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Deutlich weniger Flüchtlingsankünfte in Griechenland

Der umstrittene Flüchtlings-Deal mit der Türkei und die Abriegelung der sogenannten Balkanroute zeigen Wirkung. Im April ist die Zahl der in Griechenland angekommenen Migranten im Vergleich zum März um 90 Prozent zurückgegangen, wie die EU-Grenzschutzagentur Frontex am Freitag mitteilte. Erstmals seit Juni 2015 kamen daher wieder mehr Flüchtlinge in Italien als auf den Ägäis-Inseln an.

Frontex-Generaldirektor Fabrice Leggeri sprach von einem "dramatischen Rückgang". Insgesamt seien im April weniger als 2.700 Schutzsuchende in Griechenland angekommen. Das sei "bei Weitem weniger als die Anzahl von Menschen, die während der Spitzenmonate des letzten Jahres täglich allein auf der Insel Lesbos ankamen", so Leggeri. Der Großteil der Flüchtlinge stamme weiterhin aus Syrien, gefolgt von Pakistani, Afghanen und Irakern.

Am 20. März ist ein Abkommen zwischen der EU und Ankara in Kraft getreten, wonach alle ohne Visum in die EU eingereisten Flüchtlinge wieder in die Türkei zurückgeschickt werden können. Für jeden zurückgeschickten Syrer will die EU einen anderen syrischen Flüchtling direkt aus der Türkei über Resettlement (Umsiedlung) aufnehmen.

Der Rückgang in Griechenland und vor allem die Schließung der griechisch-mazedonischen Grenze für Flüchtlinge hat laut Frontex auch Auswirkungen auf die Balkanroute. Hier wurden im April mit 3.830 Migranten um ein Viertel weniger Menschen als noch im März registriert.

In Italien kamen im April mit 8.370 Menschen hingegen deutlich mehr Schutzsuchende an. Doch auch hier sei ein Rückgang zu verzeichnen, betonte Frontex. Die Ankunftszahlen seien im Vergleich zum März 2016 um 13 Prozent und im Jahresvergleich sogar um fast 50 Prozent zurückgegangen. Weiterhin stamme der Großteil der in Italien ankommenden Migranten aus Eritrea, Ägypten und Italien.

Die italienische Küstenwache hat indes im Mittelmeer erneut mehr als 800 Flüchtlinge entdeckt, die von verschiedenen Schiffen nach Sizilien und Kalabrien gebracht werden sollen. Die ersten 342 Migranten seien bereits im sizilianischen Hafen von Augusta angekommen, berichtete die Nachrichtenagentur Ansa. Weitere etwa 500 Migranten sollen im Laufe des Tages auf Sizilien und in Kalabrien ankommen.

Unterdessen leidet der griechische Export unter den Flüchtlings-Protesten in Idomeni. Seit mittlerweile 55 Tagen blockieren dort Menschen den Bahnübergang nach Mazedonien. Auf rund sechs Millionen Euro beziffert die griechische Wirtschaft den Schaden, der dadurch bisher entstanden ist. Das berichtete der griechische Sender Skai am Freitag unter Berufung auf den Transportverband von Thessaloniki.

Mit der Blockade wollen die Migranten die Öffnung der Grenze erzwingen; nach wie vor harren in Idomeni rund 11.000 Menschen aus, die noch immer auf ihre Weiterreise nach Mittel- und Nordeuropa hoffen. Für den griechischen Import und Export ist der Grenzübergang jedoch ein wichtiger Transportweg. Die Wirtschaft kritisiert die griechische Regierung scharf, weil diese sich bisher weigert, die Flüchtlinge zur Not mit Gewalt von den Bahnschienen zu bewegen.

Der griechische Migrationsminister Yannis Mouzalas geht dem Bericht zufolge von rund 2.000 Besetzern der Bahngleise aus. Sie haben dort Zelte aufgeschlagen. Mouzalas setzt auf Geduld - früher oder später werde es gelingen, die Menschen davon zu überzeugen, dass die Grenze sich nicht öffnen werde, so dass die Flüchtlinge freiwillig in staatliche Flüchtlingslager übersiedelten.

(Quelle: S24)

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