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Dicke Kuverts und leere Kreditkarten im Grasser-Prozess

Grassers Frau hat einen exklusiven Geschmack APA (Hochmuth)
Grassers Frau hat einen exklusiven Geschmack

Der 53. Tag im Buwog-Korruptionsprozess gegen Ex-Finanzminister Karl-Heinz Grasser (FPÖ/ÖVP) gab am Donnerstag einen Einblick in die Welt der Vermögenden. So will der angeklagte Schweizer Vermögensverwalter Norbert Wicki fast eine Million Euro in bar in der Empfangshalle vom Züricher Flughafen entgegengenommen haben - von Mittelsmännern russischer Geschäftsleute, die er nicht kannte.

Dieses Geld zahlte er dann - in bar - auf das Mandarin-Konto bei der Raiffeisenbank Liechtenstein ein, sagte Wicki. Zur Briefkastengesellschaft Mandarin floss auch Geld von einem anderen Liechtenstein-Konto, wo ein Teil der Buwog-Millionenprovision geparkt war, und das "Schwiegermutter-Geld" Grassers.

Weiters erzählte Wicki Richterin Marion Hohenecker, dass Grassers Ehefrau Fiona monatlich 25.000 Euro von deren Mutter, der Schweizer Millionärin Maria Giori-Lhota bekommen habe, die sie bereits nach wenigen Tagen ausgegeben hatte - und dann ihn, Wicki, beschimpfte, weil die Kreditkarte gesperrt war. Hintergrund dazu: Grasser behauptet, erhebliche Bargeldeinzahlungen auf sein Konto stammten von Fiona, der er öfters mit Bargeld aushelfen musste, weil die Karte gesperrt war. Seine Gattin Fiona Pacifico Griffini Grasser habe ihm dann diese ausgelegten Beträge in bar zurück gegeben.

Wie es nach dem Auffliegen der Buwog-Affäre im inneren Kreis rund um Grasser mental zuging, beschrieb Wicki heute so: "Jeder ist auf jeden böse, seitdem das losgegangen ist."

Einen Einblick in die Einschätzung der Bankenlandschaft durch den ehemaligen Finanzminister Grasser gab Wicki heute auch - wobei dieser als Angeklagter nicht unter Wahrheitspflicht steht. Demnach habe Grasser das "Schwiegermutter-Geld" vom Mandarin-Konto bei der Raiffeisen Landesbank in Liechtenstein wieder abgezogen, weil er nach der Lehman-Pleite Angst um die Überlebensfähigkeit der Bank hatte, und es auf eine Schweizer Bank transferieren lassen.

Hohenecker schloss Donnerstagvormittag die Befragung von Wicki ab, nach der Mittagspause war dann Oberstaatsanwalt Gerald Denk am Wort - bzw. er versuchte es. Denn gleich zu Beginn wurde es zwischen Grasser-Verteidiger Norbert Wess und Hohenecker laut, da Wess Denk mehrmals wegen angeblich fehlender Aktenzahlen bzw. Ordnungsnummern unterbrach - was Hohenecker gar nicht goutierte: "Lassen Sie den Staatsanwalt bitte aussprechen!"

Wieder einmal viel gesprochen wurde über die Veranlagung von Aktien der Meinl International Power (MIP), bei der Grasser nach seinem Ausscheiden aus der Politik ein wesentlicher Akteur war. Der mitangeklagte Grasser-Trauzeuge und Ex-FPÖ-Generalsekretär Walter Meischberger meinte bei der Hauptverhandlung heute im Wiener Straflandesgericht, er habe selber seinem Freund Grasser mit Stimmen bei der Hauptversammlung helfen wollen. Davon habe Grasser aber gar nichts gewusst. Grasser sagte heute, er habe mit Meischberger nie über so etwas gesprochen. Das Vorhaben sei aber dann gescheitert, weil trotz eines "Securities Lending Vertrags" die Wiener Kontrollbank den Namen des tatsächlich wirtschaftlich Berechtigten habe wissen wollen, sagte Wicki.

Der Privatbeteiligtenvertreter der CA Immo, Johannes Lehner, stellte zum Ende der heutigen Hauptverhandlung noch zahlreiche Fragen an Wicki - die dieser aber unter Verweis auf sein Entschlagungsrecht als Angeklagter nicht beantwortete. Nur wenn die Richterin die Fragen wiederholte bzw. einen Aspekt aufgriff war Wicki zu einer Antwort bereit.

Lehner wollte etwa wissen, warum Wicki auf das Konto bei der Catherine Participation-Briefkastengesellschaft, das laut Wicki Grassers Schwiegermutter Giori-Lhota gehört, einen Kredit zur Firmengründung zurückgezahlt habe, aber in Wertpapieren. "Hat sie zugestimmt, dass sie damit ein Risiko trägt?"fragte er nach. Und er hätte nachgerechnet, dass Wicki auf eine Darlehenssumme von 100.000 Euro nur Zinsen von 2,5 Prozent jährlich gezahlt habe - obwohl er selber sagte, er habe den Kredit "großzügig" zurückgezahlt. "Sie hat mir 100.000 gegeben und nur 100.000 zurückerwartet", meinte Wicki zu dem Vorhalt.

Weiters hakte Lehner nach, wer die Dividende aus den Meinl International Power-Aktien auf dem Mandarin-Konto erhalten habe, die mit 500.000 Euro von einem Konto Meischbergers, wo ein Teil der Buwog-Provision lag, gekauft worden waren. Die Dividende blieb bei der Mandarin-Gesellschaft. Da schaltete sich auch die Richterin ein: Ob es dann überhaupt ein Treuhandverhältnis gewesen sei? Lehner machte schließlich eine Gesamtrechnung: Wenn Wicki auf das Mandarin-Konto selber rund 940.000 Euro in bar einbezahlt hatte, und - nach Abzug von Meischbergers Geld - nur mehr 719.000 Euro überblieben, sei das doch ein großes Verlustgeschäft für ihn gewesen.

Auch den Kreditvertrag Meischbergers mit der Mandarin schaute sich Lehner genau an - demnach haftete nämlich die Mandarin für die 500.000 Euro Rückzahlung an Meischberger. Damit hätten ja auch die anderen Vermögen auf dem Konto der Mandarin für die Rückzahlung gehaftet, so Lehner. Wicki versuchte zu beschwichtigen, der Kauf der MIP-Aktien sei ja kein Risiko gewesen, denn der "innere Wert" der Aktie sei so hoch gewesen. Woher habe er das eigentlich gewusst, wurde die Richterin neugierig, und wollte wissen, ob er mit Grasser darüber gesprochen habe - was Wicki allerdings verneinte.

Der Prozess geht nächste Woche am Mittwoch weiter. Nach letzten Fragen an Wicki wird noch Meischbergers früherer Anwalt Gerald Toifl einvernommen.

(APA)

Aufgerufen am 17.12.2018 um 12:42 auf https://www.salzburg24.at/news/welt/dicke-kuverts-und-leere-kreditkarten-im-grasser-prozess-60293218

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