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Forschungsbericht zeigt fundamentalistische Tendenzen in Wiener Moscheen

Außenminister und ÖVP-Obmann Sebastian Kurz fordert mehr Personal für das im Kanzleramt angesiedelte Kultusamt. Damit soll sichergestellt werden, dass Moscheen kontrolliert werden, ob sie das Islamgesetz einhalten. Bei Verstößen sollen sie aufgelöst werden, so der ÖVP-Obmann am Montag bei der Präsentation der Studie "Rolle der Moschee im Integrationsprozess".

Für den Forschungsbericht wurde von Heiko Heinisch und Imet Mehmedi im Auftrag des Österreichischen Integrationsfonds (ÖIF) die Wiener Moscheenlandschaft untersucht und die Inhalte der Predigten der reichweitenstärksten Moscheen und muslimischen Glaubenshäuser analysiert. Insgesamt wurden 16 Moscheen und deren Träger, die Kultusgemeinden, untersucht, indem Beobachter mehrfach an den Freitagspredigten teilnahmen und deren Kernaussagen auswerteten. Neun der 16 Imame waren auch zu Interviews bereit, hieß es.

Abwertung der westlichen Gesellschaft in Moscheen

In acht der untersuchten Moscheen werde ein Weltbild gepredigt, das klar in Muslime und in "alle anderen" auf der anderen Seite trennt. In sechs Moscheen finde zudem eine dezidierte Abwertung der westlichen Gesellschaft statt. Gemäß diesem Weltbild sei der Glaube nicht dem demokratischen Rechtsstaat untergeordnet, sondern stehe der Koran über den Gesetzen. In der Unterlage heißt es, die Ergebnisse zeigen deutlich, dass es Tendenzen zu einer Abwendung von der demokratischen Weltordnung gibt.

Ergebnisse nicht repräsentativ

Die Ergebnisse seien nicht repräsentativ, da die Moscheenlandschaft zu heterogen sei, gab Heinisch zu bedenken. Die Ergebnisse würden aber belegen, dass es beim Integrationsprozess große Probleme gebe. Gerade die türkischen Verbände seien ein wesentlicher Faktor im Integrationsprozess, da sie mit Abstand die mitgliedsstärksten Moscheevereine sind, meinte er weiters. Die Studienautoren räumen in der Unterlage selbst ein, dass für aussagekräftigere Daten ein "wesentlich längerer Untersuchungszeitraum" nötig wäre und auch die Rezipienten einbezogen werden sollten. Beobachtet wurden die Einrichtungen im Frühjahr 2017. Heinisch erklärte dazu auf Nachfrage, dass die Dauer der Untersuchung von den Finanzen abhängt. Die Studie kostete rund 33.000 Euro.

Predigten auf Deutsch in Wiener Moscheen Ausnahme

Die Wiener Moscheenlandschaft ist stark nach Ethnien getrennt, die Predigt in den untersuchten Gebetshäusern finde auch ausschließlich in der jeweiligen Landessprache statt. Moscheen, in denen auf Deutsch gepredigt wird, seien die Ausnahme. Außerdem herrscht in den Moscheen strikte Geschlechtertrennung. Zwar verfügen manche über einen eigenen Raum für Frauen, dieser wurde aber von Männern beim Freitagsgebet zur Gänze in Anspruch genommen. Imet Mehmedi berichtete weiters, dass die Imame laut eigenen Angaben keinen Kontakt zu anderen Imamen haben.

Heinisch: "Fundamentalistische Tendenzen"

Für die Studie wurde eine fünfstufige Integrationsskala angelegt, von Segregation - der prinzipiellen Ablehnung der Mehrheitsgesellschaft - bis hin zur Identifikation. Diese letzte Stufe sei von keinem einzigen Moscheeverein erreicht worden, erklärte Heinisch. In einer Moschee der islamischen Föderation, die sich auf dem Weg der Segregation befindet, werde von islamischer Überlegenheit und einem Weltherrschaftsanspruch gesprochen. "Die fundamentalistischen Tendenzen sind nicht wegzudiskutieren", so Heinisch.

