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Feiner Ausklang beim Musikfestival Grafenegg

Sir Simon Rattle überzeugte mit den Berliner Philharmonikern Salzburg24
Sir Simon Rattle überzeugte mit den Berliner Philharmonikern

Die Berliner Philharmoniker unter der Leitung ihres Chefdirigenten Sir Simon Rattle haben dem Musikfestival Grafenegg am Wochenende einen beglückenden Ausklang beschert. Am Sonntagabend ist die neunte Auflage des Festivals mit Werken von Mozart und Haydn zu Ende gegangen. 

Hatten die Berliner am Vorabend noch mit der voluminösen Vierten von Schostakowitsch und Brittens luziden Variationen über ein Thema von Frank Bridge imponiert, bot das zweite Konzert ein veritables Fest der Wiener Klassik. Vor der Pause war Mozarts "Sinfonia concertante" für Violine, Viola und Orchester Es-Dur KV 364 angesetzt. Von Beginn weg geriet sie als erfrischendes Unterfangen, bereits nach wenigen Takten sah man ein erfreutes Lächeln durch die Zuschauerreihen wandern. Damit war natürlich schon viel gewonnen. Mit Daishin Kashimoto und Amihai Grosz standen auch zwei hervorragende Solisten aus den eigenen Reihen zur Verfügung. Schön kamen die kontrastierenden Stimmungen der drei Sätze zur Geltung, überzeugend gestaltete Rattle jede einzelne Phrase mit liebevoller Zuwendung, und die Musiker folgten ihm in sichtlichem und hörbarem Konsens. 

Rattles Faible für Haydn ist um eine originelle Facette reicher. Aus einer Reihe bekannter und vor allem weniger bekannter Sätze hat er eine "imaginäre Orchesterreise" zusammengestellt, in einer "Art von Greatest Hits", wie er selbst formuliert, gleichsam einen Haydn-Readers-Digest. Enthalten waren u.a. das Schöpfungschaos und der Winter aus den "Jahreszeiten", das Erdbeben aus den "Sieben letzten Worten", der auch szenisch dargestellte Schlusssatz der Abschiedssymphonie sowie Zuspielungen von Flötenuhr-Stücken - ein Pasticcio, in dem sich Rattles Intention zufolge "alle Ideale der Aufklärung, Intelligenz, Respekt, Humor, Witz und Tiefgründigkeit vereinen".

Dramaturgisch besser und inhaltlich klüger könnte ein Festivalabschluss kaum programmiert werden. Das Publikum empfand es offenbar ebenso und zollte allen Mitwirkenden euphorisch Beifall. Was es in Grafenegg 2016 - somit in der zehnten Saison - zu hören gibt, wird Intendant Rudolf Buchbinder am 3. November bekannt geben.

(Quelle: S24)

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