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Ein Jahr Corona

So geht es den einstigen Musterschülern

Österreich zählte zu den frühen Gewinnern

Coronavirus Pixabay
Das Coronavirus verändert den Menschen selbst und alle seine Lebensbereiche.

Seit einem Jahr beschäftigt die Welt das Coronavirus. So geht es den einstigen "Musterschülern" heute. Wie es um Österreich steht, ist uns ja bekannt.

Die Corona-Musterschüler

Sie galten im vergangenen Frühjahr bei der raschen Reaktion auf die Ausbreitung des Coronavirus weltweit als Musterschüler: Österreich, Israel, Tschechien, Australien, Neuseeland, Dänemark, Griechenland und Norwegen. Die selbst ernannten "smarten First-Mover-Countries" beraten seitdem regelmäßig miteinander. Ein Jahr nach Beginn der Pandemie fällt die Bilanz in den Ländern sehr unterschiedlich aus, manche eher Abschreckbeispiel geworden sind. Was hat die Kooperation gebracht?

Der Lack ist ab

Die Initiative zum ersten virtuellen Treffen der Länder am 24. April ging von Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) aus. Die bunte Mischung der völlig unterschiedlichen Länder ergab sich daraus, dass es diesen Ländern in der ersten Welle ähnlich gut gelugen war, durch sehr früh gesetzte strikte Maßnahmen die Ausbreitung des Virus einzudämmen. zwischendurch waren auch Singapur und Costa Rica in dem erlauchten Kreis dabei. Mittlerweile verbindet den bunten Haufen kaum mehr etwas.

Strikte Maßnahmen greifen

Während Australien und Neuseeland weiterhin relativ gut durch die Pandemie kommen, was den strikten Maßnahmen aber zu einem guten Teil auch der geografischen Lage der Inselnationen geschuldet ist, haben vor allem Israel, Tschechien und Israel eine sehr durchwachsene Bilanz vorzuweisen. Die Länder reagierten in der zweiten Welle mit Maßnahmen deutlich zögerlicher als in der ersten Welle und haben bis heute mit den Folgen zu kämpfen. Wochenlange Lockdowns brachten die Zahlen nicht wie gewünscht nach unten. Israel. Tschechien ist nach wie vor EU-weit das Land mit den zweithöchsten Infektinszahlen gemessen an der Einwohnerzahl.

Zuletzt berieten die Länder Mitte Jänner per Video über die Pandemie-Bekämpfung und die Impfstrategien der unterschiedlichen Länder.

Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) beriet erstmals am 24. April mit seinen Amtskollegen aus Neuseeland, Australien, Israel, Dänemark, Griechenland und Tschechien. Damals wurde eine ein Dialog auf Expertenebene vereinbart, um gemeinsam nach Impfstoffen und Medikamenten zu forschen. Zwei Wochen später waren auch Singapur und Norwegen dabei, beraten wurde laut Bundeskanzlermat über regionale Maßnahmen, um eine zweite Infektionswelle auszuschließen. In der Folge stieß auch Costa Rica zu der Runde der sogenannten "smarten" Länder dazu. Die Staaten, die sich in dem Format zuletzt Ende Juli austauschten, stehen laut Bundeskanzleramt weiterhin im laufenden Austausch sowohl auf Beamten- als auch auf Expertenebene.

Konkrete Ergebnisse hat das Gesprächsformat wenige vorzuweisen. Laut Bundeskanzleramt wurde bisher in erster Linie ein intensiver gegenseitiger Informationsaustausch vereinbart und durchgeführt sowie vertiefende Gespräche auf Expertenebene etwa zu einer verstärkten wissenschaftlichen Kooperation oder den Umgang mit der Pandemie in Schulen. Österreich könne von einem möglichst intensiven internationalen Informations- und Erfahrungsaustausch nur profitieren, heißt es, denn "die verschiedenen hier vertretenen Länder befinden sich in unterschiedlichen Stadien der Pandemiebekämpfung und bringen Best Practice Beispiele sowie teils andere Erfahrungswerte ein".

Tatsächlich verlief die Entwicklung seit dem Frühjahr sehr unterschiedlich. Ein Überblick:

Bestätigte Infektionen insgesamt: 28.905, Tote: 909, 14-Tage-Inzidenz: 0,32, Impfrate: k. A.

Australien ist im internationalen Vergleich relativ glimpflich durch die Corona-Pandemie gekommen. Das 25-Millionen-Einwohner-Land verzeichnete insgesamt 28.900 Fälle und rund 900 Tote im Zusammenhang mit dem Coronavirus. Nach der erfolgreichen Eindämmung der Pandemie im Frühjahr wurden lokale Cluster immer wieder mit raschen und harten regionalen Lockdowns bekämpft. Schon im Juli wurden wochenlange Beschränkungen mit nächtlichen Ausgangssperren im Bundesstaat Victoria mit der Millionenstadt Melbourne verhängt. Im Herbst halt das Virus wochenlang als verschwunden, bis Mitte Dezember neue Fälle in Sydney ausbrachen und umgehend ein regionaer Lockdown und Reisebeschränkungen zwischen den Regionen verhängt wurden. Seit März blieben auch die Grenzen des Kontinents weitgehend dicht. Eine Öffnung der Grenzen ist auch nicht geplant. Ein freies Reisen seit im Jahr 2021 trotz Impfungen nicht zu erwarten, erklärte der medizinische Chefberater der australischen Regierung, Brendan Murphy im Jänner.

