Jetzt Live
Startseite Welt
Welt

Europol-Terrorismusbericht 2018: Mehr Angriffe mit weniger Opfern

Der Terrorismus-Bericht spricht von mehr Anschlägen, aber weniger Toten. (Symbolbild) APA/dpa/Christoph Schmidt
Der Terrorismus-Bericht spricht von mehr Anschlägen, aber weniger Toten. (Symbolbild)

Gute und schlechte Nachrichten hat die EU-Polizeiagentur Europol in ihrem neuen Terrorismus-Bericht: So ist die Zahl der Terrorattacken 2017 um 45 Prozent gestiegen. Gleichzeitig gab es weniger als halb so viele Tote, erläuterten die neue Europol-Direktorin Catherine de Bolle und Manuel Navarrete, Chef des European Counter Terrorism Centre (ECTC).

Der Bericht wurde am Mittwoch veröffentlicht und in Den Haag präsentiert. Die Daten darin beziehen sich durchgehend auf durchgeführte, vereitelte und gescheiterte Angriffe. Demnach stieg diese Zahl von 142 im Jahr 2016 auf 205. Dabei kamen im Vorjahr 68 Menschen ums Leben, 844 wurden verletzt. 2016 waren es 142 Tote, aber mehr als die Hälfte weniger Verletzte, nämlich 379.

62 Tote auf Konto von Jihadisten

62 der 68 Toten im Jahr 2017 gingen auf das Konto von Jihadisten, die aber nur für 16 Prozent aller Anschläge verantwortlich gemacht wurden. Für rund zwei Drittel der tatsächlich durchgeführten, gescheiterten oder verhinderten Attacken waren demnach Separatisten verantwortlich. "Jihadistische Anschläge kosten mehr Menschenleben als andere", fasste De Bolle die Ergebnisse vor Journalisten zusammen. Nicht zuletzt deshalb erregen sie auch deutlich mehr Aufmerksamkeit als andere Attacken.

Festnahmen im Zusammenhang mit jihadistischem Terror, Anschl?ge mit Todesopfern 2017 - Karte; Entwicklung Zahl der Festnahmen 2013-2017 GRAFIK 0656-18, 88 x 188 mm Salzburg24
Festnahmen im Zusammenhang mit jihadistischem Terror, Anschl?ge mit Todesopfern 2017 - Karte; Entwicklung Zahl der Festnahmen 2013-2017 GRAFIK 0656-18, 88 x 188 mm

48 Terrorverdächtige in Österreich geschnappt

Die weitaus meisten versuchten oder tatsächlich durchgeführten Angriffe verzeichnete erneut Großbritannien mit 107, gefolgt von Frankreich (54), Spanien (16), Italien (14) und Griechenland (8). Belgien und Deutschland registrierten jeweils zwei Angriffe, Finnland und Schweden je einen. Europol zufolge wurden im Vorjahr in den EU-Mitgliedsstaaten 975 Terrorverdächtige gefasst, 48 davon in Österreich. Das Niveau der Festnahmen blieb damit in etwa gleich wie 2016, als 1.002 Verdächtige gefasst wurden.

Den Rückgang bei den Todesopfern führte Navarrete vor Journalisten in Den Haag darauf zurück, dass die Attacken "weniger anspruchsvoll" und mit weniger Vorlaufzeit geplant sind. "Wir haben mehr hausgemachte Anschläge", sagte er. Diese haben zwar meist weniger Opfer zur Folge, seien aber für die Polizeibehörden nur sehr schwer zu verhindern.

"Foreign Fighters" weiterhin größte Gefahr

Die größte Gefahr geht für die Europol-Experten aber nach wie vor von den sogenannten "Foreign Fighters" aus, also jenen, die für die Jihadistenmiliz "Islamischer Staat" (IS) in Syrien und im Irak gekämpft haben und in ihre Heimatländer zurückkehren oder das bereits getan haben. Navarrete räumte ein, dass hier auch das Bild sehr unvollständig ist, das die Polizeibehörden haben. Nach Schätzungen sind etwa 5.000 Menschen aus EU-Ländern für den IS in den Krieg gezogen, heißt es im Bericht. Ende 2017 sollen demnach noch 2.500 für den IS gekämpft haben. 1.500 dürften zurückgekehrt und 1.000 getötet worden sein.

"Aber wir wissen noch immer nicht genau, wie viele wirklich getötet worden sind", betonte der ECTC-Chef. Einige dürften auf andere jihadistische Kriegsschauplätze wie Indonesien und Libyen abgewandert sein. "Und einige sitzen vermutlich in Syrien im Gefängnis."

Verhältnis zu Großbritannien weiter unklar

Einer der Hauptangriffspunkte für Europol im Kampf gegen den jihadistischen Terrorismus ist die Propaganda: Navarrete sagte, dass die Terroristen etwa 150 Plattformen zur Verbreitung ihrer Thesen und zur Rekrutierung neuer Kämpfer nutzen. Dabei gibt es auch spezifisch an Frauen gerichtete Botschaften. Dass dies durchaus Erfolg zeigt, wissen gerade die österreichischen Strafverfolgungsbehörden nur zu gut. Hierzulande gab es einige Fälle von Frauen und teils minderjährigen Mädchen, die in das Kriegsgebiet gezogen sind oder dies zumindest tun wollten. "Wir nehmen diese Propaganda aus dem Netz", betonte Navarrete.

Unklar bleibt unterdessen, wie das Verhältnis der Briten nach dem Brexit zu Europol sein wird. Derzeit arbeiten rund 60 Staatsbürger des Vereinten Königreichs bei der Polizeiagentur in Den Haag. "Über ihre Zukunft und die Frage der zukünftigen Beziehungen zum Vereinten Königreich wird auf politischer Ebene entschieden", sagte De Bolle. Sie wies auf die wichtige Rolle Großbritanniens bei Europol hin. "Eine starke Beziehung ist wichtig für die innere Sicherheit der EU, Großbritanniens und nicht zuletzt der EU-Bürger, die dort leben."

(APA)

(Quelle: S24)

Aufgerufen am 20.06.2019 um 07:54 auf https://www.salzburg24.at/news/welt/europol-terrorismusbericht-2018-mehr-angriffe-mit-weniger-opfern-58488328

Kommentare

Mehr zum Thema