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Dem Fremden so nah: "Flirting With Strangers" im 21er Haus

Schau im 21er Haus läuft bis 31. Jänner 2016 Salzburg24
Schau im 21er Haus läuft bis 31. Jänner 2016

Dem Fremden in den eigenen vier Wänden widmet sich das 21er Haus in der Schau "Flirting With Strangers". Im lichtdurchfluteten Erdgeschoß begegnet man einer unglaublichen Fülle an zeitgenössischen, aber auch historischen Positionen, die in einen lustvollen und oft erst auf den zweiten Blick erkennbaren Dialog treten. Laut Kuratorin Luisa Ziaja gehe es um "Alternativen und Aktualisierungen".

Bei einer musealen Sammlung sowie deren Darstellung handle es sich in der Regel um "ein Systematisieren von Dingen", wie sie am Dienstag im Rahmen der Presseführung erläuterte. So werde "verbindliches Wissen" produziert. Genau diesen Ansatz habe man für die Auseinandersetzung mit der Sammlung des Belvedere aber umdrehen und neudeuten wollen. So entstand in der zeitgenössischen Dependance des Museums eine ungewöhnliche Auseinandersetzung mit den Kunstwerken, die "jenseits von kunsthistorischen Kategorien oder Stilgeschichte" ansetzt.

"Wir haben versucht, ahistorisch vorzugehen", erklärte auch der zweite Kurator Severin Dünser gegenüber der APA die Herangehensweise. So wurden verschiedene, teils recht allgemein gehaltene Themen oder Bereiche gesucht, um Verbindungen herzustellen. Wobei man diese Anknüpfungspunkte dabei "relativ pragmatisch" gewählt habe - auch aus dem Grund, um der umfangreichen Sammlung überhaupt begegnen zu können. Denn hier wird keineswegs bei Zeitgenössischem der Schlussstrich gezogen: Mit einer Fuchs-Skulptur aus Kalksandstein geht man sogar bis ins 14. Jahrhundert zurück und stellt diese Arbeit eines Wiener Bildhauers Oskar Kokoschkas großformatigen "Tigerlöwen" gegenüber, während nur einen Schritt weiter eine Zeichnung von Erwin Wurm den Betrachter auffordert: "Seien Sie ein Hund für eine Minute."

Letztlich hat das Kuratorenteam rund 130 Arbeiten von mehr als 100 Künstler ausgewählt, geordnet und positioniert. Und doch sei diese Präsentation keinesfalls als fixe Lesart zu verstehen, wie Ziaja unterstrich. "Das ist nur ein Deutungsangebot, das auch neue Perspektiven eröffnen soll." Deshalb sucht man auch eine thematische Beschriftung vergeblich. Immerhin sei es der Kern der kuratorischen Arbeit, die Kunstwerke miteinander in Beziehung zu setzen. "Die Ausstellung ist dann gelungen, wenn die Dinge für sich selbst stehen und sich gleichzeitig gegenseitig verstärken." Selbst für sie seien einige Verbindungen erst in der endgültigen Hängung sichtbar geworden. "Wir haben versucht, das Potenzial der gesamten Sammlung des Belvedere hereinzuholen. Und dabei wurden punktuelle Anker in die Vergangenheit geworfen."

So finden sich in der Ausstellung, die von 9. September bis 31. Jänner 2016 zu sehen sein wird, Paarungen wie Edvard Munch und Kiki Kogelnik, die zum lustvollen Assoziieren einladen. Oder eine scheinbar nicht endenwollende Bezugnahme auf Stühle und Tische, Sitzgelegenheiten und deren teils abstrakte Ausformung sowie gesellschaftliche Implikation, die von Ernst Juchs Ölgemälde "Tischrede" über Gelatins "Kuchen oder Sex oder alle drei" bis zu Sarah Lucas' "Portable Smoking Area" reicht. Getrennt werden die einzelnen Bereiche durch helle Holzwände, die eine "Verschachtelung im Raum" entstehen lassen, wie es Ziaja formulierte. "Dadurch erreichen wir eine Transparenz, die das Spielerische unterstreicht."

Während sich durch die eigene Position im Raum unterschiedliche Sichtachsen und Parallelen ergeben können, bietet eine begleitende Publikation eine zusätzliche Betrachtungsweise: Die rund 150-seitige Broschüre begegnet den Arbeiten von Maria Lassnig, Heimo Zobernig, Damien Hirst und Co nämlich in unabhängiger, alphabetisch geordneter Reihenfolge. Hier sind die "Strangers" wieder in ihrer isolierten Position zu betrachten. Das Begleitprogramm sieht außerdem eine Gesprächsreihe "Über das Neue" vor, bei der Künstler ab 10. Oktober Einblicke in ihre aktuelle Praxis geben werden.

(Quelle: S24)

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