Jetzt Live
Startseite Welt
Welt

Ex-Hypo-Banker: Asset-Screening erzwang Verstaatlichung

Blick in den Sitzungssaal des Hypo-U-Ausschusses Salzburg24
Blick in den Sitzungssaal des Hypo-U-Ausschusses

Der ehemalige Chef der Österreich-Tochter der Hypo Alpe Adria , Kurt Makula, hat am Dienstag im U-Ausschuss mit Aussagen zur Verstaatlichung aufhorchen lassen. Die Hypo-Eigentümerin BayernLB habe mit dem Asset-Screening "die Schieflage herbeigeführt", die dann "letztlich zu der Verstaatlichung geführt hat", sagte er vor den Abgeordneten.

Das Asset Screening der Hypo-Vermögenswerte durch einen neuen Wirtschaftsprüfer habe zu "möglichst vielen Wertberichtigungen" geführt und der Hypo Alpe Adria "den gesamten Spielraum genommen". Die Wertberichtigungen seien "mit Schema F" über alle Bereiche gemacht worden, übte er Kritik an den Prüfern. Ob die BayernLB der Hypo absichtlich schadete, darüber wollte Makula nicht spekulieren. "Bewusst oder unbewusst will ich niemandem unterstellen."

Die Monate im Herbst 2009 bis zur Verstaatlichung der Hypo Alpe Adria beschrieb der ehemalige Banker als höchstdramatisch. Die Hypo habe "in sechs Monaten ein Drittel ihrer Kundeneinlagen aus sämtlichen Kundenschichten verloren". "Es war sehr schlimm im Bereich der vermögenden Privatkunden und institutionellen Kunden." Die Verstaatlichung sei in diesen Monaten als "Rettungsanker" herumgeschwungen. Man habe "jeden Tag ums Überleben gekämpft".

Zweifel äußerte der Ex-Hypo-Banker an der Rolle der Wirtschaftsprüfer: Sie hätten den Swap-Verlust von 330 Mio. Euro zwischen 2004 und 2006 bemerken müssen. Er selbst wurde als damaliger Chef der Hypo-Bosnien-Tochter erst einen Tag vorher informiert, bevor es Ende März 2006 in der Zeitung stand. "Der Umgang damit ist so nicht korrekt. Das hätte man anders machen müssen." Den Umgang mit dem Swap-Verlust hätten die Eigentümer entschieden, weil sie offenbar "sehr nahe" an einem Abschluss mit einem möglichen Käufer gewesen seien, so Makula.

Viele Fragen offen gelassen hat am Dienstag hingegen die Befragung des früheren Hypo-Consultants-Managers Gerhard Süss. Der für die Hypo-Beteiligungen und -Projekte am Balkan zuständige Süss ließ besonders bei Fragen zu seiner Beratungstätigkeit nach seiner Hypo-Zeit konkrete Antworten vermissen.

Süss war bis April 2006 Geschäftsführer der Hypo Consultants, Tochter der Hypo Bank International. Diese war jedoch nicht, wie dem Namen entsprechen würde, für die Beratung zuständig, sondern in ihr waren Beteiligungen und Projekte gesammelt.

Als die Consultants von der Hypo-Gruppe verkauft werden sollte, wollte Süss im Herbst 2006 mit Hypo-Vorstand Günter Striedinger zuschlagen, kam jedoch nicht zum Zug. Die gemeinsame Gesellschaft von Süss und Striedinger namens Rubicon habe einen Euro geboten, sagte Süss am Dienstag. Dies begründete er damit, dass in den Consultants noch zahlreiche Projekte mit Risiken enthalten gewesen seien. Schließlich wurde die Hypo Consultants verkauft, die Kredite blieben jedoch in der Hypo-Bank: Die Projekte mit den Sicherheiten waren weg, wie einige Abgeordnete im U-Ausschuss empört feststellten.

