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Flüchtlingszüge aus Budapest bei Bicske gestoppt

Großer Flüchtlingsansturm auf den Bahnhof Keleti Salzburg24
Großer Flüchtlingsansturm auf den Bahnhof Keleti

Flüchtlingschaos in Budapest: Nachdem die Polizei am Donnerstag in der Früh die Blockade des Ostbahnhofs in der ungarischen Hauptstadt für Flüchtlinge beendet hat, haben sich auf den Bahnsteigen chaotische Szenen abgespielt. Hunderte Flüchtlinge, die seit Tagen vor dem Gebäude ausgeharrt hatten, strömten auf die Bahnsteige. Zwei Züge Richtung österreichische Grenze wurden aber gestoppt.

Nur rund 40 Kilometer westlich der ungarischen Hauptstadt hielt die ungarische Polizei einen Zug Richtung Sopron mit Hunderten Flüchtlingen an Bord an und forderte die Reisenden zum Aussteigen auf. In der ungarischen Stadt Bicske warteten laut der ungarischen Nachrichtenagentur MTI Polizisten, Dolmetscher und rund 20 Busse auf die Flüchtlinge, um sie in das nahegelegene Flüchtlingslager zu bringen. Zahlreiche Migranten weigerten sich in die Busse zu steigen. Viele Flüchtlinge schlugen gegen die Fenster und riefen "Kein Lager, kein Lager", wie ein Reuters-Reporter berichtet. Flüchtlinge, die sich auf die Gleise gelegt hatten, wurden festgenommen. Auch ein zweiter Zug Richtung Györ wurde in Bicske gestoppt.

Die Flüchtlinge waren am Vormittag am Budapester Ostbahnhof in den Zug gedrängt. Als Ziel wurde die ungarische Grenzstadt Sopron genannt. Über Österreich sollten die Flüchtlinge nach München gebracht werden, hatte ein Polizist am Bahnsteig gegenüber der APA erklärt. Zugleich hatte die ungarische Eisenbahngesellschaft MAV erklärt, es gebe bis auf Weiteres keine direkten Züge von Budapest nach Westeuropa. Am Vormittag fuhren auch keine Züge von Österreich direkt in die ungarische Hauptstadt.

Auch die tschechische Eisenbahn CD teilte mit, dass die internationalen Eurocity-Zugverbindungen von Berlin über Prag nach Budapest seit Donnerstagvormittag im ungarischen Grenzbahnhof Szob beginnen oder enden. In Szob müssten die Reisenden in Regionalzüge umsteigen.

ÖBB von ungarischen Kollegen nicht informiert

Bei der ÖBB herrschte Unklarheit über die Planungen in Ungarn. Über den Sonderzug nach Sopron sei man nicht informiert worden, sagte ÖBB¬-Sprecher Michael Braun gegenüber der APA. Allerdings wurden Vorbereitungen getroffen für den Fall, dass die ungarische Bahn doch noch Züge von Budapest nach Sopron führen sollte. "Dann werden wir Doppelstockzüge, die derzeit in Wulkaprodersdorf stehen bleiben, nach Sopron verlängern", so Braun. Auf ihrer Homepage rieten die ÖBB generell von Bahnreisen nach Ungarn ab. Auch die Bahnhöfe in Salzburg und Wien bereiteten sich auf einen möglichen neuerlichen Flüchtlingsansturm vor.

Am Bahnhof in Sopron gab es keinerlei Hinweise darauf, dass Züge mit Flüchtlingen aus Budapest ankommen werden. Weder wurde das Bahnpersonal aufgestockt noch Exekutivkräfte hinzugezogen, auch die Bahnhofsdirektion hatte keinerlei Information über einen "Flüchtlingszug".

Ungarn - Fl?chtlingszug gestoppt Salzburg24
Ungarn - Fl?chtlingszug gestoppt

Bahnhof in Budapest am Dienstag gesperrt

Das weitere Schicksal der Flüchtlinge vom Budapester Ostbahnhof war zunächst unklar. Auch ein zweiter Zug mit Flüchtlingen an Bord fuhr vom Budapester Ostbahnhof in Richtung Sopron. Zahlreiche Menschen drängten vor Abfahrt des Zuges aber erneut aus den Waggons nachdem sich herumgesprochen hatte, dass sie dieser Zug auch nicht nach Deutschland bringen würde, sondern in ein Flüchtlingslager fahren werde.

Der Budapester Ostbahnhof war seit Dienstag für Flüchtlinge gesperrt. Nachdem die Polizei die Kontrollen am Montag aufgegeben hatte, hatten mehrere tausend Flüchtlinge die Züge gestürmt und waren nach Wien und München weitergereist. Am Dienstag hatten die ungarischen Behörden den Bahnhof dann geräumt. Seither ließen sie keine Migranten mehr in das Gebäude.

Orban: Zustrom von Flüchtlingen ein "deutsches Problem"

Der ungarische Regierungschef Viktor Orban bezeichnete den Zustrom von Flüchtlingen unterdessen als "deutsches Problem". Nach einem Gespräch mit EU-Parlamentspräsident Martin Schulz erklärte er in Brüssel, es dürfe kein Flüchtling ausreisen, ohne dass er vorher registriert worden sei. Ungarn halte sich lediglich an europäische Regeln und tue das, was die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel erwarte.

"Das Problem ist kein europäisches Problem. Das Problem ist ein deutsches Problem", betonte Orban. Die Migranten wollten nicht in Ländern wie Ungarn, Polen oder Estland bleiben. "Alle würden gerne nach Deutschland gehen." Migranten warnte der rechtsnationale Regierungschef ausdrücklich vor einer Einreise nach Ungarn. "Bitte kommen Sie nicht. Es ist riskant zu kommen. Wir können nicht garantieren, dass Sie akzeptiert werden."

EU-Parlamentspräsident Martin Schulz warf dem ungarischen Regierungschef vor, in der Migrationspolitik die falschen Schwerpunkte zu setzen. "Ich bin nicht der Meinung von Viktor Orban", sagte der SPD-Politiker. Es möge zutreffen, dass nicht alle Menschen in Ungarn bleiben wollten. Ziel müsse deswegen aber eine gerechte Verteilung der Flüchtlinge sein.

(APA)

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(Quelle: S24)

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