Bestätigte Infektionen insgesamt: 205.486, Tote: 2.302, 14-Tage-Inzidenz: 109, Impfrate: 2,9%

Dänemark war eines der ersten europäischen Länder, das Anfang März bereits strikte Corona-Maßnahmen setzte und die Grenzen schloss. Auch bei der Öffnung war das Land ganz vorne dabei und begann anders als andere Länder zuerst im Bildungsbereich. Bis zum Spätherbst kam das Land sehr gut durch die Pandemie. Im November begannen die Infektionszahlen dann aber rasant zu steigen. Dänemark war eines der ersten EU-Länder, in denen sich die britische Variante des Coronavirus verbreitete. Sorge bereitete zugleich eine mutierte Form des Coronavirus bei Nerzen, die auf Menschen übertragen wurde. Mehr als 15 Millionen Nerze wurde getötet. Nach Höchstwerten bei den täglichen Neuinfektionszahlen im Dezember sind die Coronazahlen in dem nordeuropäischen Land mittlerweile wieder deutlich zurückgegangen. Die 14-Tage-Inzidenz liegt derzeit knapp über 100. Auch das Impfen geht im europäischen Vergleich relativ zügig voran.

Bestätigte Fälle: 38.658, 767 Tote, aktiv erkrankt: 8.375

Auch Österreichs Image als Vorzugsschüler bei der Eindämmung der Pandemie hat in den vergangenen Wochen Kratzer bekommen, seitdem die Infektionszahlen wieder ansteigen. Mit 105,7 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner in den vergangenen 14 Tagen steht das Land im Moment im EU-Vergleich etwa deutlich schlechter als Deutschland, Schweden oder Italien da.

Bestätigte Infektionen insgesamt: 172.824, Tote: 6.152, 14-Tage-Inzidenz: 112, Impfrate: 1,6%

Griechenland steht im EU-Vergleich zahlenmäßig relativ gut da. Dennoch befindet sich das Land mit seinen rund elf Millionen Einwohner wegen zuletzt sprunghaft angestiegenen Infektionszahlen seit einer Woche erneut in einem harten Lockdown. Die Regierung warnte vergangene Woche eindringlich vor einer der dritten Infektionswelle. Das griechische Gesundheitssystem, das nach der jahrelangen schweren Finanzkrise des Landes nicht besonders gut aufgestellt ist, steht unter Druck. Die Regierung hatte deshalb von Beginn der Pandemie an im Vergleich zu anderen EU-Staaten einen verhältnismäßig harten Kurs gefahren.

Israel

Bestätigte Infektionen insgesamt: 730.293, Tote: 5.414, 14-Tage-Inzidenz: 1.149, Impfrate: 29,4%

Israel ist das Land der Extreme: Kaum ein Land kam so gut durch die erste Corona-Welle im Frühjahr, aber auch kaum ein Land verzeichnete so hohe Infektionszahlen im Verhältnis zur Einwohnerzahl in der folgenden Welle. Die Infektionszahlen sind nach wie vor sehr hoch, mittlerweile macht das Land aber vor allem als Impfweltmeister internationale Schlagzeilen. Der Preis dafür ist eine mit Pfizer vereinbarte Übermittlung von Impfdaten an den Pharmakonzern.

Trotz bisher des dreimaligen wochenlangen harten Lockdowns und einer massiven Impfkampagne gehen die Zahlen der Neuinfektionen nur sehr langsam zurück. Vor einer Woche begannen trotz hoher Infektionszahlen Lockerungen der strikte Maßnahmen. Die massive Impfkampagne zeigt nur langsam Erfolge. So liegt die 14-Tage-Inzidenz immer noch bei über 1.100 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner, allerdings geht die Zahl der Neuinfektionen bei den über 60-Jährigen deutlich zurück. Bisher sind bereits mehr als ein Viertel der rund 9,3 Millionen Israelis geimpft. Knapp vier Millionen Israelis wurden laut offiziellen Angaben geimpft worden, davon rund 2,6 Millionen schon zum zweiten Mal. Rund 30 Prozent der israelischen Bevölkerung ist jünger als 16 Jahre, diese Gruppe wird vorerst nicht geimpft.

Neuseeland

Bestätigte Infektionen insgesamt: 2.337, Tote: 26, 14-Tage-Inzidenz: 0,7, Impfrate: 0%

Neuseeland gehört nach wie vor zu den weltweit erfolgreichsten Ländern bei der Eindämmung der Pandemie. Nach dem guten Start und einem strikten Lockdown im Frühjahr reagierte die Regierung von Premierministerin Jacinda Ardern auch auf einen neuen Infektionsherd Mitte August in der größten Stadt Auckland rasch mit erneute rigiden Maßnahmen. Die Grenzen des abgelegenen Inselstaates blieben geschlossen. Alle Einreisende müssen sich nach der Einreise für zwei Wochen in staatlichen Einrichtungen in Quarantäne begeben.