Nach seiner Hypo-Berufstätigkeit entfaltete Süss umfangreiche Aktivitäten als Berater für jene Projekte, die er zuvor in der Hypo Consultants verwaltet und betreut hatte. Sowohl als Mitgesellschafter der Rubicon als auch über die Gesellschaften "Templaris" und "Opportunities Southeast" war Süss als Berater tätig. NEOS-Abgeordneter Rainer Hable rechnete dem Zeugen vor, dass alleine aus drei Falkensteiner-Tourismusprojekten in Kroatien jährlich eine Million Euro Beratungsgelder an diese Gesellschaften geflossen seien. Die Hypo hingegen habe mit diesen drei Projekten über 100 Mio. Euro Verlust gemacht.

Süss konnte sich nicht erinnern, wofür genau die Zahlungen erfolgt waren und warum etwa die mit Beratungen beauftragte Templaris der Rubicon wiederum einen Subauftrag für Beratungen vergeben habe.

Eines wusste Süss jedenfalls ganz genau: Er habe nur mit anständigen Leuten Geschäfte gemacht, und bei ihm habe nie ein Politiker - weder in Kärnten noch sonst irgendwo - interveniert. Bei der Befragung erklärte er dann, er habe auch mit dem kroatischen General Vladimir Zagorec Geschäfte gemacht. Zagorec war im März 2009 in Kroatien wegen Amtsmissbrauch und Veruntreuung zu sieben Jahren Haft verurteilt worden.

Süss selber ist Angeklagter und Beschuldigter im Zusammenhang mit der Causa Hypo. Ihm wird Veruntreuung bei Krediten vorgeworfen.

Makula zeigte sich im Gegensatz zu Süss deutlich selbstkritischer: "Wir waren von Erfolgen verwöhnt." Die Eigentümer der Hypo Alpe Adria und die Vorstände hätten nach der Kritik der Bankenprüfer "mit beiden Füßen auf die Bremse steigen sollen. "Es haben viele Leute im Unternehmen Handlungsbedarf gesehen, konnten aber nichts ändern."

Makula war seit 1993 bei der Hypo, von 2002 bis 2004 Hypo Consultants-Geschäftsführer, dann bis Ende 2007 Chef der Hypo-Tochter in Bosnien und später von 2008 bis Ende 2010 Vorstandschef der Hypo Österreich. Seit seinem Ausscheiden aus der Hypo Alpe Adria ist er als Vollerwerbslandwirt tätig.

"Mir hat oft das Herz geblutet", etwa beim Verkauf der Hypo Consultants Gruppe, so Makula. Er sei beim Consultants-Verkauf nur "teilweise eingebunden" gewesen. "Wir wurden mit dem fertigen Beschluss konfrontiert, wer der Käufer ist." Der Verkaufsprozess sei über die ASP Consulting von Alon Shklarek gelaufen, der auch dann 6 Mio. Provision erhalten habe. Nachdem die Kredite der Hypo an die Hypo Consultants bei der Bank verblieben, hätte der Kaufpreis höher ausfallen müssen.

Makula betonte, dass es nie eine Zielsetzung der Beteiligungsgesellschaft Hypo Consultants war, "faule Kredite" von Hypo-Projekten zu übernehmen. "Fakt ist, dass das passiert ist." Später wurde die Einheit als Sanierungseinheit für notleidende Kredite gesehen. Weil die Projekte aus den Bankbilanzen herausgekommen seien, mussten sie nicht wertberichtigt werden, erklärte der Ex-Manager auf Abgeordneten-Nachfrage.

Am späten Nachmittag ließ Makula im Hypo-U-Ausschuss kurz aufhorchen. Als ihm der Grüne Werner Kogler einen Bericht vorlegte, wonach Makula als "Problem" weil "unkorrumpierbar" eingestuft wurde, wollte er sich zunächst dazu nicht äußern. Erst nach sichtlichem Zögern und mehrmaliger Nachfrage kommentiert der Zeuge: "Kriminelle vor Ort wollten mich entfernen lassen", meinte der Ex-Hypo-Manager ruhig. Er habe nämlich keine Kredite an Günstlinge vergeben wollen.

(Quelle: S24)

Aufgerufen am 14.04.2021 um 02:04 auf https://www.salzburg24.at/news/welt/ex-hypo-banker-asset-screening-erzwang-verstaatlichung-48357637

Kommentare

Mehr zum Thema