das im Vorfeld hoch gehandelte Schwarz-Weiß-Drama "Roma" des Mexikaners Alfonso Cuaron, der mit zehn Nominierungen gemeinsam mit dem Historienfilm "The Favourite" als Spitzenreiter ins Rennen gegangen war.

Kein Grund für Trauer, konnte sich Cuaron für seine Netflix-Produktion doch sowohl über den Preis als bester Regisseur sowie als bester Kameramann freuen. Hinzu kam noch der Sieg in der Sparte der besten fremdsprachigen Filme. Yorgos Lanthimos' "The Favourite" indes konnte nur eine seiner zehn Nominierungen in einen Oscar ummünzen: Olivia Colman schlug mit ihrer Leistung als desolate Queen Anne Ko-Favoritin Glenn Close aus dem Feld, die nun bereits sieben erfolglose Oscar-Nominierungen am Konto hat.

Bohemian Rhapsody räumt ab

An die Spitze der Gewinner setzte sich indes mit der Freddie-Mercury-Biografie "Bohemian Rhapsody" eine ungleich breitenwirksamere Produktion. Neben drei Ehrungen in den Ton- und Schnittkategorien gab es auch für Hauptdarsteller Rami Malek den begehrten Goldbuben. Und nicht zuletzt reihte sich das ebenfalls an den Kinokassen reüssierte schwarze Actionspektakel "Black Panther" mit drei Oscars für Kostüme, Soundtrack und Szenenbild in die Liste der Mehrfachgewinner ein.

Alles in allem gestaltete sich die 91. Oscar-Gala mithin als ein Abend der Vielfalt - und das nicht nur, was die breit gestreute Vergabe der Preise betrifft, sondern auch bei den Präsentatoren. Immerhin war es das erste Mal seit 30 Jahren, dass es keinen klassischen Host für die Oscars gab. Dem ursprünglich dafür vorgesehenen Komiker Kevin Hart wurden frühere homophobe Äußerungen zum Verhängnis, weshalb er seinen Job gar nicht erst antrat. Etwas knapper fiel der Abend dadurch letztlich zwar aus - in gut dreieinhalb Stunden war die Sause vorbei -, wirklich kurzweilig war es deshalb allerdings nicht.

Wenig Witz und Esprit bei 91. Oscars

Das lag vielleicht auch daran, dass abseits von einem musikalischen Auftakt durch Queen und Adam Lambert sowie vereinzelten humoristischen Einlagen - das Trio Tina Fey, Amy Poehler und Maya Rudolph witzelte sich durch die ersten fünf Minuten - eigentlich nur noch Melissa McCarthy mit einem ausladenden, mit etlichen Stoffhasen drapierten Kleid für einen echten Hingucker sorgte. Ansonsten lieferten Stars wie Serena Williams, Julia Roberts oder Paul Rudd meist trockene, sehr traditionelle Anmoderationen, bevor dann die Preise überreicht wurden. Nach Witz und Esprit suchte man vergeblich.

Dafür wurde es aber mehrfach gesellschaftspolitisch: Nicht nur Javier Bardem sprach sich in einem auf Spanisch gehaltenen Statement für eine offene Gesellschaft des Miteinanders aus. Und immer wieder kamen die kreativen Leistungen von Minderheiten zur Sprache, holte sich außerdem der auch mit 61 noch sehr angriffslustige Spike Lee einen Oscar für das beste adaptierte Drehbuch ("BlacKkKlansman") ab und dachte dabei schon an die Zukunft: "Die 2020 Präsidentenwahl steht vor der Tür", so Lee: "Trefft die moralische Wahl zwischen Hass und Liebe."

Nicht nur sein Sieg zeigte, dass die OscarssoWhite-Diskussion vor ein paar Jahren Nachwirkungen hatte: Schwarze Frauen und Männer haben mittlerweile ihren festen Platz bei der Gala gefunden. Mit Malek, Ali und der als beste Nebendarstellerin ausgezeichneten Regina King ("If Beale Street Could Talk") ging erstmals eine Mehrheit der Darstellerpreise an Schauspieler mit nicht-weißer Hautfarbe. Wie King kämpfte später auch Lady Gaga mit den Tränen. Die Popsängerin hat sich mit ihrer Leistung in "A Star is Born" nicht nur eine Nominierung als beste Hauptdarstellerin erkämpft, sondern konnte schlussendlich einen Goldbuben für den besten Song ("Shallow") mitnehmen. "Das ist wirklich harte Arbeit", rief sie in Erinnerung, dass man alles erreichen könne, wenn man nur wirklich daran glaube. Eine Botschaft, die an diesem Abend wohl viele unterschreiben würden. Die 91. Oscars haben jedenfalls gezeigt, dass es für jeden einen Platz gibt.

(APA)

(Quelle: APA)

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