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Flüchtlingsandrang im Burgenland hält an

In der Nacht auf Freitag sind über den Grenzübergang Nickelsdorf im Burgenland erneut 3.670 Flüchtlinge eingereist. Insgesamt erreichten seit Montag damit bereits rund 16.000 Flüchtlinge Nickelsdorf. Im Südburgenland kamen unterdessen unerwartet mehr als hundert Flüchtlinge über die Grenze.

Sie werden laut Polizei zunächst in Moschendorf versorgt. Wohin sie dann gebracht werden, war zunächst noch nicht klar. "Die Menschen dürften sich von Körmend aus auf den Weg gemacht haben", sagte Polizeisprecher Helmut Marban. "Dort gibt es eine Kaserne, offenbar wurde dort eine Sammelstelle eingerichtet." Die Informationen durch die ungarische Seite seien nach wie vor dürftig, sagte Marban.

Die Existenz einer solchen Stelle wurde vom Bürgermeister von Körmend bestätigt. Rund 80 bis 90 Menschen, die Freitag früh in die neu eröffnete Einrichtung gebracht worden waren, hätten das Lager nach wenigen Stunden verlassen, erklärte Istvan Bebes laut der ungarischen Nachrichtenagentur MTI. Die Polizei beobachte die Bewegung der Flüchtlinge, erklärte er. Das Innenministerium hatte die Registrierungsstelle am Donnerstag in einer Polizeischule eröffnet. In der provisorischen Einrichtung sollen bis zu 600 Menschen untergebracht werden, teilte der Bürgermeister der Kleinstadt mit.

Nach Angaben der Bezirksleitstelle Güssing sind hingegen rund 110 Flüchtlinge nach Moschendorf gekommen. Man habe die Menschen im örtlichen Veranstaltungszentrum beim Weinbaumuseum untergebracht, das Rote Kreuz habe ihre Versorgung übernommen, sagte ein Polizist zur APA. "Es handelt sich um eine gemischte Gruppe, Frauen, Männer und Kinder. Die Menschen sind erschöpft, die Lage ist ruhig." Man warte nun auf Anweisungen des Innenministeriums und aus Eisenstadt, wie man die Menschen weitertransportieren könne. Moschendorf liegt in einem ins ungarische Staatsgebiet hineinragenden Zipfel rund acht Kilometer von Körmend entfernt.

Von Nickelsdorf fuhr zu Mittag ein Zug mit Flüchtlingen ab, ein weiterer sollte noch folgen. "Wir haben die Zusage, dass auch am Nachmittag Sonderzüge fahren werden", sagte Marban zur APA. Weiterhin unterwegs sind Busse und Taxis. Nach Angaben der ÖBB handelt es sich um Planzüge zwischen Nickelsdorf und Wien. Allerdings sollten im Laufe des Tages von Österreich insgesamt sechs Extra-Züge mit Flüchtlingen nach Deutschland fahren. Diese würden "teilweise direkt von Nickelsdorf Richtung Westen fahren", sagte ÖBB-Sprecher Michael Braun. Ob Salzburg oder Passau das Ziel war, war vorerst unklar. Wichtig sei, dass diese Garnituren auf jeden Fall "von den deutschen Kollegen übernommen werden", erklärte der Sprecher.

Zu Mittag hielten sich mehrere hundert Menschen unmittelbar am Grenzübergang auf, Hunderte weitere befanden sich nach wie vor in der Nova-Rock-Halle, in der Asfinag-Halle in Parndorf und auf dem Festival-Gelände in Wiesen. "Diese Flüchtlinge müssen wir sozusagen noch 'abarbeiten'. Es schaut gut aus, dass das bis zum späten Nachmittag gelingt", meinte der Polizeisprecher.

Die Einsatzkräfte gingen davon aus, dass die Notunterkünfte umgehend wieder belegt werden. "Wir rechnen aufgrund der Erfahrungen der vergangenen Tage mit mehreren tausend Menschen, die demnächst aus Ungarn kommen werden", sagte Marban.

Von einer "Eskalation" in Nickelsdorf sprach unterdessen am Freitag Ortschef Gerhard Zapfl (SPÖ) in einem Offenen Brief an Bundeskanzler Werner Faymann (SPÖ) und Innenministerin Johanna Mikl-Leitner (ÖVP). Eine "wahre Völkerwanderung" führe im Ort zu "großer Sorge und Angst": "Diese Entwicklung war absehbar", politische Entscheidungsträger auf Bundesebene hätten nichts in der nötigen Form entgegengesetzt. Der Brief ist auch vom Ortschef der Nachbargemeinde und SPÖ-Landtagsabgeordneten Werner Friedl unterzeichnet. Den Bundeskanzler und die Innenministerin fordern beide Ortschefs "dringend auf, rasch entsprechende Maßnahmen zu setzen, um die Lage zu entschärfen und den sozialen Frieden in Österreich nicht zu gefährden."

