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Flüchtlingsstrom nach Ungarn lässt nicht nach

Flüchtlinge überqueren Grenze nach Ungarn Salzburg24
Flüchtlinge überqueren Grenze nach Ungarn

Der Zustrom von Flüchtlingen nach Ungarn bleibt weiter hoch. Auch am Donnerstag passierten Tausende Migranten die serbisch-ungarische Grenze. In der nordserbischen Grenzstadt Kanjiza trafen zudem binnen 24 Stunden mehr als 5.000 Flüchtlinge ein. Das ist bisher die höchste Zahl binnen eines Tages. Am Budapester Ostbahnhof warten indes noch Hunderte Migranten, die in Richtung Westen reisen wollen.

Die meisten Flüchtlinge würden in Kanjiza in Sommerkleidung eintreffen, berichtete der staatliche TV-Sender RTS. Wärmere Kleidung und Schuhe seien dringend notwendig, an Decken würde es derzeit im Aufnahmelager aber nicht fehlen. In Presevo, wo die Temperaturen in der vergangenen Nacht auf 10 Grad Celsius gesunken waren, mussten etwa 200 Menschen in Zelten untergebracht werden. Für Frauen mit Kleinkindern stand eine feste Unterkunft zur Verfügung. In der nordmazedonischen Grenzortschaft Tabanovci kamen am Donnerstagvormittag rund 1.000 Zufluchtsuchende mit einem Zug aus Gevgelija an.

An der ungarisch-serbischen Grenze trafen unterdessen in der Sammelstelle bei Röszke tagsüber zahlreiche Migranten ein. Die meisten kamen über die Gleise nach Ungarn, andere wiederum kletterten über den Drahtzaun, berichtete die staatliche Nachrichtenagentur MTI. Angesichts des Dauerregens standen die kleinen Zelte in der Sammelstelle bei Röszke im Schlamm, freiwillige Helfer kämpften bei der Versorgung der Flüchtlinge mit den hinderlichen Bedingungen.

Laut MTI sei der Abtransport der Migranten von der ungarisch-serbischen Grenze in Einrichtungen der Ausländerbehörde bedeutend beschleunigt worden. Dennoch würden sich ständig Hunderte in der Sammelstelle aufhalten. Dabei würden viele Migranten zwischen Serbien und Ungarn pendeln. Sie würden sich in Ungarn mit Essen, Trinken, Regenmänteln versorgen und dann wieder auf die serbische Seite zurückmarschieren, um in der Dunkelheit zurück nach Ungarn zu kommen. So wollen sie sich den Anordnungen der Polizei zu entziehen und sich zu Fuß auf den Weg nach Budapest zu machen. Das hatten am Donnerstag mehrere Gruppen versucht, die auf der Landstraße 5 entlangmarschierten.

Am Budapester Ostbahnhof warteten auch am Donnerstagabend noch Hunderte Migranten, die mit dem Zug in Richtung Westen reisen wollen, berichtete das ungarische Staatsfernsehen. Ein hohes Polizeiaufgebot sorgte für Ordnung, denn die Migranten versuchten immer wieder, auf den Bahnsteig zu drängen, von dem die Züge Richtung Österreich abfuhren.

In der westungarischen Stadt Körmend nahe der österreichischen Grenze wird unterdessen ein provisorisches Sammellager für 600 Flüchtlinge errichtet. Vom Grenzort Hegyeshalom seien am Donnerstag rund 1.000 Flüchtlinge nach Österreich weitergereist, berichtete das Staatsfernsehen.

Die angekündigten "Transitzonen" an der ungarisch-serbischen Grenze kommen unterdessen nun doch nicht. Fünf Tage vor deren geplanter Eröffnung erklärte Kanzleiminister Janos Lazar am Donnerstag, diese Zonen würden doch nicht eingerichtet, da sie "nicht notwendig" seien. Nun sollen die Asylanträge bei den Grenzübergängen gestellt werden können, gab Lazar bekannt. Die Unterbringung soll in einem Flüchtlingslager geschehen. Dazu sollen die Unterbringungskapazitäten ausgebaut werden, sagte er.

