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Pkw zurückgedrängt

Wie Kopenhagen zur "Fahrrad-Hauptstadt" wurde

Verkehrspolitik aus Sicht der Radfahrer

Im dänischen Kopenhagen wird mehr geradelt als sonst wo: Indem man den Autos den Platz wegnahm und die Radinfrastruktur förderte, stiegen immer mehr Dänen auf das Fahrrad um. Wir haben uns angesehen, wie eine Stadt aussieht, die das Fahrrad als Verkehrsmittel in den Mittelpunkt rückt.

Kopenhagen setzt seit den 1970er-Jahren auf das Fahrrad als platzsparendes Verkehrsmittel. Mittlerweile pendeln 45 Prozent der Einwohner mit dem Rad zur Arbeit. Im Binnenverkehr – also die Wege, die Einwohner innerhalb der Stadt zurücklegen – liegt der Anteil sogar bei 61 Prozent. Durch das Zurückdrängen des Autos wurde mehr Platz zur Erholung in der dänischen Hauptstadt frei und Kopenhagen zum weltweiten Vorzeigeprojekt in Bezug auf den Radverkehr.

 

Kopenhagen gibt Radfahrern Vorrang

Wie aber schafften es die Dänen, Kopenhagen zu einer so fahrradfreundlichen Stadt auszubauen? Die Entscheidung dazu fiel bereits im Jahr 1973 als die Stadt anfing, in der Verkehrspolitik zunehmend den Fokus auf die Radfahrer zu legen. In den 1980er-Jahren setzten sich die Fahrrad-Aktivisten in Kopenhagen für baulich getrennte Radrouten entlang von Hauptverkehrsstraßen ein. Somit blieb das Rad gegenüber dem Auto konkurrenzfähig in Bezug auf Zeit und Aufwand.

Pkw-Verkehr unattraktiv gemacht

Anfangs wurden diese Vorhaben nur zögerlich umgesetzt, dann forcierte die Stadt den Ausbau des Radverkehrs. Durch eine jährliche Reduzierung des Parkraums für Autos von drei Prozent wurden Ressourcen und Flächen für den Radverkehr gewonnen. Außerdem wurden hohe Parkgebühren eingeführt, die dem Auto die Attraktivität nahmen. Wichtiger noch als die finanziellen Zugeständnisse an die Radfahrer war allerdings die politische Wertschätzung ihnen gegenüber. Das motivierte noch mehr Menschen, den Drahtesel zu bevorzugen, berichtet der Fahrrad-Blog Diamantrad.

Genaue Analyse des Radverkehrs

In den 1990er-Jahren begann die Stadt, den Radverkehr durch Erhebungen systematisch zu durchleuchten. Im Binnenverkehr – also die Strecken, die die Einwohner innerhalb des Stadtgebietes zurücklegen – stieg der Radverkehrsanteil 2004 auf 41 Prozent, aktuell sind es sogar 63 Prozent. Das Radwegnetz in Kopenhagen wurde kontinuierlich ausgebaut und umfasste 2010 fast 400 Kilometer.

20180829_PD1768.HR.jpg AFP/HO/Archiv
Der französische Präsident Emmanuel Macron (links) radelte bereits mit dem damaligen dänischen Ministerpräsident Lars Lokke Rasmussen (rechts) durch Kopenhagen.

Seit 1996 veröffentlicht die Stadt im Zwei-Jahres-Rhythmus den "Bicycle Account". Darin erhoben und aufgearbeitet werden allgemeine Daten zum Radfahren in Kopenhagen wie etwa der Höhe der Finanzmittel, die Qualität der Infrastruktur oder Unfalldaten.

Ambitionierte Ziele bis 2025

Im Dezember 2011 verabschiedete der Stadtrat die Fahrradstrategie bis 2025. Darin formuliert ist das Ziel, Kopenhagen zur weltbesten Fahrradstadt zu machen. Der Fokus liegt dabei auf Kernthemen: Stadtleben, Komfort, Geschwindigkeit und Sicherheit. Außerdem soll der Radverkehrsanteil auf Pendlerwegen auf über 50 Prozent steigen, wobei die zweijährigen Bicycle Accounts die Daten dazu liefern sollen.

(Quelle: SALZBURG24)

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