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E-Autos bevorzugen: Geteilte Meinungen von Autoclubs und Naturschützern

ÖAMTC und ARBÖ erfreut, Verkehrsclub und Greenpeace mit Kritik. APA/dpa-Zentralbild/Jan Woitas
ÖAMTC und ARBÖ erfreut, Verkehrsclub und Greenpeace mit Kritik.

Nicht nur in der Salzburger Stadtpolitik, sondern auch bei den Autofahrerclubs stößt das Maßnahmenpaket der Bundesregierung mit Anreizen zur Förderung der Elektromobilität auf gemischte Reaktionen. ÖAMTC und ARBÖ waren grundsätzlich erfreut über die Pläne, während der Verkehrsclub Österreich (VCÖ) und Greenpeace die Vorhaben als "unzureichend" bis "negativ" kommentierten.

Zufrieden ist der ÖAMTC mit der Aufhebung des "Luft-Hunderters" bzw. "Luft-Achtzigers" für E-Fahrzeuge. "Wenn genügend emissionsfreie Fahrzeuge unterwegs sind, beeinflussen die übrigen Verbrenner die Luftqualität nicht mehr so stark und IG-L-Beschränkungen können aufgehoben werden", prognostizierte Bernhard Wiesinger, Chef der ÖAMTC-Interessenvertretung. Bedenken bezüglich der Verkehrssicherheit durch die Geschwindigkeitsunterschiede hat er nicht.

Öffnung der Busspur "nur temporäre Aktion"

Auch der Plan, Busspuren für Elektroautos zu öffnen, sei positiv. "Erfahrungen aus anderen Ländern zeigen, dass diese Maßnahme für Autofahrer in Städten ein besonders großer Anreiz ist, sich ein E-Auto zu kaufen. Klar ist aber auch, dass es sich dabei nur um eine temporäre Aktion handeln kann", betonte Wiesinger. In Oslo wurde etwa 2017 die uneingeschränkte Benützung von Busspuren für E-Autos wieder aufgehoben, weil diese durch die vielen Fahrzeuge verstopft wurden - jetzt müssen dafür mindestens zwei Personen im Fahrzeug sitzen.

Der ARBÖ lobte insbesondere die geplante Regelung, Elektroautos von der Temporeduktion nach dem Immissionsschutzgesetz-Luft auszunehmen. "Nachdem ein Elektroauto keine Emissionen erzeugt, ist die Temporeduktion auch nicht nachvollziehbar", teilte ARBÖ-Generalsekretär Gerald Kumnig mit. Auch E-Autos von den Parkregelungen auszunehmen sei nicht nur kostengünstig, sondern auch ein echter Anreiz für den Umstieg.

Es dürfte jedoch nicht auf jene Personen vergessen werden, die sich kein Elektroauto leisten können, oder für die ein Elektroauto schlichtweg ungeeignet ist: "Es wäre der falsche Weg, diese Personen durch höhere Steuern oder andere Maßnahmen wie Fahr- und Zulassungsverbote oder eine generelle Temporeduktion auf den Autobahnen zu bestrafen. Zielführender wäre, zusätzlich zum E-Mobilitätspaket eine Verschrottungsprämie einzuführen", forderte der ARBÖ-Generalsekretär.

VCÖ spricht bei Maßnahmenpaket von "Enttäuschung"

"Für das Ziel, die Energiewende im Verkehr zu beschleunigen, sind die heute präsentierten Maßnahmen eine Enttäuschung. Sie bringen wenig für die E-Mobilität, haben aber zahlreiche negative Seiteneffekte", kritisierte Markus Gansterer vom Verkehrsclub (VCÖ). Durch die Öffnung von Busspuren für E-Autos würden den Fahrgästen mehr Verspätungen drohen. Die Erlaubnis für E-Pkw, in IG-L-Abschnitten 130 statt 100 km/h fahren zu dürfen, kann den Verkehrsfluss verschlechtern, das Unfallrisiko erhöhen, die Tempokontrollen erschweren und zu einem höheren Verwaltungsaufwand führen, warnte der Experte.

Der VCÖ wies darauf hin, dass auch E-Autos durch Aufwirbelung, Brems- und Reifenabrieb Feinstaub verursachen. Laut aktuellem Emissionsbericht des Umweltbundesamts werden 58 Prozent der PM10-Feinstaub-Emissionen des Verkehrs durch Aufwirbelung, Brems-und Reifenabrieb verursacht. "Mit dem Tempo nimmt die Aufwirbelung zu", erläuterte Gansterer. In Zukunft werde die linke Spur im IG-L-Abschnitt vor allem E-Autos vorbehalten sein, den anderen Fahrzeugen stehe somit weniger Platz zur Verfügung. Dabei gibt es laut VCÖ in Österreich derzeit nur knapp 19.000 E-Autos und mehr als 4,9 Millionen Benzin- und Diesel-Pkw.

Greenpeace: "Regierung setzt auf falsches Pferd"

Auch Greenpeace sieht die Maßnahmen als "vollkommen unzureichend und in manchen Punkten sogar kontraproduktiv" an, um die Mobilitätswende zu realisieren. "Diese kleinen Anreize für E-Mobilität sind der Größe der Herausforderung nicht ansatzweise gewachsen. Um die Klimakatastrophe abzuwenden, müsste binnen zehn Jahren ein Verkaufsstopp für neue Diesel und Benziner kommen", kritisierte Klimaexperte Adam Pawloff. "Das E-Mobilitätspaket bedeutet, dass in Zukunft E-Autos mit Bussen um begrenzten Straßenraum konkurrieren. In Wahrheit müssten wir aber den öffentlichen Verkehr stärken - hier setzt die Regierung auf das falsche Pferd."

Der Bundesverband Elektromobilität Österreich (BEÖ) forderte in einer Aussendung, dass E-Autos im Verhältnis zu Benzin- oder Dieselautos billiger werden. Eine Befreiung von der Umsatzsteuer wäre wünschenswert. Der Fachverband der Gas- und Wärmeversorgungsunternehmungen (FGW) forderte unterdessen eine Gleichstellung von Gas- mit E-Mobilität. Erdgasfahrzeuge seien "sauber, sicher und günstig" und hätten über den gesamten Lebenszyklus sogar eine bessere CO2-Bilanz als E-Autos.

(APA)

(Quelle: S24)

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