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Filmkomponist Zimmer arbeitet gerne mit wirren Typen

Zimmer feiert seit Jahren in Hollywood Erfolge APA
Zimmer feiert seit Jahren in Hollywood Erfolge

Hans Zimmer gehört zu den umtriebigsten Filmkomponisten unserer Zeit. Der 61-jährige Oscarpreisträger ist für seine oft düsteren Klänge bekannt, versteht sich aber auch auf leichtere Kost. Am Freitagabend wird er im Rahmen von "Hollywood in Vienna" im Konzerthaus mit dem Max-Steiner-Award geehrt. Davor sprach der gebürtige Deutsche mit der APA über Erfolge, Enttäuschungen und den Reiz von Wien.

APA: Was muss ein Film mitbringen, damit Sie die Musik dazu schreiben möchten?

Hans Zimmer: Das hat mehr mit dem Regisseur und dem Team zu tun. Etwa bei den drei "Batman"-Filmen, die ich mit Christopher Nolan gemacht habe: Das waren zwölf Jahre unseres Lebens! Du musst versuchen, dass du mit Leuten arbeitest, mit denen du Freude hast, die interessant sind, neue Ideen haben und dass das Leben aufregend wird! Und dann müssen sie natürlich auch noch gute Geschichten erzählen können.

APA: Sind Sie schon mal enttäuscht worden?

Zimmer: Natürlich! Und sicherlich sind auch schon einige Regisseure von mir enttäuscht worden. Manchmal haut es nicht hin. Jeder möchte den besten Film, den er überhaupt machen kann, abliefern. Aber es kann auch das beste Drehbuch sein, mit den besten Schauspielern und Möglichkeit, und trotzdem wird es aus irgendeinem Grund nichts. Andererseits werden manchmal ganz kleine Filme, an die kein Mensch glaubt, plötzlich wunderbar und es macht Spaß. Wer weiß? Es gibt aber auch Filme, die finanziell kein großer Erfolg waren, die ich aber liebe und doch als Erfolg ansehe. Am Ende des Tages ist es mein Leben, ich habe nur eins. Ich muss es so verbringen, dass ich versuche, so gute Arbeit zu leisten, wie ich nur kann, und mich mit Leuten zu umgeben, die mich interessieren.

APA: Stichwort Erfolg: Wie definieren Sie diesen als Filmkomponist? Sind es Auszeichnungen wie ein Oscar oder Grammy?

Zimmer: Nein, finde ich gar nicht. Man kann die beste Musik in seinem Leben schreiben für einen Film, den kein Mensch ansieht, und dann bedeutet es überhaupt nichts. Der kommerzielle Erfolg muss schon ein bisschen dazugehören. Schließlich heißt es ja Showbusiness, und nicht Showfriends. (lacht)

APA: Im Laufe Ihrer Karriere haben Sie viele verschiedene Filme vertont. Ist gerade diese Bandbreite, von Komödie bis zu hartem Actionfilm, reizvoll für Sie?

Zimmer: Ja, ich langweile mich schnell. Wenn man sich beispielsweise die Filme ansieht, die ich mit Ridley Scott gemacht habe: Da ist "Gladiator" ganz anders als "Thelma und Louise", und auch "Tricks", den kein Mensch gesehen hat, ist ganz anders. Oder "Hannibal", den ich übrigens immer als eine romantische Komödie angesehen habe! Ich arbeite gerne mit diesen wirren Typen, die sich immer etwas Neues aussuchen. "Interstellar", "Inception" und "Dunkirk" sind beispielsweise ganz anders als die "Batman"-Filme, die ich mit Christopher Nolan gemacht habe. Der muss mal eine Komödie machen. (lacht)

APA: Wenn Sie an Ihre Anfänge zurückdenken: Was ist der größte Unterschied im Vergleich zu damals, wenn Sie heute zu komponieren beginnen?

Zimmer: Eigentlich das, was ich auch nach Hollywood mitgebracht habe: Die Idee, dass man mit dem Regisseur vom ersten Tag an arbeiten kann. Die Synthesizer und elektronischen Geräte haben das möglich gemacht. Davor musste man einfach alles auf dem Klavier spielen, der Regisseur hat das dann mit dem großen Orchester zum ersten Mal gehört. Es hat sich ja auch die Technologie beim Filmemachen verändert. Es wird nicht mehr auf Film geschnitten, wo der Komponist üblicherweise nur in den letzten paar Wochen das Material zu sehen bekommt. Bei der Arbeit mit Chris Nolan fange ich bereits lange vor den Dreharbeiten an, die Musik zu schreiben. Bei "Inception" wollte er mir den Film gar nicht zeigen, bis ich die Musik fertig hatte. (lacht) Musik hat viel mit Tempo, Zeit und Struktur zu tun, wir Musiker fühlen das sehr genau. Deswegen ist es nicht so schwierig für mich, mit Chris über die Ideen und das Thema zu sprechen, weil auch bei ihm Zeit meistens eine Rolle spielt. Dann schreibe ich Musik, er macht den Film, und irgendwie kommt das ganz gut zusammen.

APA: Haben sich die technischen Gegebenheiten nicht massiv verändert?

Zimmer: Ich bin ja zur Musik eigentlich über die Elektronik gekommen, und zwar über die Rechner, die damals gar nicht dafür vorgesehen waren. Ich dachte mir: Das könnte doch ein interessantes musikalisches Instrument werden! Ich habe also ziemlich früh damit angefangen und bin ein Musiker des 20. Jahrhunderts. Ich nehme diese Technologie, so wie Bach die Instrumente seiner Zeit benutzt hat. Gerade "Interstellar" war sehr aufregend, weil wir eine große Orgel benutzt haben, die wiederum im 17. Jahrhundert eigentlich das komplizierteste Stück Technologie war, das die Menschheit zu jener Zeit erfunden hatte. Schön, dass es zum Musikmachen da ist. (lacht) Und es dauerte bis ins 20. Jahrhundert, bis etwas Komplizierteres nachkam.

APA: Welche Bedeutung hat der Max-Steiner-Award für Sie?

Zimmer: Ich sehe das so: Ich bin hier, damit der Name Max Steiner am Leben erhalten wird. Sprecht nicht über Hans Zimmer, sprecht über Max Steiner und darüber, was Wien der Welt gibt! Es ist ja eigentlich verkehrt herum, es müsste "Wien in Hollywood" heißen, denn ohne Wien gäbe es kein Hollywood. Und zwar nicht nur musikalisch. Wir versuchen doch immer, psychologische Filme zu machen - wo wären wir aber ohne Sigmund Freud? Wo wären wir ohne die Berggasse 19? Oder ohne Egon Schiele, Gustav Klimt, Karl Kraus, Stefan Zweig und Theodor Herzl? Es ist erstaunlich, was diese eigentlich kleine Stadt in den Zeitgeist, der jetzt ganz aktuell ist, reingebracht hat. Die Revolution der Kultur, der Menschheit - ihr habt das alles hier in dieser kleinen Stadt und schenkt es der Welt! Ich versuche einfach, so viel von Wien zu lernen, wie ich nur kann.

APA: Haben Sie dazu Gelegenheit an diesem Wochenende?

Zimmer: Überhaupt nicht! (lacht) Sehen Sie diese Ecke hier? Das ist es.

(APA)

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