In dem Inselstaat mit fünf Millionen Einwohnern wurden seit Beginn der Pandemie nur 2.337 Infektionen nachgewiesen, insgesamt starben 26 Menschen im Zusammenhang mit Covid-19. Zwischen Mitte November und Ende Jänner wurde kein einziger Infektionsfall registriert. Die Neuseeländer konnten daher mit großen Musikfestivals ohne Corona-Einschränkungen den Jahreswechsel feiern. Mit dem benachbarten Australien wurde ein quarantänefreies Mit den Impfungen beginnt das Land erst diese Woche ab Samstag. Am Montag erreichten die ersten Dosen des Impfstoffs von Biontech und Pfizer das Land.

Norwegen

Bestätigte Infektionen insgesamt: 66.854, Tote: 593, 14-Tage-Inzidenz: 69, Impfrate: 1,3%

Norwegen ist bisher relativ gut durch die Corona-Krise gekommen, die Infektionsraten zählen seit langem zu den niedrigsten Europas. Das Land verhängte anders als das Nachbarland Schweden von Beginn an strikte Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus und ein strenges Grenzregime. Zuletzt sorgte ein Ausbruch der britischen Coronavirus-Variante in einem Pflegeheim nahe Oslo zu Bedenken und strikten Maßnahmen in der Hauptstadtregion geführt.

Tschechien

Bestätigte Infektionen insgesamt: 1.090.860, Tote: 18.250, 14-Tage-Inzidenz: 914, Impfrate: 1,5%

Das nordöstliche Nachbarland von Österreich hat sich in den vergangenen Wochen vom Musterland zu einem der größten Sorgenkinder Europas entwickelt. Während im März rasch und mit strikten Maßnahmen wie einer Maskenpflicht im gesamten öffentlichen Raum auf die ersten bestätigten Fälle reagiert wurde, zögerte die tschechische Regierung im August trotz steigender Infektionszahlen zunächst. Erst spät wurden die unpopulären Maßnahmen wieder verschärft. Das 10,6-Millionen-Einwohner-Land meldete vergangene Woche Rekordzahlen bei der Zahl der täglichen Neuinfektionen jenseits der 2.000er-Marke. Laut der EU-Gesundheitsagentur ECDC hat Tschechien innerhalb der EU bei der Zahl der Neuinfektionen mit 198 pro 100.000 Einwohner in den vergangenen 14 Tagen mittlerweile Frankreich überholt und liegt an zweiter Stelle hinter Spanien.

Costa Rica

Bestätigte Infektionen insgesamt: 200.024, Tote: 2.730, 14-Tage-Inzidenz: 131, Impfrate: 0,9%

Costa Rica galt lange als Zentralamerikas Musterschüler im Kampf gegen die Corona-Pandemie. Seit Anfang Juli kämpft das Land aber mit einem rasanten Wachstum der Infektionszahlen. Seit Ende August liegt die Zahl der täglichen Neuinfektionen in dem knapp Fünf-Milionen-Einwohner-Land bei mehr als 1.000. Insgesamt gab es bisher 65.602 bestätigte Infektionen, mehr als die Hälfte davon gelten als aktive Fälle. 745 Infizierte mit Covid-19 starben bisher.

Singapur

Bestätigte Infektionen insgesamt: 59.809, Tote: 29, 14-Tage-Inzidenz: 6,7, Impfrate: 0,1%

Der Stadtstaat mit seinen 5,8 Millionen Einwohnern galt lange Zeit als positives Beispiel. Die ersten Infektionen traten in Singapur Anfang Februar auf, bei allen Fällen gab es ein en direkten Bezug zu China. Das Land hatte die ersten Infizierten sofort isoliert, Infektionsketten minutiös nachverfolgt und alle Kontaktpersonen unter Quarantäne gestellt. Die Auswertung von Standortdaten wurde bei der Durchsetzung von Ausgangssperren genutzt. So gelang es, die Fallzahlen trotz der Nähe zu China äußerst niedrig zu halten - obwohl Schulen und Geschäfte zunächst offen blieben. Ein Anstieg der Infektionszahlen im April konnte durch restriktive Maßnahmen binnen weniger Wochen wieder eingedämmt werden. Seit Wochen liegt die Zahl der täglichen Neuinfektionen bei weniger als hundert. Derzeit gibt es nur 338 aktive Fälle. Ins Auge sticht vor allem die niedrige Todesrate in Singapur: Trotz insgesamt 57.606 bestätigten Infektionen seit Pandemie-Beginn gibt es nur 27 bestätigte Todesopfer.

(Quelle: APA)

Aufgerufen am 16.06.2021 um 01:19 auf https://www.salzburg24.at/news/welt/ein-jahr-coronavirus-so-geht-es-den-einstigen-musterschuelern-99906829

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