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"Der letzte Raucher" in Linz gegen Husten und Doppelmoral

Ausnahmsweise Heiteres zum Thema Rauchen APA (dpa)
Ausnahmsweise Heiteres zum Thema Rauchen

Mit "Der letzte Raucher" hat Regisseur Erik Etschel einen augenzwinkernden Beitrag zur aktuellen Debatte um das Rauchverbot geliefert. Weniger als Anstoß zur differenzierten Meinungsbildung als vielmehr als Angriff auf die Lachmuskeln entpuppte sich das Stück, das am Mittwoch im Linzer Theater Phönix Premiere feierte.

Ausgesperrt am Balkon von seinen nichtrauchenden Freunden, die ganz "spontan" ohne ihn um die Häuser ziehen, bleibt dem "letzten Raucher" (David Fuchs) nichts anderes übrig, als in der abendlichen Kälte ("Der letzte Raucher stirbt nicht an Lungenkrebs, er erfriert am Balkon") über - wie sollte es anders sein - das Rauchen zu sinnieren. Und er durchlebt dabei die gesamte Bandbreite an Emotionen, vom Trennungsschmerz über das Gefühl, ausgegrenzt zu sein - "Ich fühle mich wie der letzte Raucher auf Erden" - bis hin zum Ekel vor Alkohol und Zigaretten nach einer durchzechten Nacht.

"Den Kampf zwischen Herz und Hirn verlieren immer Leber und Lunge" wie der "letzte Raucher" konstatiert, ist so etwas wie das Motto des Abends - wobei die Lunge naturgemäß stärker in Mitleidenschaft gezogen wird. Rasend schnell folgt eine Episode auf die nächste: Ist der "letzte Raucher" im einen Moment noch bereit, für seine "Julia" das Rauchen aufzugeben und stattdessen zu "vapen", echauffiert er sich im nächsten über die Doppelmoral all jener, die das Nichtraucher-Volksbegehren unterschrieben haben, um wenig später im Flugzeug um die Welt zu jetten. Apropos Julia: "Es muss doch einen Grund haben, warum Julia ständig am Balkon draußen steht und warum Romeo unten auf der Straße rumlungert: Kettenraucher, durch und durch!"

Allzu viel Handlung und Tiefgang hat das Stück freilich nicht - das ist aber auch gar nicht notwendig, denn ein grandioser David Fuchs lässt dem Zuseher keine Zeit zum Durchatmen. Er pendelt zwischen einem mitleiderregenden Häufchen Elend ("Kennen sie das traurigste Geräusch der Welt? - das Schütteln einer leeren Zigarettenschachtel"), einem undifferenzierten politischen Beobachter ("Früher stand Rauchen für Freiheit, heute für Nationalismus") und einem exzentrischen - nun ja - Raucher, der animalisch sein unverhofft gefundenes Päckchen Zigaretten feiert.

Auch das Setting ist gelungen: Das Stück spielt im "Vereinslokal", eigentlich der Bar des Theaters, die Zuseher sind durch eine gläserne Wand vom "letzten Raucher" getrennt. Somit ist das Publikum nah dran an der schweißtreibenden One-Man-Show, die David Fuchs liefert. Und um letztlich beiden Seiten gerecht zu werden, können alle Raucher am Ende vom "letzten Raucher" höchstpersönlich mit Zigaretten versorgt ihrem Laster frönen, während sich die Nichtraucher ein olfaktorisches Andenken an den Theaterabend mit nach Hause nehmen.

Die von Fuchs mit einem Augenzwinkern eingeforderten Standing Ovations am Ende hätte ihm das Publikum auch von sich aus beschert. Fazit: 70 unterhaltsame und kurzweilige Minuten für alle "Raucherinnen und Raucher, Nichtraucherinnen und Nichtraucher, Gelegenheitsraucherinnen und Gelegenheitsraucher, Genussraucherinnen und Genussraucher, Kettenraucherinnen und Kettenraucher und (vielleicht bald) Exraucherinnen und Exraucher".

(APA)

(Quelle: S24)

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