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Der lange Streit um das iranische Atomprogramm

Ein Reaktor in Buschehr im Iran. AP Photo/Mehr News Agency, Majid Asgaripour/Archiv
Ein Reaktor in Buschehr im Iran.

Jahrelang haben Teheran und die internationale Gemeinschaft um das iranische Atomprogramm gestritten. Der Iran ließ sich viele Jahre lang nicht in die Karten schauen, ob er mit seinem Atomprogramm nur zivile Zwecke verfolgt. Ein Rückblick.

Die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) mit Sitz in Wien, die weltweit die Nuklear-Aktivitäten von Staaten überwacht, hatte aber zahlreiche Verdachtsmomente, dass Teheran heimlich an der Entwicklung einer Atombombe forscht. Erst das Wiener Atomabkommen von 2015 stellt vorerst sicher, dass der Iran in nächster Zeit keine Kernwaffe bauen kann. US-Präsident Donald Trump will aber aus diesem Abkommen aussteigen.

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2002: Erste Hinweise auf ein mögliches geheimes iranisches Atomwaffenprogramm tauchen auf. Die Rede ist vom Bau einer unterirdischen Uran-Anreicherungsanlage in Natanz und eines Schwerwasserreaktors in Arak zur Plutoniumerzeugung.

2003/2004: Für größte Bedenken sorgen neue Erkenntnisse, dass Teheran schon seit den 1980er-Jahren undeklariertes Uran für Tests und Experimente verwendet hat.

2003-2006: Der Iran lässt in dieser Zeit intensivere Inspektionen durch die IAEA zu und übermittelt Informationen zu seinen Atom-Aktivitäten. Er räumt ein, dass er in früheren Jahren Kontakt zu einem geheimen Netzwerk mit besten Kenntnissen atomarer Technologie hatte. Das Netzwerk ist pakistanischen Ursprungs.

2008: Angesichts der drängenden Anfragen der IAEA unterbreitet der Iran im Mai ein 117-seitiges Papier, in dem er den Verdacht zurückweist, er arbeite am Bau einer Atomwaffe. Alles basiere auf gefälschten Dokumenten und manipulierten Daten.

2007-2010: Die Klage der IAEA über mangelnde Kooperationsbereitschaft Teherans erhält neuen Auftrieb. Der Iran hatte nicht über den Bau des Forschungsreaktors Fordo und über Pläne zum Ausbau der atomaren Infrastruktur informiert.

Im Februar 2010 verkündet der Iran, niedrig angereichertes Uran auf 20 Prozent gebracht zu haben und in der Lage zu sein, es auf 80 Prozent anzureichern. Der Hardliner-Präsident Mahmoud Ahmadinejad erklärt den Iran zur Atommacht.

2012: Die EU beschließt ein Öl- und Gasembargo gegen Teheran; die iranischen Ölexporte schrumpfen um ein Drittel. US-Präsident Barack Obama lässt Eigentum und Vermögenswerte des Iran in den USA blockieren; iranische Großbanken werden sanktioniert. Israel droht mehrmals mit einem Militärschlag gegen den Iran. Mehrmalige Versuche, Verhandlungen zwischen dem Iran und der internationalen Gemeinschaft in Gang zu bringen, scheitern.

2013: Erst mit dem Antritt des reformorientierten Präsidenten Hassan Rouhani kommt Schwung in die Sache. Rouhani will ein Ende der Wirtschaftssanktionen und geht auf Forderungen der internationalen Gemeinschaft ein, das Atom-Programm drastisch zu reduzieren.

Im November einigen sich die fünf UNO-Vetomächte plus Deutschland in Genf auf ein auf sechs Monate begrenztes Zwischenabkommen mit dem Iran. Kernpunkt ist, dass einige westliche Sanktionen gelockert werden und der Iran dafür seine Urananreicherung auf fünf Prozent beschränkt. Israel bezeichnet das Abkommen als "historischen Fehler".

2015: Am 14. Juli wird in Wien der Atom-Deal mit Teheran abgeschlossen. Die Klärung der sogenannten "möglichen militärischen Dimension" (PMD) des Atomprogramms ist ein Teil davon. Der Iran stimmt mit dem Abkommen der drastischen Begrenzung seines Atomprogramms zu, um im Gegenzug die erhoffte Aufhebung der Wirtschaftssanktionen zu erreichen. Diese werden aber erst aufgehoben, wenn die IAEA bestätigt, dass der Iran seinen Pflichten nachgekommen ist.

Der damalige Bundespräsident Heinz Fischer reist Anfang September als erstes Staatsoberhaupt eines EU-Landes seit 2004 in die Islamische Republik zu einem dreitägigen Arbeitsbesuch. Neben zahlreichen Regierungsmitgliedern wird er von einer hochrangigen Wirtschaftsdelegation begleitet.

2016: Der designierte US-Präsident Donald Trump will, wie schon im Wahlkampf angekündigt, das Atomabkommen mit dem Iran aufkündigen.

2018: Israel hat nach Angaben von Ministerpräsident Benjamin Netanyahu "schlüssige Beweise" dafür, dass der Iran ein geheimes Atomwaffenprogramm verfolgt. Der Iran habe seine nuklearen Ambitionen nie aufgegeben und verstoße damit gegen das internationale Atomabkommen, sagt Netanyahu im April in Jerusalem.

Die IAEA erklärt im Mai, dass sie bei der Überprüfung der israelischen Vorwürfe gegen den Iran bisher keine Hinweise auf einen Verstoß gegen das Atomabkommen gefunden hat.

Der iranische Präsident Rouhani warnt, die USA würden es auch bedauern, wenn sie sich für eine Aufkündigung des Wiener Atomabkommens von 2015 entschieden.

12. Mai - Die USA ziehen sich aus dem Atomabkommen mit dem Iran zurück. Das bestätigte US-Präsident Donald Trump am Dienstag in Washington.

(APA)

(Quelle: S24)

Aufgerufen am 23.05.2019 um 12:37 auf https://www.salzburg24.at/news/welt/der-lange-streit-um-das-iranische-atomprogramm-58303954

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