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Flüchtlingsdrama auf A4: In U-Haft befindliche Männer bestreiten Tat

In diesem Lkw wurden die Leichen gefunden. APA
In diesem Lkw wurden die Leichen gefunden.

Über vier Verdächtige wurde am Samstag in Ungarn die U-Haft verhängt. Sie sollen für den Tod von 71 Flüchtlingen auf der A4 im Burgenland verantwortlich sein. Die Männer bestreiten, damit etwas zu tun zu haben.

Nach dem Fund von 71 vermutlich erstickten toten Flüchtlingen in einem Kühltransporter auf der A4 im Burgenland sind am Samstag vier Verdächtige in Ungarn in Untersuchungshaft genommen worden. Sie bestritten die Anschuldigungen, sagte Ferenc Bicskei, Gerichtspräsident des Kreisgerichts der südungarischen Stadt Kecskemet bei einer Pressekonferenz.

A4: Vermeintliche Schlepper bestreiten Tat

Die Männer im Alter von 28, 29, 37 und 50 Jahren - ein afghanischer und drei bulgarische Staatsbürger - waren nach der Entdeckung der toten Flüchtlinge, darunter auch vier Kinder, in Ungarn gefasst worden. Bei ihnen handle es sich "sicher um die unterste Ebene", betonte der burgenländische Polizeichef Hans Peter Doskozil am Samstag gegenüber der APA.

Die Verdächtigen bleiben nun bis 29. September in U-Haft. Das Gericht kam damit der Forderung der Staatsanwaltschaft nach, die auf die "außergewöhnliche Schwere des Verbrechens" verwiesen hatte. Außerdem warf die Anklagebehörde den Männern "geschäftsmäßig" organisierten Menschenhandel und Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung vor.

Tote nach Wien überstellt

Bereits am Freitagnachmittag wurden alle 71 Toten nach Wien überstellt, sagte Doskozil im APA-Gespräch. 16 Personen wurden bisher obduziert, berichtete der Polizeichef. Aus heutiger Sicht gehe er davon aus, dass "Mitte, Ende nächster Woche" die Obduktionen abgeschlossen sein werden.

Ab Sonntag wird ein Spezialteam, ein sogenanntes DVI-Team (Desaster Victim Identification), im Einsatz sein. Das etwa zwanzigköpfige Team soll DNA-Material so sichern, dass auch im Nachhinein, also nach einer Beerdigung, eine Identifizierung gemacht werden kann. Auch die Handys der Opfer werden ausgewertet.

Flüchtlingsstrom erwartet

Neben diesen Ermittlungen hat das Burgenland voraussichtlich auch bald mit einem großen Flüchtlingsandrang zu rechnen. Von 7.000 Flüchtlingen, die von Mazedonien über Serbien und Ungarn nach Österreich unterwegs sein sollen, war zunächst die Rede. "Wir werden Personal anfordern. Ich gehe davon aus, dass wir vielleicht schon morgen oder spätestens am Montag das Personal bei uns haben", meinte Doskozil. Bei der ersten Tranche sollen eventuell auch mehr als die von Innenministerin Johanna Mikl-Leitner (ÖVP) bereits am Freitag angekündigten 30 Polizisten aus Kärnten und der Steiermark dabei sein.

Das Bundesheer war am Samstag bereits unterstützend tätig und half u.a. beim Aufbau eines großen Zeltes sowie eines Rotkreuz-Zeltes vor der Nova-Rock-Zelthalle in Nickelsdorf. Außerdem wurde eine Lkw-Halle der Autobahnmeisterei Parndorf adaptiert, um Flüchtlinge dort unterbringen zu können. Weiters wolle man im unmittelbaren Bereich der AGM Dienststelle Schachendorf auf Bundesgrund zwölf Container aufstellen, teilte der Polizeichef mit. "Und wir haben als letzte Maßnahme jetzt ad hoc wegen der vermuteten Zuströme, die Lkw-Kontrollstelle Zollstelle Heiligenkreuz so adaptiert, dass wir sie auch als Sammelstelle verwenden können", erläuterte Doskozil.

Mikl-Leitner kündigte am Samstag in einer Aussendung verstärkte polizeiliche Maßnahmen zur Schleppereibekämpfung an. Demnach wurden im Innenministerium gemeinsam mit den betroffenen Landespolizeidirektionen Maßnahmen erarbeitet. Man sei sich darüber bewusst, dass "Polizeikontrollen zu Staus führen werden", hieß es in der Aussendung. Temporäre Verkehrsbehinderungen müssten jedoch in Kauf genommen werden, "wenn man Menschenleben retten will".

(APA)

(Quelle: S24)

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