Auch sei etwa der Dschihad als positiver islamischer Wert dargesellt worden. Oft werde auch offen der Nationalismus gepredigt oder die islamische Gemeinschaft überhöht, bei gleichzeitiger Abwertung anderer Menschen. Aus den Interviews mit Imamen hieß es beispielsweise, dass ein Imam über Freundschaften zu Nicht-Muslimen angegeben habe, dies sei schon möglich, die Freundschaft sollte aber nicht zu eng sein.

Kurz: "Darf keinen Generalverdacht gegen Muslime geben"

Kurz betonte, es dürfe keinen Generalverdacht gegen Muslime oder Moscheen geben. "Man darf aber nicht wegsehen, wenn es Kultusgemeinden gibt, die sich nicht an das Islamgesetz halten." Die Ergebnisse zeigen große Unterschiede auf. Es wäre aber ein Fehler, zu sagen, alles sei in Ordnung, es gebe keine Probleme. Das Kultusamt habe die Möglichkeit, zu prüfen: "Das ist aber noch nicht passiert." Daher habe das Integrationsministerium die Initiative ergriffen - die Beauftragung erfolgte vor rund einem Jahr. Die Ergebnisse wurden nun dem Kultusamt übermittelt.

60 Fälle von illegaler Auslandsfinanzierung

Die Aktion von Staatssekretärin Muna Duzdar am Sonntag begrüßt Kurz, sie sei aber "relativ spät" gekommen. Duzdar hatte bekannt gegeben, dass bei bis zu 60 islamischen Imamen Anhaltspunkte für verbotene Auslandsfinanzierung gefunden worden sei. Er erwartet sich nun, dass das Kultusamt und das Bundeskanzleramt genau prüfen, ob es Verstöße gegen das Islamgesetz gegeben hat: "In unseren Augen ist das der Fall." Auch sollten Konsequenzen gezogen werden, schließlich gebe es die Möglichkeit zur Auflösung: "Und das sollte auch stattfinden", wenn gegen das Gesetz verstoßen wurde, forderte der ÖVP-Spitzenkandidat.

Kultusamt weist Vorwurf zurück

Das im Bundeskanzleramt angesiedelte Kultusamt hat den Vorwurf von Außenminister Sebastian Kurz (ÖVP), wonach man untätig wäre, zurückgewiesen. Die von Kurz vorgestellte Studie über Moscheen sei erst am Vormittag auf Nachfrage übermittelt worden.

"Anscheinend wird hier das Kultusamt mit dem Verfassungsschutz verwechselt", hieß es am Montag aus dem Staatssekretariat von Muna Duzdar (SPÖ) gegenüber der APA. Im Zuständigkeitsbereich des Kultusamts sei man hingegen natürlich tätig.

Kurz präsentiert zweite Islam-Studie im Wahlkampf

Die aktuelle Studie über Wiener Moscheen ist nicht die erste, die in diesem Wahlkampf zum Thema Islam präsentiert wurde. Außen- und Integrationsminister Sebastian Kurz begründete die aktuelle Untersuchung damit, dass in der Vergangenheit oft gefragt wurde, was passiert in den Moscheen, ist das korrekt, entspricht das den österreichischen Werten. Der ÖVP-Spitzenkandidat ortet zumindest in zwei Punkten Gesetzesverstöße. Dabei handle es sich um den Punkt, wonach die Lehre nicht mit gesetzlichen Regelungen in Österreich im Widerspruch stehen darf und zweitens um die Aufforderung zu gesetzwidrigen Verhalten oder die Behinderung. "Ich erwarte das Aktivwerden und wenn die Vorwürfe nicht entkräftet werden können, eine Auflösung dieser Kultusgemeinden", so der Minister.

(APA)

(Quelle: S24)

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