Nach den Vorstellungen der Regierung würden Mitarbeiter der Einwanderungsbehörde auf ungarischer Seite der Grenze jene Flüchtlinge erwarten, die einen Asylantrag stellen wollen. Wenn die Migrantenzahl zu hoch würde, müssten die Flüchtlinge auf serbischer Seite warten. Wer einen Antrag einreichte, würde ins Land gelassen und in einer Einrichtung der Einwanderungsbehörde untergebracht.

Hilfsorganisationen dürften auch außerhalb des Grenzstreifens oder sogar hinter dem Grenzzaun arbeiten, um den dort wartenden Flüchtlingen zu helfen, sagte Lazar weiter. Die Asylanträge würden nicht an der Grenze beurteilt, sondern von Richtern am Gericht in der nahe gelegenen Stadt Szeged. Laut Berechnung der Regierung könnten täglich bis zu 100 Asylanträge beurteilt werden. Der Zeitraum dafür sollte nicht mehr als acht Tage betragen.

Der ungarische Außenminister Peter Szijarto verteidigte - wie andere ungarische Politiker zuvor auch - den Bau der Zäune an der serbisch-ungarischen Grenze. Die Absperrung sei sehr "effizient". Ohne diesen Zaun wäre die Grenze völlig offen, erklärte er. In der Causa Grenzsperre gehe Budapest nach Ansicht des Ministers im Einklang mit den EU-Vorschriften vor. Es sei "absurd", dass Ungarn deshalb von Brüssel kritisiert werde. Der Politiker erwarte, dass die "Lügenkampagne" gegen sein Land ein Ende nehme.

Auch Mazedonien überlegt inzwischen die Möglichkeit, einen Zaun an der Grenze zu Griechenland zu errichten, ähnlich jenem an der ungarisch-serbischen Grenze. Damit sollen Flüchtlingsströme aufgehalten werden. Dies kündigte der mazedonische Außenminister Nikola Poposki im Gespräch mit einer ungarischen Zeitschrift (Figielo) an. Mazedonien wird demnach entweder den Zaun errichten, oder aber Streitkräfte an der Grenze aufstellen, oder gar beide Maßnahmen treffen, wurde in mazedonischen Medien aus dem Interview zitiert.

Mehrere tausend Flüchtlinge haben sich unterdessen am Donnerstag im Norden Griechenlands trotz schwerer Regenfälle und Schlamms zur mazedonischen Grenze durchgeschlagen. Mehr als 4.000 Menschen passierten völlig durchnässt die Grenze vom griechischen Idomeni zum mazedonischen Gevgelija, wie griechische Medien und Augenzeugen berichteten. Weitere 3.000 Flüchtlinge warteten noch an der Grenze, immer mehr kamen mit Bussen an, wie Augenzeugen weiter berichteten.

Unterdessen trafen in Piräus Tausende Migranten von der überfüllten Insel Lesbos an. Bereits in den vergangenen Tagen waren Schätzungen nach mehr als 10.000 Migranten von den Inseln Lesbos, Kos, Samos und Leros in Piräus angekommen. Die meisten von ihnen zogen weiter in den Norden des Landes, weil sie nach Westeuropa wollten.

In Athen war die einzige Aufnahmestelle überfüllt. Flüchtlinge, die auf ihre Weiterreise warteten, mussten deshalb im Freien ausharren. Auf dem zentralen Viktoria-Platz campierten etliche Menschen unter Planen und Pappkartons, wie das staatliche Fernsehen berichtete. 

Mazedonische Behörden rechnen in den kommenden Tagen mit einem weiteren Anstieg der Flüchtlingszahlen. Auf der griechischen Insel Lesbos würden derzeit 17.000 Flüchtlinge auf ihre Weiterreise warten, hieß es in Medienberichten in Skopje. Zwischen dem 19. Juni und dem gestrigen Mittwoch wurden von mazedonischen Behörden knapp 67.000 Flüchtlinge registriert, einen Großteil stellten syrische Bürger, berichteten Medien heute Donnerstag.

(Quelle: S24)

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