Die Stadt Wien eröffnete unterdessen in der Nacht auf Freitag ein neues Notquartier für Flüchtlinge: In einem Gebäude der Bundesimmobiliengesellschaft nahe der Urania wurden 270 Menschen untergebracht. Grundsätzlich gebe es dort Kapazitäten für bis zu 1.500 Menschen, berichtete der Flüchtlingskoordinator der Stadt, Peter Hacker, am Freitag.

Die 270 Menschen hätten das Gebäude, das vom Roten Kreuz und dem Arbeiter-Samariter-Bund betreut wird, bereits wieder verlassen, erklärte er. Derzeit stehe es leer und biete Platz für weitere Flüchtlinge. Der Fonds Soziales Wien, dessen Geschäftsführer Hacker ist, prüft derzeit zudem ein weiteres Quartier, das voraussichtlich am Nachmittag eröffnen wird. Dort können laut Hacker weitere 500 Personen untergebracht werden.

In Graz verbrachten rund 250 Flüchtlinge am Freitagfrüh eine Stunde am Hauptbahnhof und fuhren dann mit einem fahrplanmäßigen Zug nach Salzburg weiter, wie Rotes Kreuz und Polizei mitteilten. Die Menschen waren gegen 5.00 Uhr in Bussen aus dem burgenländischen Nickelsdorf gekommen. Knapp eine Stunde später saßen sie im Zug Richtung Salzburg bzw. weiter nach Deutschland.

In Linz kamen in der Nacht auf Freitag 418 Flüchtlinge im ehemaligen Postverteilzentrum unter, am Vormittag traten alle die Weiterreise an. Die Helfer bereiteten sich in der Zwischenzeit auf die nächste Welle vor. Insgesamt rund 1.400 Quartiere stehen in Linz, Wels und Attnang zur Verfügung.

Die Nacht im Postverteilzentrum sei sehr ruhig verlaufen, berichtete Stefan Neubauer vom Roten Kreuz. "Die Männer, Frauen und Kinder waren sehr erschöpft, aber glücklich." Generell ist Oberösterreich für den Großteil der Flüchtlinge nur ein kurzer Zwischenstopp. Donnerstagabend endete hier etwa die Fahrt eines Sonderzuges, die Passagiere übernachteten in Linz und fuhren am Freitag weiter in Richtung Deutschland.

Derzeit können an der Westbahnstrecke in Oberösterreich rund 700 Personen im Postverteilzentrum in Linz untergebracht werden. In der Sporthalle von Attnang-Puchheim ist man für weitere 300 Menschen vorbereitet. In der Welser Messehalle wurden bisher 100 Betten aufgebaut. Man sei aber in der Lage, binnen kürzester Zeit auf 400 aufzustocken, erklärte Neubauer.

Am Salzburger Hauptbahnhof sorgte die Entscheidung der ÖBB am Donnerstag, den Zugverkehr zwischen Ungarn und Österreich vorübergehend einzustellen, unterdessen für eine kurze Verschnaufpause bei den Einsatzkräften. Laut Angaben des Roten Kreuzes nächtigte nur eine geringe Zahl von Flüchtlingen in Salzburg, die Menschen verbrachten die Zeit zur Weiterreise dabei alle in den Zügen.

Am Salzburger Hauptbahnhof gestrandete Flüchtlinge werden ab sofort in der Bahnhofsgarage untergebracht. Damit sollen laut Informationen von Stadt und Land die Gänge im Bahnhofsgebäude für den nächste Woche wieder einsetzenden Berufs- und Schulverkehr frei gehalten werden. Die Garage steht darum bis auf Weiteres für den privaten Autoverkehr nicht zur Verfügung.

"Den Flüchtlingen wird mit der Garage eine wärmere und geschütztere vorübergehende Bleibe in der Nacht angeboten. Für das Rote Kreuz entfällt die Arbeit, ständig Betten aufstellen und wieder abbauen zu müssen. Die Anzahl der Betten bleibt mit maximal 520 gleich", hieß es dazu in einer Aussendung am Freitag. Belüftung, Fluchtwege und Reinigung seien bereits mit den Einsatzorganisationen geklärt worden. Verletzte oder kranke Personen werden weiterhin im Zelt des Roten Kreuzes am Bahnhofsvorplatz betreut.

(Quelle: S24)

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